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Stolpersteine bald auch in Holzheim

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Wenn alles nach Plan läuft, dann erinnern auch bald in Holzheim Stolpersteine an die ehemals hier lebenden jüdischen Mitbürger..

Pohlheim (red). Wenn alles nach Plan läuft, dann erinnern auch bald in Holzheim als letztem der drei betroffenen Stadtteile von Pohlheim Stolpersteine an die ehemals hier lebenden jüdischen Mitbürger. Denn bereits in Watzenborn-Steinberg und Grüningen wurden Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig als Erinnerungsmale verlegt. Diese Steine mit Messingplättchen erinnern an die von den Nationalsozialisten vertriebenen und ermordeten Menschen jüdischer Herkunft. Das soll nun noch in diesem Jahr auch im südlichsten Stadtteil Holzheim geschehen.

Doch der Reihe nach. Auch wenn der Heimatkundliche Arbeitskreis Holzheim nach seiner Konstituierung im Oktober 2020 Pandemie-bedingt nicht weiter tätig werden konnte, hat seine Initiative, die Stolperstein-Verlegung neu anzugehen, Früchte getragen.

19 Messingschilder

Dazu wesentlich beigetragen haben die Initiative Stolpersteine in Pohlheim um das Ehepaar Simone und Tim van Slobbe und der Kirchenvorstand der Evangelischen Kirchengemeinde Holzheim um Pfarrer Matthias Bubel sowie maßgeblich die aus Holzheim stammende und in Bad Soden/Ts. lebende Historikerin Dr. Sabine Sander. Der Ortsbeirat Holzheim um den neuen Ortsvorsteher Daniel Jung hat in seiner letzten Sitzung im vergangenen Jahr ebenfalls noch einmal fraktionsübergreifend seine Unterstützung erklärt.

Dabei soll aber auch nicht das Engagement überwiegend Holzheimer Institutionen wie Bürgerverein und Ortsvereine sowie zahlreicher Privatleute unerwähnt bleiben. Denn durch ihre Spenden für die einzelnen Stolpersteine ist die Verlegung aller 19 Messingschilder in die Fußwege vor den letzten Wohnstätten in Holzheim gesichert. Dass jetzt 19 Steine statt ursprünglich zwölf vorgesehenen sein werden, ist den Untersuchungen von Sabine Sander zu verdanken. Wobei Hanno Müller aus Hungen wertvolle Vorarbeiten geleistet hat.

Albert Mehl hatte 2004 die zwölf letzten Juden in Holzheim erfasst, die am 14. September 1942 von den Nazis deportiert und dann allesamt in Konzentrationslagern ermordet worden waren. Daraufhin wurde eine Erinnerungstafel am Ehrenmal zum Gedenken an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs auf dem Kirchhof der evangelischen Kirche angebracht.

Neue Erkenntnisse

Sabine Sander hat jetzt auch die zuvor vertriebenen Opfer der NS-Zeit in Holzheim ermittelt. Auch an sie sollen die Stolpersteine »vor dem letzten selbstgewählten Wohnort erinnern«, so Simone und Tim van Slobbe nach den Leitlinien des Demnig-Projekts.

Über ihre neuen Erkenntnisse will die Bad Sodener Historikerin mit Holzheimer Wurzeln bei einem Informationsabend in der Kulturellen Mitte berichten. Vorgesehen ist dafür, sofern es die Pandemie-Lage erlaubt, ein noch genau festzulegender Termin im Mai.

Dann soll mit Leben und Informationen gefüllt werden, was Pfarrer Bubel als Sinn und Zweck der Stolperstein-Verlegung beschreibt: »So soll das Andenken an die ehemaligen jüdischen Mitbürger geehrt werden, dass ihre Namen und Geschichten weiter im Dorf sichtbar sind und Menschen zum Nachdenken angeregt werden.« Das Büro von Gunter Demnig hat nach den Informationen der Pohlheimer Stolperstein-Initiative den Dezember für die Verlegung ins Auge gefasst.

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