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Über drei Jahre Haft für Mutter

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Eine 38-jährige Mutter muss für drei Jahre und drei Monate ins Gefängnis, weil sie ein Drogengeschäft mit 40 Kilogramm Marihuana eingefädelt hatte. Ein Pohlheimer war beteiligt.

Pohlheim (bcz). »Hinten heraus haben Sie alles richtig gemacht«, lobte die vorsitzende Richterin der fünften Strafkammer des Landgerichts Gießen, Regine Enders Kunze, eine 38-jährige Spanierin. Die Kammer hatte die Angeklagte zuvor zu drei Jahren und drei Monaten Haft wegen Einfuhr und Handels mit Marihuana in einer nicht geringen Menge verurteilt.

Es ging um zwei Lieferungen von insgesamt 40 Kilogramm Marihuana, die 2018 von Spanien zu einem Umschlagsplatz bei Pohlheim gebracht wurden. Von dort aus wurden sie weiter verkauft. Die 38-jährige Spanierin organisierte das Geschäft in Sevilla. Sie versicherte glaubhaft, dass sie nur jeweils zweimal 20 Kilogramm an Drogen organisiert und auf die Reise geschickt habe.

Bei der ersten Lieferung hätte der unbekannte Transporteur noch zehn Kilo dazu gepackt, die anschießend gewinnbringend mit verkauft worden seien. Diesen Fakt glaubte ihr das Gericht und nahm die 40 Kilogramm als Grundlage für das Urteil.

Die Verurteilte lebte bis zu ihrer Verhaftung in Sevilla, in einem Viertel, in dem Drogenhandel üblich ist. Ihre Familie sei in solche Geschäfte involviert gewesen, sagte sie aus. Sie betonte jedoch, dass sie zwar wisse, wie der Handel ablaufe. Sie selbst hätten sich allerdings bis zu diesem Zeitpunkt immer davon fern gehalten. 2018 pflegte sie allerdings ihre kranke Mutter und eine Tante. Dadurch habe es finanzielle Probleme gegeben.

Da sei das Angebot eines deutschen Bekannten gerade recht gekommen. Dieser fragte sie Anfang 2018, ob sie ihm bei der Beschaffung der Drogen helfen könnte. Sie vermittelte den Deal und überwachte auch die Verpackung des Marihuana, das in einen Pick-up verladen in Richtung Deutschland geschickt wurde. Das Gras hatte eine hohe Qualität und sei laut Aussage des Bekannten, der bereits wegen Drogenhandels rechtskräftig dafür verurteilt wurde, innerhalb von zwei Stunden verkauft worden.

Weil der erste Geschäft so gut gelaufen war, wendete sich der Freund im Oktober 2018 erneut an sie. Auch diesmal wurden 20 Kilo organisierte, doch es stellte sich in einer Gartenhütte in Pohlheim heraus, dass die Qualität miserabel war. So konnten letzten Endes von der Menge her nur fünf Kilogramm verkauft werden, berichte die Spanierin. Um Ärger zu vermeiden, flog sie deshalb zur Klärung nach Deutschland. Hier konnte keine Einigung erzielt werden. Sie flog unverrichteter Dinge zurück. Im Zuge von Ermittlungen rund um den zweiten Verkauf stießen deutsche Beamte auf die Hinterfrau in Spanien.

Sie wurde zu dem zweiten Fall in Spanien verhört und gab in der Vernehmung freiwillig auch das erste Geschäft zu. Daher hatte ihre Verteidigerin Ana-Llanos Rodriguez auf ein mildes Urteil plädiert und zwei Jahre auf Bewährung gefordert, da ihre Mandantin von Anfang an sehr kooperativ gewesen sei und zudem alle Taten zugegeben hatte.

Auch Staatsanwältin Nathalie Dohmen rechnete ihr die Zusammenarbeit und sämtliche mildernde Umstände, forderte in ihrem Plädoyer jedoch eine Haftstrafe von drei Jahren und elf Monaten. Das Gericht blieb mit drei Jahren und drei Monaten Haft leicht darunter. Damit gab es keine Bewährung wie von der Verteidigerin gefordert, zu groß waren die Mengen.

Das Urteil traf die Mutter hart. Sie kämpfen, hatte sie doch in ihrem Schlusswort um Milde gebeten, da sie eine kleine Tochter habe, für die sie Verantwortung übernehmen wolle. »Ich habe meine Lektion gelernt«, sagte sie dazu.

Das Gericht schenkte ihrer Reue zwar Glauben und stufte auch viele Faktoren wie ihr umfängliches Geständnis, ihre schwierigen Lebensumstände, die Untersuchungshaft in Deutschland und die Trennung von ihrer Familie, als strafmildernd ein. Daher wurden die Taten als minderschwerere Fälle gewertet.

Aufgrund der gelieferten Menge von insgesamt 40 Kilo Marihuana kam für die Kammer jedoch keine Bewährungsstrafe mehr in Betracht. »Wahrscheinlich ist Ihnen nicht bewusst gewesen, was daraus werden könnte, als sie den Handel organisiert haben. Die Folgen müssen sie aber jetzt tragen«, sagte die Richterin.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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