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Unermüdliches Wirken

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Von: Thomas Wißner

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Regierungspräsident Christoph Ullrich überreicht die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Prof. Georg Erhardt (l.). Foto: Wißner © Wißner

Pohlheim (twi). Prof i. R. Georg Erhardt konnte aus den Händen von Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland in Empfang nehmen. In einer Feierstunde in der Heimatstube Pohlheim nahm Ullrich die Ehrung vor und ging dabei auf den Werdegang des »Hausherrn« ein, der bis 2021 über Jahrzehnte hinweg die Geschicke des Ortsverein Watzenborn-Steinberg der Heimatvereinigung Schiffenberg leitete, dessen Ehrenvorsitzender er ist.

Erhardt absolvierte von 1969 bis 1972 ein Studium der Landwirtschaft an der Fachhochschule (FH) Nürtingen und schloss dieses als Diplom-Ingenieur FH ab. Es schloss sich ein Studium der Veterinärmedizin an der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen an. 1977 erfolgte die Approbation als Tierarzt und 1981 promovierte er als Fachtierarzt für Zuchthygiene und Besamung. Im Jahre 1991 folgte die Habilitation und Verleihung der Venia legendi für Tierzucht und Haltungsbiologie und 1994 die Ernennung zum Universitätsprofessor.

Leiter einer Versuchsstation

Diesen Lehrstuhl behielt er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 2016. Das Amt des Dekans des Fachbereichs Agrarwissenschaften und Umweltsicherung der JLU bekleidete er von 1996 bis 1997. Zudem war er von 1999 bis 2016 Geschäftsführender Direktor des Instituts für Tierzucht und Haustiergenetik und von 1994 bis 2016 Leiter der Lehr- und Versuchsstation Oberer Hardthof der JLU.

Während dieser Zeit machte er sich in herausragender Weise um die Universität verdient. Neben seiner umfangreichen Lehrtätigkeit für Studierende der Agrarwissenschaft, Veterinärmedizin und Ökotrophologie führte er als Erstbetreuer 55 Doktoranden zur Promotion. Zwei Wissenschaftler habilitierten unter seiner Anleitung. Die ehrenvolle Aufgabe, durch das kurze Programm der Verleihung zu führen, oblag Tochter Lena Thiel, während Friedlind Schäfer und Heinz-Jürgen Scheidler die Feierstunde musikalisch umrahmten.

Wie Ullrich bei »diesem schönen Anlass« ausführte, brachte sich der Geehrte seit mehr als drei Jahrzehnten in der Heimatvereinigung Schiffenberg im Ortsverein Watzenborn-Steinberg ein, war von 1988 bis 2021 Vorsitzender des Vereins und zuvor war er drei Jahre lang Schriftführer sowie Leiter der Volkstanz- und Trachtengruppe des Ortsvereins. »Das ist schon eine lange Zeit, ein langer Atem, den man dafür braucht. Jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement, da kann man gar nicht die Stunden zählen«, so Ullrich. Bei der Umsetzung der satzungsgemäßen Ziele sei er ein stetiger Impulsgeber und Motor gewesen.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit hat sich Erhardt viele Jahre unter Zurückstellung seiner eigenen Interessen ehrenamtlich um die Pflege des heimatlichen Brauchtums und des Gemeinwohls verdient gemacht. Zahlreiche Projekte wurden durch ihn angestoßen und mit Unterstützung Ehrenamtlicher erfolgreich durchgeführt. Hierzu zählen unter anderem der Erhalt und die Pflege des Wachturms am Limes mit Wall und Graben sowie des sogenannten Barbarensteins zur Erinnerung an den Gießener Psychiater Prof. Robert Sommer.

Für Erhalt der Tracht gesorgt

Hinzu kommt die Erneuerung der Palisaden, der Wiederaufbau der Limesschutzhütte oder die Errichtung des Pohlheim-Steins. Erhardt sorgt für den Erhalt und die Pflege der original Watzenborn-Steinberger Tracht, nimmt an zahlreichen regionalen und überregionalen Trachtenumzügen, Hessentagen, Bundes- und Landesgartenschauen teil und engagierte sich in der Pflege von Volkstanz und Mundart.

Unter den zahlreichen Aktivitäten hob Ullrich die 25 Backhausfeste mit Backen nach traditioneller Art im Dorfbackhaus hervor. Unter seiner Federführung wurde nicht nur die Heimatstube eingerichtet, sondern diese auch mit stetiger Erweiterung zum Stadtmuseum Pohlheim ausgebaut. »Diese Begegnungsstätte für Bürgerinnen und Bürger jeden Alters erfüllt eine soziale Funktion. Hier wurden in 25 Jahren bereits 52 Ausstellungen und 37 Erzählnachmittage abgehalten, sowie zahlreiche Hoffeste mit Darstellung von altem Handwerk und Brauchtum durchgeführt«, ging Ullrich auch auf das Wirken Erhardts im Hauptverein der Heimatvereinigung Schiffenberg ein, dessen Vorstand er seit nunmehr 34 Jahren angehört. Darüber hinaus war er von 1994 bis 2003 stellvertretender Vorsitzender der Hessischen Vereinigung für Tanz- und Trachtenpflege (HVT). Bereits vor 22 Jahren wurde Erhardt für sein ehrenamtliches Engagement der Ehrenbrief des Landes Hessen verliehen.

»Das jahrzehntelange unermüdliche und beispielgebende Wirken von Professor Erhardt sollte auch durch die Auszeichnung mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt werden«, so Ullrich.

Als Gratulanten würdigten seitens des Ortsvereins der Heimatvereinigung Watzenborn-Steinberg Renate Becker und Hans-Willi Büchler sowie Prof. Klaus Eder, Dekan des Fachbereichs Agrarwissenschaften, Ökotrophologie und Umweltmanagement der JLU Erhardt wie auch der Erste Stadtrat Klaus Dieter Gimbel und der stellvertretende HVT-Vorsitzende Günter Putz.

Becker blickte dabei auf den 11. März 1988 zurück, als Erhardt die Nachfolge des Ehrenbürgermeisters Karl Brückel antrat - und dies als Schwabe. »Du hast mehr als 200 Vorstandssitzungen und 33 Jahreshauptversammlungen geleitet, lediglich bei drei Sitzungen aus dienstlichen Gründen gefehlt. Dies verdient unseren Respekt und Wertschätzung.«

Eder würdigte »den ausgezeichneten Hochschullehrer und Wissenschaftler, der viele wissenschaftliche Preise erhalten, hochrangig und international geforscht hat«.

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