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Unterbringung eine Mammutaufgabe

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Achim Szauter (l.) und Andreas Ruck standen den Besuchern für sämtliche Fragen zur Verfügung. © Schu

80 Personen beteiligten sich in der Dorf-Güller Klosterwaldhalle an einer Infoveranstaltung für Bürger, die Flüchtlinge aufgenommen haben. 65 Geflüchtete wurde in Pohlheim bereits aufgenommen.

Pohlheim (jüs). »Wo stehen wir heute, was stellen wir uns vor«, mit diesen einleitenden Worte von Bürgermeister Andreas Ruck begann an frühen Montagabend in der Klosterwaldhalle in Dorf-Güll eine Informationsveranstaltung für Personen, die sich ehrenamtlich engagieren oder die privat geflüchtete Menschen aus der Ukraine aufgenommen haben oder aufnehmen möchten.

Dabei standen Andreas Ruck und Achim Szauter, Leiter des Fachdienstes Migration beim Landkreis Gießen, den rund 80 Besuchern Rede und Antwort. Eingeladen hatte die Stadt Pohlheim und Isabel Stühn, Koordinatorin für Gemeinwesenarbeit im Landkreis Gießen- Stadt Pohlheim, die aber wegen Krankheit nicht anwesend sein konnte.

Seit dem 24. Februar wurden im Landkreis Gießen über 1900 aus der Ukraine geflüchtete Menschen mit Leistungen versorgt, wie Diplomwirt Szauter ausführte. Dabei handelt es sich um 950 Bedarfsgemeinschaften, in erster Linie Frauen mit Kinder, aber auch eine Anzahl von Menschen, die in der Ukraine studiert haben. Die Menschen alle in Wohnungen unterzubringen, sei eine wahnsinnige Aufgabe.

Unterkünfte zu 90 Prozent belegt

Die im Landkreis Gießen befindlichen 27 Gemeinschaftsunterkünfte sind zu 90 Prozent belegt. Im Moment sei man auf der Suche nach geeigneten Liegenschaften, auch für Menschen, die von außerhalb der Ukraine kommen. Donnerstags kommen bei den Zuweisungen in der Regel zwischen 130 bis 200 Personen, die untergebracht werden müssen.

Aufnahme immer bei der Stadt melden

Wie Bürgermeister Andreas Ruck hervorhob, sind bis Montag aktuell 65 Flüchtlinge aus der Ukraine privat in Pohlheim aufgenommen worden, die auf unterschiedlichen Wegen nach Pohlheim gekommen sind. Er sei stolz auf die Bereitschaft der Pohlheimer Bürger. Wichtig sei, dass die Aufnahme immer bei der Stadt gemeldet wird, da es auch um Leistungen wie Krankenkasse, Miete und so weiter geht. Derzeit ist die Stadt Pohlheim dabei, das angekaufte Haus in der Ludwigstraße 37 in Watzenborn-Steinberg als »Puffer« her- und einzurichten. Rund drei Wochen werden dazu noch benötigt.

Neue Unterkünfte werden in drei bis vier Monaten in unmittelbarer Nähe des Hallenbades zur Verfügung stehen. Es muss noch eruiert werden, wie viele Häuser dahin passen. Es soll vermieden werden, alte Standorte der früheren »Laumann-Häuser« dafür zu nutzen. Viele Aufgaben kommen auf den Landkreis und Stadt Pohlheim zu. Andreas Ruck bezeichnete es als spannende Herausforderung, bei der das Ehrenamt benötigt wird.

Man sei bei Kirchengemeinden unterwegs, denke an Familienkreise, Betreuung, an ein Sprachcafé, das im Raum steht oder auch den Aufbau einer Kleiderkammer. Darüber hinaus sollen Sprechstunden als eine Anlaufstelle für Personen, die Flüchtlinge aufnehmen, angeboten werden. Bürgermeister Ruck wies darauf hin, dass Isabel Stühn Ansprechpartnerin für das Ehrenamt ist und unter 0151/7446 4884 oder unter gwa.pohlheim@zaug.de erreichbar ist.

Mittwoch als Meldetag

Auf den Hinweis der Besucher, es sei schwierig, bei der Stadt Pohlheim einen Ansprechpartner zu erreichen, betonte Ruck, dass man den Mittwoch speziell für Anmeldungen der Flüchtlinge vorgesehen hat.

Die Stadtmission Pohlheim ist bereit, ihre Räume für die Deutschkurse zur Verfügung zu stellen, so ein Vertreter. Eine Besucherin hat nach eigenen Worten eine lange Liste mit Dingen, die aus Hausauflösungen in Pohlheim stammen, die zur Verfügung gestellt werden können. Die Stadt Linden habe seit vier Wochen eine WhatsApp-Gruppe, die wunderbar funktioniere. Sie schlug vor, eine solche Gruppe auch in Pohlheim einzurichten.

Auf die Frage einer Frau, in welche Schule das achtjährige Kind einer aufgenommenen Familie gehen soll, antwortete Ruck, dass sie eine Meldung an die Stadt Pohlheim geben soll, die diese an den Landkreis Gießen weitergeben wird, da dieser entscheidet, wo das Kind hingehen muss.

Die Impfquote bei den Flüchtlingen aus der Ukraine liegt bei 35 Prozent, 99 Prozent davon sind mit dem Impfstoff »Sputnik« geimpft, wie Achim Szauter unterstrich. Alle bekommen hier ein Impfangebot, es muss viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Alle werden zweimal getestet, wenn sie kommen und auch beim weiteren Transfer zu den Wohnungen. »Von 400 Zuweisungen haben wir sieben positive Corona-Fälle gehabt«, so Szauter.

Ein Vorschlag, Patenfamilien für Behördengänge und Betreuung zu suchen, wurde wohlwollend aufgenommen. Für alle, die sich an der Flüchtlingshilfe beteiligen wollen, standen Anmeldezettel bereit, auf denen neben den persönlichen Angaben auch angekreuzt werden konnte, was angeboten werden kann. Dazu gehörten: Unterstützung beim Ankommen sowie Begleitung zu Behörden oder Orientierung im Ort, Dolmetschen, Hilfe beim Erlernen der deutschen Sprache und Sprachcafé, Hilfen bei Haustieren, Organisation von Spenden nach Bedarf und Wohnraum.

Auf Vorschlag von Bürgermeister Andreas Ruck soll unter Beachtung des Datenschutzes eine WhatsApp-Gruppe gebildet werden, um somit auch ein Netzwerk aufzubauen. Andreas Ruck abschließend: »Gezielte und koordinierte Hilfe ist wichtig, dass wir die Gesamtübersicht haben. Wir verteilen das auf die Schulter. Auch das Ehrenamt wird Fahrt aufnehmen.«

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Große Hilfsbereitschaft in Pohlheim: Zukünftig soll es unter anderem regelmäßige Sprechstunden für Personen, die Flüchtlinge aufnehmen, geben. © Schu

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