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»Yeli« übernimmt

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Haben beide gut lachen: Ulrich Pfannmüller geht in den Ruhestand und Yilmaz Danak übernimmt die Tankstelle. © Weißenborn

Zwei Freunde freuen sich in Garbenteich. Ulrich Pfannmüller geht in den Ruhestand und Yilmaz Danak wird neuer Chef in der Kfz-Werkstatt. Die Tankstelle soll später auch wieder eröffnet werden.

Pohlheim (ww). Es ist nicht nur ein Arbeitsverhältnis, es ist eine Freundschaft. Der verstorbene Vater hatte Yilmaz Danak vor 32 Jahren als Kfz-Lehrling ausgebildet. Jetzt wird der Aramäer, nun selbst Meister, mit seinen 51 Jahren Chef in Garbenteich. »Er gehört zur Familie«, betont Ulrich Pfannmüller, der ein wenig verfrüht in den Ruhestand geht, allerdings ganz sanft, da er »Yeli«, so nennt er seinen Nachfolger, den Übergang erleichtern will. Die Werkstatt im Ort, die 1959 samt Tankstelle offiziell eröffnet wurde, wird weiterleben. So hätte es der Vater gewollt.

Nur die Zapfsäulen wurden Anfang Januar abgebaut. Zu teuer wäre aktuell eine Sanierung, die Behörden vorschreiben. Doch der neue Inhaber denkt bereits daran, in naher Zukunft diesen Teil wieder zu eröffnen.

Die Tankstelle gehört immerhin zum Garbenteicher Entrée, befindet sie sich doch gleich am westlichen Ortsteingang. Die Kunden sind traurig, dass sie auf dem Weg nach Gießen dort nicht mehr Station machen können, um den Tank zu füllen. In Pohlheim gibt es jetzt nur noch eine Zapfstelle in der Wilhelmstraße in Watzenborn-Steinberg, in der noch Personal und nicht der Automat kassiert.

Ulrich Pfannmüller ist beruhigt, dass ein Hausener im zweitgrößten Stadtteil Pohlheims seine Werkstatt samt Waschanlage übernimmt. Schon als Jugendliche freundeten sich beide im Familienbetrieb an. Doch ihre Wege trennten sich zunächst, bevor der eine Chef des anderen wurde. 1998 übernahm Pfannmüller junior aus traurigem Anlass das Geschäft seines Vaters Kurt, der bei einem tragischen Arbeitsunfall plötzlich verstarb.

Ulrich Pfannmüllers Papa hatte einst bei Neils und Kraft in Gießen gelernt und dort auch seinen Meisterbrief erhalten. Kraftfahrzeuge waren Leidenschaft der Pfannmüllers, denn auch der Uropa war schon Werkstattleiter, allerdings bei Opel in der Lahnstadt. Die Familie machte sich Mitte der 50er Jahre mit ihrer freien Werkstatt selbstständig.

Kurts Sohn Ulrich, der heute 61 Jahre alt ist, betont im Gespräch ein wenig stolz, dass er eine der letzten Hausgeburten im Ort und damit ein waschechter Garbenteicher ist. Er fing 1981 an, zu studieren und darf sich nach einem Ausflug in die Rechtswissenschaften heute Diplom-Betriebswirt nennen. Das prädestinierte ihn auch einst als Rechner des SV Garbenteich. Er arbeitete unter anderem als Controller in der freien Wirtschaft, bevor er die Firmenführung antrat.

Seine Mutter, die er täglich im Seniorenheim besucht, war bis 2020 mit ihren 80 Jahren das Gesicht der Tankstelle. Im Meisterbüro geht es heute noch familiär zu, wenn die Kunden vorbeischauen. Man kennt sich, und für einen Plausch hat der angehende »Frührentner« Pfannmüller jetzt noch mehr Zeit. »Eigentlich wollte ich mit 63 Jahren das Geschäft abgeben. Jetzt sind es zwei Jahre früher.« Er liest gerne Autobiografien und historische Romane. Mit seiner Frau beabsichtigt er, mehr von Deutschland zu erkunden. Ins Ausland zieht es ihn nicht. Und seine Tochter ist bereits erwachsen.

Ein Opel-Fan

Als Mann der Zahlen hat Ulrich Pfannmüller das Geschäft auf Kurs gehalten. Drei Mitarbeiter sind immer in der Werkstatt beschäftigt, in der alle Marken bedient werden. Der bisherige Hausherr ist selbst allerdings ein großer Opel-Fan, schon familiär bedingt. Er fährt einen Omega, der bereits 420 000 Kilometer auf dem blechernen Buckel hat. »Wir haben hier aber auch mal einen VW mit 800 000 Kilometern auf dem Tacho repariert.«

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Garbenteich ohne Tankstelle, bisher war das nicht vorstellbar. Der neue Inhaber möchte sie wieder reaktivieren. © Red

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