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Gastgeber räumt Bembel ab

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Eine sichtlich gut gelaunte Landrätin Anita Schneider (l.) und der Vorsitzende des Regionalvereins Landkreis Gießen der Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute (r.) vergeben die beiden Siegerbembel an Karl-Jürgen Haas (2. v. l.) und Florian Klingelmeier (4. v. l.). In der Mitte Günter Kronenberg, Vorsitzender des diesjährigen Wettbewerbsausrichters, dem Obst- und Gartenbauverein Londorf. Foto: Heller © Heller

Der Obst- und Gartenbauverein Londorf hatte als Wettbewerbsgastgeber klar den Heimvorteil und holte sich den Bembel für das beste Stöffchen im Landkreis.

Rabenau (voh). Beim Fußball etwa würde man üblicherweise vom Heimvorteil sprechen. Der Obst- und Gartenbauverein (OGV) Londorf war am Wochenende Gastgeber des zwölften Wettbewerbs um den wohlschmeckendsten Apfelwein der Selbstkelterer im Landkreis Gießen. 24 Vereine oder Privatpersonen waren überzeugt davon, dass gerade ihr Stöffche das beste sein müsse. Erstmals in der noch jungen Wettbewerbsgeschichte gab es zwei erste Plätze aufgrund von gleicher Wertungspunktezahl. Der Obst- und Gartenbauverein Londorf räumte an der Spitze alles ab.

Die zweimal 379 Siegerpunkte gingen nämlich jeweils an den Apfelwein des gastgebenden Vereins und an Florian Klingelmeier, Vereinsrechner, der jedoch hatte seinen privaten Apfelwein bewerten lassen. Platz drei belegte zumal OGV-Mitglied Waldemar Schunk mit 373 Punkten. Landrätin Anita Schneider übergab sichtlich gut gelaunt die beiden Siegerbembel. Für Londorf nahm den Karl-Jürgen Haas in Empfang. Er hatte sich als Verkoster des OGV zur Verfügung gestellt. Eine Urkunde gab es für jeden Teilnehmer aus der Hand von Wolfgang Zeibig, Vorsitzender des Veranstalters, dem Regionalverein Landkreis Gießen der Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute.

Organisatorisch wird der originelle Wettbewerb für Hobby-Apfelwein-Sommeliere im Vorfeld und vor Ort von Susanne Tröller und Hans-Jörg Müller bestritten. Von Müller stammte auch die Wettbewerbsidee. Er war es irgendwann leid, dass Freunde und Bekannte immer nur Schmeicheleinheiten übrig hatten, wollte endlich mal ein kritischeres Urteil hören. »Man will aber wissen, wo man steht«, so Müller.

Beim Apfelwein-Test gibt es weder Heimvorteil noch Schmu. Jeder Teilnehmer bringt sein Erzeugnis mit zum Wettbewerbsort. Der wechselt übrigens jährlich. Dort werden die Proben in neutrale Flaschen umgefüllt. Jede Flasche erhält eine Nummer. Auf der Bewertungsliste steht diese nichtssagende Nummer, die vom Verkoster mit Punkten bedacht wird. Für die Farbe kann er null bis drei Punkte vergeben, für den Geruch null bis vier und für den Geschmack null bis zwölf Punkte. Zum Neutralisieren der Geschmacksnerven gibt es zwischendurch Mineralwasser und Weißbrot. Das Bewertungsprozedere sieht zwei Durchgänge vor. Die 24 Verkoster bilden zwei Gruppen. In der einen werden die Inhalte aus den Flaschen mit ungeraden Zahlen, in der anderen die Flaschen mit den geraden Zahlen bepunktet.

Aus jeder Gruppe kommen die drei punktstärksten Proben weiter. Zusätzlich erhält jede Gruppe eine sogenannte Null-Probe. Dahinter verbirgt sich eine wiederum anonyme Flasche mit dem Mix aus allen 24 Einzelproben. Die Wertungsgruppen gaben dafür einmal 120 und einmal 122 Punkte, was für die Sachkunde der Tester sprechen mag. Jeder Verkoster kam somit auf 16 Proben. OGV-Vorsitzender Günter Kronenberg hatte 168 Punkte und knapp den Einzug in die zweite Wertungsrunde verpasst.

Das jährliche Zusammentreffen findet Kronenberg außerdem wichtig fürs Fachsimpeln, das Plaudern aus dem Nähkästchen. Der Apfelwein sei ein Naturprodukt, das man durch Tricks und Kniffe beeinflussen könne. Kronenberg: »Am Anfang waren welche dabei, da konntest du nicht Apfelwein zu sagen.«

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