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Obstauflesemaschine im Einsatz

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Vereinsvorsitzender Günter Kronenberg fährt mit der Obstauflesemaschine über die Streuobstwiese. Foto: Heller © Heller

Die Bandscheiben wären wieder ordentlich lädiert worden, hätte der Londorfer Verein nicht rechtzeitig noch einen genialen Erntehelfer angeschafft, die handgeführte Obstauflesemaschine.

Rabenau (voh). Herbstzeit ist Erntezeit. Das statistische Bundesamt hatte bereits diesen Sommer geschätzt, dass die Apfelernte um 4,6 Prozent höher ausfallen würde als 2021. So ist es auch gekommen. Die meisten Apfelbäume hängen prall voll. Wer dann auf seiner Streuobstwiese 29 Apfel- und drei Birnbäume ernten will, dem schwant nichts Gutes.

Genialer Erntehelfer

Die allermeisten Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins Londorf haben altersbedingt kein hyperelastisches Kreuz mehr. Nun wären die Bandscheiben wieder ordentlich lädiert worden, hätte der Verein nicht rechtzeitig noch einen genialen Erntehelfer angeschafft, die handgeführte Obstauflesemaschine. Damit lassen sich außer Äpfel auch Birnen, Zwetschgen und Zitrusfrüchte sowie Walnüsse und Haselnüsse einsammeln.

Dummerweise müssen die Früchte zuvor jedoch auf den Boden gelangen. Bisher musste jemand mühsam und zeitaufwendig von Hand. schütteln. Bei hochstämmigen Streuobstbäumen funktionierte das zu allem Überfluss nur im »Erdgeschoss«. Unvermeidlich kam dann in der oberen Baumetage die Leiter zum Einsatz.

Was im Gemüseanbau längst eine Selbstverständlichkeit ist, die mechanische Ernte, hält nun auch Einzug in den Obstanbau. Die Konstrukteure der Firma Feucht Obsttechnik (Burgstetten bei Stuttgart) haben die handgeführte Obstauflesemaschine OB 80 hydro und den funktionalen Obstschüttler OS erdacht. Beides haben Vereinsmitglieder des Obst- und Gartenbauvereins Londorf auf ihrer Streuobstwiese oberhalb Londorf (Allertshäuser Straße) diesen Herbst erstmals erfolgreich ausprobiert.

Die Arbeitsweise des Obstschüttlers wirkt auf den ersten Blick etwas rabiat, ist aber effektiv und überdies faszinierend anzuschauen. Um die Hauptäste der Baumkrone legt man eine Lederschlaufe, sie ist an einem meterlangen Stahlseil befestigt. Das Seil hängt am Schüttler, das 54 Kilogramm schwere Gerät seinerseits an der Dreipunktaufhängung eines Schleppers. Bei gestrafftem Seil rotiert die mittels Zapfwelle angetriebene Exzenterscheibe. Der gesamte Baum wird für wenige Sekunden ruckartig durchgeschüttelt, ohne dabei Schaden zu nehmen, wie ohne weiteres vermutet werden könnte. Blitzschnell liegen fast alle Früchte auf der Wiese. Für den Moment lässt es der Baum Äpfel regnen.

Die Obstauflesemaschine sieht aus wie ein plumper roter Kasten ohne erkennbare Funktion. Tatsächlich ist hier ein Hydrostat eingebaut, wodurch die Geschwindigkeit sowie Vorwärts- und Rückwärtsfahrt stufenlos regelbar ist. Per Knopfdruck zündet Vereinsvorsitzender Günter Kronenberg den Elf-PS-Einzylinder. Der blubbert gemächlich und fast geräuschlos vor sich hin. Wenn man jetzt den stufenlosen hydraulischen Fahrantrieb (mit Differentialsperre) zuschaltet, dann zeigt der Kasten, was in ihm steckt. Er würde sogar eine Hanglage bis 45 Prozent schaffen. Ein 80 Zentimeter langer Rotor aus Gummi gleitet mit wiederum stufenlos einstellbarer Drehzahl über die Äpfel hinweg und befördert diese in zwei Kunststoffkörbe oben auf dem Kasten. Volle Körbe werden ausgetauscht. Der Boden sieht nachher aus wie geleckt.

Wer die Gerätschaften ausprobieren will, meldet sich bei Günter Kronenberg unter 0160/90172247. Allerdings kommt ein kundiges Vereinsmitglied dazu, denn die Obstauflesemaschine ist kein Rasenmäher, den jedermann einfach mal so herumschieben könnte.

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