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Privatinitiative will Bauland erschließen

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Viel Redebedarf herrscht derzeit in Rabenau, was einzelne Bauvorhaben in der Gemeinde betreffen.

Rabenau (zye). Viel Redebedarf herrscht derzeit in Rabenau, was einzelne Bauvorhaben in der Gemeinde betreffen. Daher haben Haupt-, Finanz- und Satzungsausschusses (HFSA) sowie Bau-, Land-, Forst- und Umweltausschuss (BLFUA) in einer gemeinsamen Sitzung eine Vorberatung für die kommende Gemeindevertretersitzung vorgenommen. Vieles davon geschah unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

»Kreuzacker«

Nordwestlich von Londorf soll das bereits vorgeplante Wohnbaugebiet »Kreuzacker« entstehen - das Ganze auf einer Fläche von etwa 8000 bis 9000 Quadratmetern. Dieser Geltungsbereich würde dann an das bereits bestehende Baugebiet »Kreuzacker/Stockacker« angrenzen. Nun würde gerne eine Gemeinschaft aus Rabenauer Bürgern die Erschließung des neuen Wohngebietes übernehmen. Warum und wie das ganze ablaufen soll, erklärten daher Sven Nachtigall und Robert Fuchs von der »Erschließungsgemeinschaft Kreuzacker« in der Ausschusssitzung. Beide stehen auch auf der Interessentenliste - zusammen mit zehn weiteren Interessenten - für Bauplätze in diesem Bereich.

Nachtigall und Fuchs sehen in Rabenau einen hohen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum für Einheimische. Für die geplante Gründung einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) unterstrichen sie, dass sie keine Gewinnabsichten verfolgten. Zudem sollen so keine Kosten für die Gemeinde entstehen. Im Gegenteil: Die Gemeinde könne sich sogar auf eine Entlastung ihres Haushaltes einstellen und erhalte, neben Privatpersonen, ein bevorzugtes Ankaufsrecht für Grundstücke.

In Londorf könne derzeit der Bedarf an Wohnraum nicht gedeckt werden. Weder durch verfügbare Bauplätze, noch durch Bestandsimmobilien. Daher sei gerade in der Rabenau zu befürchten, dass junge Menschen abwandern, um ihr Glück woanders zu finden. Die Referenten belegten das mit einer Prognose der Hessen Agentur von 2019. Dort soll die Bevölkerung bis 2035 um mehr als zwölf Prozent schrumpfen. Der Anteil der unter 40-jährigen (derzeit 38 Prozent) könnte bis 2035 auf nur noch 30 Prozent fallen. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 machte dieser junge Teil der Bevölkerung noch knapp die Hälfte der Bürger aus.

Es sei also Zeit, zu handeln und das möglichst schnell. Eine Erschließung nach Paragraph 13b Baugesetzbuch, einem beschleunigten Verfahren, sieht die Erschließungsgemeinschaft hier vor. Sollte ein Aufstellungsbeschluss bei der nächsten Gemeindevertretersitzung am 4. März gefasst werden, so könne auch die Artenschutzprüfung für das gewünschte Baugebiet noch dieses Jahr erfolgen.

Das hätte eine Zeitersparnis von einem Jahr für das Projekt zur Folge. Nach einem positiven Beschluss des Gemeindeparlaments soll dann die GbR gegründet und Verträge mit den derzeitigen Grundstückseigentümern verfasst werden. Die seien laut Nachtigall und Fuchs schon jetzt positiv gegenüber dem Bauvorhaben gestimmt. Die GbR möchte danach ein Planungsbüro beauftragen. Ein Satzungsbeschluss könne die Gemeindevertretung dann in etwa einem bis eineinhalb Jahren fassen, bevor die Interessenten die Grundstücke ankaufen können. Dann erst steht die Erschließung mit Versorgungsleitungen und der Straßenbau an.

Nachtigall und Fuchs sehen hier ein »Leuchtturmprojekt« für die Region. Das Baugebiet habe »eine attraktive und ruhige Wohnlage«, Supermärkte und ein geplantes Ärztehaus seien in der Nähe, und noch dazu sehe der dortige Flächennutzungsplan bereits ein allgemeines Wohngebiet vor. Auch HFSA und BLFUA waren überzeugt: Beide Gremien stimmten in ihrer gemeinsamen Sitzung einstimmig dem Vorhaben der privaten Initiative zu. Auch stimmten die Mitglieder der Gremien für eine Empfehlung an die Gemeindevertretung, was die Aufstellung des Bebauungsplanes betrifft.

Alter Steinbruch

Am 12. März 2021 wurde von Rabenaus Gemeindevertretung die Aufstellung des Bebauungsplanes »Auf dem Streich/Im Bruchfeld« in Geilshausen beschlossen. Hier handelt es sich um ein Sondergebiet für »Bauschuttrecycling und Energieholzaufbereitung« und nicht zuletzt auch um ein Industriedenkmal.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert gründete hier Konrad Hillberg einen Betrieb, der in Handarbeit Basalt abbauen ließ, bevor in den 1920er Jahren auch Dampfmaschinen für den Abbau eingesetzt wurden. Spuren dieser Zeit lassen sich auch heute noch finden. Ein besonderer Umgang mit dem Gebiet ist aber nicht nur deswegen erforderlich, sondern auch was den Artenschutz betrifft, erklärte Holger Fischer vom gleichnamigen Planungsbüro. Mittlerweile sei die Beteiligung von Behörden und anderer Träger öffentlicher Belange eingegangen. Von diesen 17 Stellungnahmen seien sieben mit Anregungen eingegangen. Daraus haben sich Änderungen im Bebauungs- und Flächennutzungsplan ergeben.

Neben einer von Hessen Mobil abgesegneten Änderung der Zufahrtssituation soll auch der Flächennutzungsplan aus dem Jahr 1979 überarbeitet werden.

Hier kommt dann auch der Artenschutz ins Spiel. Schließlich haben sich in dem über 100 Jahre alten Steinbruch Tiere niedergelassen. Die Empfehlungen des artenschutzrechtlichen Fachbeitrages sind nun im Bebauungsplan eingearbeitet. »Wir können hier nun guten Gewissens empfehlen, den Bebauungsplan zur Offenlage und die Änderung des Flächennutzungsplanes zu beschließen«, so Fischer. Dem folgten die Ausschussmitglieder beider Gremien in beiden Fällen einstimmig.

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