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So geht das mit dem Bauen

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Die Erschließungsgemeinschaft steht für das Foto schon mal »Spaten bereit«. Gemeinsam wollen sie sich den Traum vom Eigenheim in ihrem Heimatort erfüllen. © Wisker

Eine Rabenauer Erschließungsgemeinschaft will sich den Traum vom Eigenheim erfüllen und ein Baugebiet verwirklichen.

Rabenau . (dge). Rund drei Jahre hat Sven Nachtigall nach einem Bauplatz gesucht, ähnlich erging es Robert Fuchs. Die beiden fanden schnell Gleichgesinnte: Junge Familien, die in Rabenau bleiben, sich hier den Traum vom Eigenheim erfüllen wollen.

Weiterhin Miete zahlen und hoffen, dass es irgendwann doch noch Bauland geben wird? Das war für die beiden und ihre Familien keine Option. Wegziehen? Nein, auch das wollte keiner. Denn: Sie fühlen sich wohl in Londorf, wollen hier bleiben. Was also tun? Die Lösung: Die jungen Leute beschlossen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und eine Erschließungsgemeinschaft zu gründen. Damit dürften sie - zumindest im Landkreis Gießen - eine Vorreiterrolle einnehmen.

»Optionen geprüft«

»Wir haben geschaut und verschiedene Optionen geprüft«, erzählt Robert Fuchs im Gespräch mit dem Anzeiger. Im Bereich »Am Kreuzacker« war vor einigen Jahren schon mal ein Baugebiet angedacht, die Pläne ruhten jedoch. Fuchs und Nachtigall griffen die Idee wieder auf, sprachen mit den Eigentümern. Ottmar Lich, der Vorsitzende der Gemeindevertretung, stand ihnen als Ratgeber zur Seite, kennt er doch die Abläufe, die es braucht, bis ein Baugebiet tatsächlich aus der Taufe gehoben ist. »Ehrenamtlich und kostenfrei«, betonen die beiden zur Unterstützung von Lich.

Nachtigall und Fuchs hörten sich um, fanden schnell heraus, dass sie nicht alleine sind mit ihrem Wunsch nach einem Eigenheim. Interessenten für die voraussichtlich 13 Bauplätze gibt es, sie alle kommen aus Londorf oder Kesselbach. Bis jetzt. Wie die Initiatoren verraten, gebe es noch weitere Anfragen. »Wir wollen hier ein Baugebiet für junge Familien aus Rabenau.«

Der Bedarf war definitiv da, doch wie setzt man den Plan um? Fuchs hörte sich um, recherchierte im Internet. Der Gedanke einer Erschließungsgemeinschaft nahm Form an. »Es gibt ähnliche Vorhaben in Deutschland, sie sind aber eher selten. Dennoch gibt es Konzepte, wie man so etwas in Gemeinschaft machen kann«, beschreibt Fuchs das Ergebnis seiner Recherchen.

Damit das Vorhaben auch rechtlich auf sicheren Füßen steht, soll eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet werden. Hier ist man gerade in Gesprächen mit Rechts- und Steuerberatern.

Konzept vorgestellt

Sven Nachtigall und Robert Fuchs stellten ihr Konzept sowohl in der gemeinsamen Sitzung von Bau- sowie Haupt- und Finanzausschuss als auch in der Gemeindevertretung vor. Mit vollem Erfolg. Mit ihr stärkstes Argument: Gerade in der Rabenau sei zu befürchten, dass junge Menschen abwandern. Sie belegten das mit einer Studie der Hessen Agentur aus dem Jahr 2019. Die prognostiziert für Rabenau einen Bevölkerungschwund um mehr als zwölf Prozent bis 2035. Der Anteil der unter 40-Jährigen liege zur Zeit bei 38 Prozent, könne aber in 13 Jahren bei nur noch 30 Prozent liegen. Zur Jahrtausendwende habe dieser Teil der Bevölkerung noch knapp die Hälfte ausgemacht. Nachtigall und Fuchs hoben hervor, dass sie mit ihrer GbR keine Gewinnabsichten verfolgen, sondern sich schlicht den Traum vom eigenen Haus erfüllen und in Rabenau bleiben wollten. Und noch etwas überzeugte die Kommunalpolitiker: Auf die Gemeinde kämen bei einer Erschließung des Gebiets »Am Kreuzacker« keine Kosten zu.

»Die Resonanz war erst mal ›Wow‹«, erinnern sich Fuchs und Nachtigall. Die Ausschüsse sprachen die Empfehlung an die Gemeindevertretung aus, die wiederum folgte dem und stimmte in ihrer Sitzung am 4. März für die Aufstellung des Bebauungsplans.

»Jetzt kann die Planung beginnen«, blicken die Bauwilligen nach vorne. Angestrebt ist eine Erschließung nach Paragraf 13b Baugesetzbuch, einem beschleunigten Verfahren. Wenn der Bebauungsplan rechtskräftig ist, könnten im Frühjahr 2023 die ersten Bagger rollen. »Bis das erste Haus steht, wird es wohl Herbst 2023 werden«, wagen die Initiatoren eine vorsichtige Einschätzung.

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