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Überraschungseffekt enthalten

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Karl-Heinz Till (l.) und Sebastian Scheid bestücken die aktuelle Atelierausstellung auf dem Hofgut Appenborn. Foto: Heller © Heller

Die Atelierausstellung auf Hofgut Appenborn zeigt Keramikplastiken, Gefäße und Objekte der Künstler Karl-Heinz Till und Sebastian Scheid.

Rabenau (voh). Die aktuelle Atelierausstellung auf dem Hofgut Appenborn zeigt Keramikplastiken und Gefäße sowie Zeichnungen von Karl-Heinz Till, der hier wohnt, und Keramikgefäße und Objekte von Sebastian Scheid aus Büdingen-Düdelsheim. Wie bei allen Atelierausstellungen mit Kollegen ist auch diese mit kontrastierenden Produkten bestückt.

Till formt bekanntlich frei heraus während Scheid eine fußbetriebene Drehscheibe aus Japan benutzt. Auf der Drehscheibe entstehen etwa feine Schalen oder Vasen aus Porzellan. Hält man so eine Vase über eine Lampe, scheint dieses fast hindurch. Scheids Spezialität sind die größeren Schalen aus Steinzeugton. Die Innenseite gestaltet er vielschichtig. Sie kann glatt gezogen sein oder strukturiert.

Struktur meint Vertiefung und die entsteht durch Kannelieren, das Ausziehen konkaver Furchen mit einem Metall. Diese wiederum können gleichförmig sein oder sogar in »S"-Form.

Scheids Dosen und Vasen aus Steinzeugton erfahren ihre Struktur auf der Außenseite. Dann schlägt Scheid mit einem glatten Holzstück (Kantholz) rundherum in das noch ungebrannte Material Kerben ein. Eine Variante ist ein strukturiertes Holz dessen Muster sich nachher im Ton wiederfindet. Bei den Dosen ist der Deckel manchmal nicht als solcher optisch zu erkennen. Der Künstler erzeugt durch seine Strukturierungen, die er jeweils nur innen oder außen vornimmt, einen Objekt eigenen Kontrast. Vorratsdosen für Lebensmittel sind freilich in runder Form und glatt gezogen. Karl-Heinz Till baut seine Produkte aus Steinzeug und Porzellan sämtlich frei auf. Sie werden bei einer Temperatur bis zu 1400 Grad im holzbefeuerten Ofen gebrannt. Wo Scheid seine glatten Flächen vor dem Brennen noch mit Seladon- und Tenmokuglasur versieht, nutzt Till während des Brennvorgangs oder an dessen Endstadium Ascheanflugglasuren und Salz, sodass im Ergebnis immer ein wenig Überraschungseffekt enthalten ist. Strukturen auf der Oberfläche im Sinne von Scheid finden sich bei Till nicht, dafür eine fantasievolle Vielgestaltigkeit der Objekte was den Besucher manchmal irritiert.

In seinen Zeichnungen bearbeitet Till einen Wachsuntergrund mit Rohrfeder oder Pinsel. Mit selbst gefertigten Farben aus Pigment oder Asche deutet er mögliche Themen nur grob an.

Geöffnet ist die Ausstellung am Samstag, 12. November und Sonntag, 13. November jeweils von 14 bis 17.30 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung unter 06407/1293.

Weitre Infos unter www.karl-heinz-till.de und www.keramikmarkt.online.

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