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Bersrod »erstes Sorgenkind«

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Der Heegersgraben in Lindenstruth Mitte April 2018. Größere Sachschäden waren glücklicherweise nicht zu verzeichnen. Archivfoto: Albach © Waltraud Albach

Die »Voruntersuchung zur Rückhaltung von Außengebietswasser in allen Ortsteilen« wurde in Reiskirchen präsentiert.

Reiskirchen (kag). »Unser erstes Sorgenkind ist Bersrod«, sagte Hauke Hessler vom Ingenieurbüro Zick-Hessler. Danach komme Lindenstruth, ergänzte er. Beide Reiskirchener Ortsteile stehen an der Spitze der Prioritätenliste für die Abwehr von Hochwasser- und Starkregenereignissen. Am Mittwoch präsentierte Hessler die »Voruntersuchung zur Rückhaltung von Außengebietswasser in allen Ortsteilen« vor Gemeindevertretern, Ortsbeiräten und einem interessierten Publikum im Bau-, Umwelt-, Verkehrs- und Infrastrukturausschuss. Diese Untersuchung hatte die Gemeinde Reiskirchen bei dem Ingenieurbüro in Auftrag gegeben, weil es durch Starkregenereignisse und die Schneeschmelze in der Vergangenheit zu örtlichen Überschwemmungen gekommen sei.

Ergebnis vorgelegt

In Zukunft sei, bedingt durch den Klimawandel, vermehrt mit »extremen Wetterlagen« zu rechnen, so Hessler. Für die Gemeinde Reiskirchen ein Grund, sich dieses Themas anzunehmen.

Betrachtet wurden in der Untersuchung die Einzugsgebiete sowie die Außen- und Fremdgebiete mit ihren Flächen, der Topografie, der Vegetation und Bebauung sowie die Gewässer. Dabei verließ sich Hessler nicht nur auf Pläne, Berichte, Aufzeichnungen und andere Informationen. Durch eigene Beobachtungen vor Ort hat er diese vervollständigt. Als Ergebnis legte er Pläne und Beschreibungen der Situation in jedem Ortsteil vor, um den derzeitigen Stand und die möglichen Ansätze aufzuzeigen. Die Voruntersuchung beinhaltet ebenfalls eine Aussage zu priorisierten Bearbeitungs-Gebieten, zu Empfehlungen von Maßnahmen für die Rückhaltung von Regenwasser und die Förderungsfähigkeit.

In Bersrod wurde 1996 ein Hochwasserrückhaltebecken oberhalb der Bebauung »Am Weiher« errichtet. Trotzdem komme es in diesem Bereich erneut zu Hochwasserschäden, erläuterte Hessler. So auch am 13. April 2018, als das Drosselbauwerk des Hochwasserrückhaltebeckens »verklauste« und das Wasser ungehindert über den Damm habe laufen kön-nen. Das Neubaugebiet sei noch nicht vollständig bebaut und solle noch erweitert werden. Das führe bei einer weiteren Verklausung zu einer erheblichen Verschlimmerung der Situation. Wobei viele Schutzmaßnahmen nur funktionieren, wenn sie gepflegt und instand gehalten werden, äußerte Hessler. Für Lindenstruth empfahl er eine Vorlandverwallung östlich des Sportplatzes »Heegersgraben«, die Erweiterung des Regenwasserkanals in der »Greizerstraße« und die Grabenneuanlage unterhalb des Burgwaldes. Für Saasen und Hattenrod zeigte Hessler auf, dass für die Herstellung der linearen Durchgängigkeit (Rückbau Schwellen, Verrohrung, Durchlass) Förderungen möglich sind. Reiskirchens Erster Beigeordneter Dr. Thomas Stumpf, der den Bürgermeister vertrat, erklärte, der nächste Schritt sei die Analyse von Starkregenereignissen, die bereits beauftragt sei. Alle Maßnahmen sollten nach und nach erfolgen, wahrscheinlich seien nur ein oder zwei Maßnahmen pro Jahr möglich. Auf Nachfrage sagte er, es sei erwünscht, dass sich auch die Ortsbeiräte mit diesem Thema befassen.

Pflege das A + O

In der anschließenden Fragerunde wurden auch Probleme aus den Ortsteilen vorgebracht. So laufen in Saasen und Göbelnrod bei starkem Regen regelmäßig die Bahnunterführungen voll und werden unpassierbar. Eine Bürgerin berichtete aus Burkhardsfelden, dass bei starkem Regen die Kanaldeckel »hochgehen« und die Gärten volllaufen. Selbst die Feuerwehr in Blasbach bekomme »nasse Füße«, weil mindestens einmal im Jahr der Bach am Feuerwehrgerätehaus über die Ufer trete und durch das Gebäude laufe. Auch über das nicht funktionsfähige Wehr in Ettingshausen wurde berichtet, was Hessler zu der Bemerkung veranlasste: »Pflege ist das A + O.«

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