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Fünf Jahre nach Abriss stand der Neubau

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1952 wurde das neu gebaute Gotteshaus in Hattenrod eingeweiht. © Willi Launspach

Am 13. April 1952 wurde das neu erbaute Gotteshaus in Hattenrod durch Hartmut Röll, Pfarrer i. R., Friedrich Nies und Bürgermeister Heinrich Kutscher III. sowie Propst Weinberger eingeweiht.

Reiskirchen (whs). Der Ostermontag, genauer gesagt der 13. April 1952, war ein besonderer Tag für die evangelische Kirche in Hattenrod. Hartmut Röll, Pfarrer i. R., Friedrich Nies und Bürgermeister Heinrich Kutscher III. sowie Propst Weinberger weihten das neu erbaute Gotteshaus in Hattenrod ein.

Kirchenbau in Nachkriegszeit

Das Herausragende geht auch aus den Worten von Landrat Hans Bone von Schwerin bei der Einweihung hervor, der darauf verwies, dass Hattenrod die bis zu diesem Zeitpunkt einzige Gemeinde des Kreises sei, die sich in der Nachkriegszeit einen Kirchenneubau geleistet habe. Auch die katholischen Mitbürger faden in dem Gotteshaus eine kirchliche Heimstätte, so wie es schon bei der Einweihung Dekan Crönlein (Lich) zum Ausdruck brachte.

In den Gießener Tageszeitungen war in den Berichten nach der Einweihung von einem denkwürdigen und großen Tag für die Gemeinde Hattenrod die Rede, der als Markstein in die Kirchengeschichte eingehen werde. Das bisherige Gotteshaus, das schon mehrere Jahrhunderte alt war (in einer Urkunde ist von einer Erbauung wahrscheinlich im 14. Jahrhundert die Rede), wurde jeweils 1778 sowie 1857 renoviert und schließlich 1947 wegen Baufälligkeit abgerissen. Der Schreiber dieses Berichtes kann sich noch sehr gut daran erinnern, wie in seiner Kindheit überall Kübel und Eimer standen, um das Regenwasser aufzufangen.

Nur Glockenturm blieb erhalten

Mit Schreiben vom 16. Mai 1947 teilte das Staatliche Bauamt Gießen dem Kirchenvorstand mit, dass die Kirche in Hattenrod wegen des lebensgefährlichen Zustandes des Bauwerkes baupolizeilich gesperrt wurde. Lediglich der Glockenturm, der aus dem Jahr 1706 stammen soll, blieb erhalten. Empfohlen wurde die Aufstellung einer Holzbaracke, was der Kirchenvorstand jedoch ablehnte.

Während der gesamten Bauphase fand der Gottesdienst in dem Saal der in unmittelbarer Nähe gelegenen Volksschule statt. Am Bau waren alle Hattenröder Handwerksbetriebe beteiligt. Die Maurerarbeiten wurden von den beiden örtlichen Baufirmen Keil und Theis verrichtet. Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass bei den Arbeiten eine Mauer einstürzte und Wilhelm und Alfred Theis sehr schwer verletzt wurden. Glücklicherweise wurden beide schnell wieder gesund und arbeitsfähig.

Die Grundsteinlegung zu der neuen Kirche erfolgte am 4. Juni 1950. Eine Urkunde, die bei der Grundsteinlegung in das Mauerwerk eingebaut wurde, gibt Auskunft über den Kirchenbau und die Personen von Gemeinderat und Kirchenvorstand, die hier verantwortlich handelten.

Es gebührt sich, die Namen derer zu nennen, die sich als Gemeindevertreter für den Neubau entschieden: Es waren neben Bürgermeister Heinrich Kutscher III. die Räte August Petry, Heinrich Maul, Heinrich Hahn I., Ferdinand Balser, Georg Rakus, Karl Wallbott, Wilhelm Schneider, Josef Kiefner und Richard Harft. Dem Kirchenvorstand gehörten an: Wilhelm Möbus, Karl Keil, Wilhelm Roth und Eduard Walther. Beim Entfernen des ehemaligen Gotteshauses kam der Friedhof zum Vorschein. Daraus erklärt sich auch der immer wieder angewandte Begriff vom Kirchhof. Heute liegen die Friedhöfe in den Gemeinden im Allgemeinen wesentlich weiter von der eigentlichen Kirche entfernt.

Herzenswunsch

Für die Bewohner von Hattenrod, einem Ort, der zur damaligen Zeit etwa 805 Einwohner hatte, von denen etwa 555 Angehörige der evangelischen Kirche waren, war es ein Herzenswunsch, wieder eine neue Kirche zu erhalten. Das haben sie in vielfältiger Weise zum Ausdruck gebracht. Hand- und Spanndienste wurden geleistet und auch Geld gespendet, wie aus den erhaltenen Spendenlisten hervorging. Man muss immer wieder berücksichtigen, dass die Währungsreform und die damit verbundene Einführung der D-Mark im Juni 1948 nur wenige Jahre zuvor war. Für die Gemeinde Hattenrod war es eine gewaltige finanzielle Anstrengung, galt es doch für den Neubau etwa 44 000 DM sowie für die Reparatur des Turmes weitere 7000 DM zu bezahlen. Hinzu kam eine weitere Rechnung in Höhe von 26 000 DM für die Innenausstattung der Kirche. Vonseiten der Gemeinde wurden Steine und Bauholz zur Verfügung gestellt. Hier trugen die großen Waldflächen der Gemeinde hilfreich bei. Daher ist auch ein Hilferuf des Kirchenvorstandes an das Verwaltungsamt der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau in Darmstadt mit der Bitte der Gemeinde mit einem namhaften Betrag aus gesamtkirchlichen Mitteln zu helfen, sehr verständlich. Überraschend schnell kam auch die Zusage aus Darmstadt, über einen Zuschuss in Höhe von 5000 DM aus Mitteln des Ausgleichsstocke II zu gewähren.

1986 hat die Kirchengemeinde in dem Gotteshaus Räume und sanitäre Einrichtungen geschaffen, um auch Gemeindearbeit, wie Kindergottesdienst und Frauenkreisarbeit zu ermöglichen.

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Der Kirchenturm mit neuem Kirchenschiff. © Launspach

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