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Kirchengemeinden offiziell zusammengelegt

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Von: Carolin Launspach

Reiskirchen (csl). Der Wirberg wird zum Nachbarschaftsraum, umliegende Gemeinden schließen sich zusammen. »Gemeinsam wollen wir in die Zukunft gehen«, freut sich Reiner Schneider, Vorsitzender des Kirchenvorstandes Ettingshausen und nunmehr auch Vorsitzender des geschäftsführenden Ausschusses des neuen Nachbarschaftsraumes »Wirberger Land«. Normalerweise dauern solche Zusammenschlüsse ja immer sehr lange, so Schneider.

»Umso glücklicher sind wir, dass wir innerhalb von nur vier Monaten zueinander gefunden haben«, freut sich auch Heidrun Balser, Vorsitzende des Kirchenvorstandes Hattenrod.

Für diese Gegend ein absolutes Novum. »Wir sind gespannt, wie das alles wird - aber wir sind zuversichtlich, dass das gut wird«, ist sich Richard Becker, Vorsitzender des Kirchenvorstandes Wirberg, gewiss. Die Bildung dieses neuen, gemeinsamen Gemeinderaumes steht ganz im Zeichen des derzeit laufenden Konzentrationsprozesses ekhn2030, wonach die bisherigen Gemeinden gehalten sind, sich zu neuen Nachbarschaftsräumen zusammenzuschließen.

Die Gemeinden des Wirberger Landes haben sich dabei geeilt. Zu sehr sei dieser Prozess durch sich ständig ändernde Rahmenvorgaben alles andere als optimal transparent, bedauert Arthur Sommerfeld, Vorsitzender des Kirchenvorstandes Lumda. »Da mussten wir erst einmal handeln, ehe sich die Vorgaben für die zu bildenden Räume wieder verändern«, sagt Peter Helwig, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes Beltershain. So befürchten die Kirchenvorstände, dass ländliche Gemeinden mit ihren eigenen, spezifischen Bedürfnissen und Traditionen nicht mehr angemessen berücksichtigt werden können. »Uns ist dabei aber auch klar, dass Vieles nicht mehr so bleiben wird, wie es derzeit ist«, sagt Balser.

Allerdings ließen sich Zusammenlegungen in urbanen Gebieten leichter vollziehen, als das im ländlichen Raum der Fall sei, so Becker. Denn Gebäude, wie Kirche oder Gemeindehaus, hätten immer auch etwas mit Identitäten zu tun. Und über deren Zukunft wollten die Kirchenvorstände weiter mitreden.

»Darum haben wir uns auch dafür entschieden, diesen Nachbarschaftsraum in einer Rechtsform der sogenannten Arbeitsgemeinschaft zu etablieren. Damit bleiben wir als Gemeinden als je eigene Körperschaften des öffentlichen Rechts erhalten, die weiterhin über Finanzen und Liegenschaften selbst bestimmen. »Damit lassen wir die Kirche erst einmal im Dorf - und sind trotzdem offen für Veränderungen, die ja in der Tat unausweichlich sind«, erklärt Manfred Löffert, Vorsitzender des Kirchenvorstandes Harbach.

Die Kirche im Dorf belassen, sei im Übrigen auch Voraussetzung, um weiterhin liberale Volkskirche zu bleiben. »Wir mögen ja weniger werden. Aber umgekehrt fühlen sich immer noch sehr viele Menschen ihren Ortskirchen und Ortsgemeinden verbunden«, so Schneider. Freilich: Das lasse sich über die normalen, sonntäglichen Gottesdienstzahlen nicht mehr so ablesen. »Und doch müssen wir feststellen, wie viele Menschen bereit sind, die Gemeinden bei großen Vorhaben zu unterstützen - das haben wir gerade bei uns in Ettingshausen auf wunderbare und vielfältige Weise erfahren. Diese Menschen sind doch in solchen Augenblicken auch alle Kirche. Und darüber sind wir sehr dankbar«, so Schneider. Vor diesem Hintergrund seien die kirchlichen Ortsgemeinden ein ganz großer Schatz, mit welchem sich Gemeinschaft gestalten lasse, findet auch Sommerfeld.

Offen für weitere Gemeinden

Umso mehr fragt denn auch Löffert: »Würde uns das noch gelingen mit Großraumgemeinden, in denen die künftigen Mitglieder der Kirchenvorstände nicht mehr zu jedem Ort einen eigenen Bezug haben?« Die Kirchenvorstände des »Wirberger Landes« sind darum mit ihrer Lösung, die sie gemeinsam gefunden haben, erst einmal äußerst zufrieden. »Und wir sind offen für weitere, ländliche Gemeinden, die diesen Weg mit uns gemeinsam weitergehen wollen«, versichert Helwig.

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