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Reise in die Historie der Kirche

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Von: Carolin Launspach

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Die Jugendlichen nehmen die Besucher des Gottesdienstes mit auf eine Reise durch die Hattenröder Kirchengeschichte. Foto: Launspach © Launspach

Auf vielfältige Weise beleuchteten Jugendliche die Geschichte der Hattenröder Kirche. Musik, Bilder und Schauspiel wurden geboten. Auch Zeitzeugen kamen zu Wort.

Reiskirchen (csl). Hannes Adams, Samuel Damm, Tobias Erdeli, Janosch und Milan Filuciak, Lena Forbach, Ostap Kolosovski, Line Kühn, Max Münster, Alea Sundermann und Moritz Weimer sind die Jugendlichen, die am vergangenen Wochenende einen Jugendgottesdienst mit After-Church-Party in Hattenrod zum 70-jährigen Kirchenbestehen organisiert und veranstaltet haben. Unterstützt wurden sie im Vorfeld von Pfarrer Christian Stiller, Pfarrer i.R. Hartmut Miethe und Kirchenmusikerin Bettina Wißner. Die Jugendlichen nahmen die Besucher mit auf eine interessante, kurzweilige, anekdotengespickte, aber auch kritische Reise durch die Hattenröder Kirchenhistorie. Umrahmt wurden die einzelnen geschichtlichen Stationen von einem Projektchor, der sich eigens für diese Veranstaltung zusammentat und von Wißner geleitet wurde.

Im Prolog reisten die jungen Menschen in ihrer Zeit weit zurück und fragten, wie sich die Bewohner Hattenrods wohl ihre neue Kirche wünschten? Groß könnte sie sein, hell sollte sie sein, warm müsste es werden…

»Zugang war so romantisch«

Doch wie war es denn wirklich, der Abriss der alten und Neubau der neuen Kirche? Hierzu kamen Zeitzeugen zu Wort, wie Hedwig Balser, Elfriede Göringer, Emma Keupe, Heini Maul sowie Gertrud und Reinhold Theis. »Der Zugang zur (alten) Kirche war so romantisch«, berichtete Keupe und auch Maul konnte sich daran erinnern. »Die stand ja damals quer, nicht so wie heute«, schilderte Maul weiter. »Jeder hatte seinen Platz«, erinnerte sich Balser in Bezug auf die alte Empore. »Oben saß der Lehrer und hat die Orgel gespielt…und de Eisefeller hat die Balke getrete«, erläuterte Keupe. »Die Kinder haben die Glocken geläutet«, ergänzte Maul und »die Konfirmanden haben (zur Konfirmation) die Kirche geschmückt«, so Keupe.

Warum also ein Abriss und Neubau der Kirche? Die Zeitzeugen berichteten unisono von Baufälligkeit. So geschah es im August 1947, dass der Abriss anstand. Theis sagte: Der Plan war, die Kirche umzudrehen, so wie sie heute steht, und weiter »in dem kleinen Dorf war die Zusammenarbeit noch in Ordnung, jeder hat geholfen die Kirche wieder aufzubauen«. Der Aufzug der Glocke, wusste Theis zu berichten, »war alles Handarbeit. Kein Kran, kein Bagger. Hochzug mit Seil und Manneskraft.« 1952 konnte der Neubau eingeweiht werden. Die neue Kirche war groß, da kamen alle, auch aus anderen Orten, so Keupe. Denn nun hatten deutlich mehr Menschen hier Platz als in den Kirchen der Nachbarorte. Als in den 90er Jahren Toiletten, Küche und ein Gemeinschaftsraum in der Kirche geplant und umgesetzt wurden, war der Aufschrei groß, erinnerte sich Gertrud Theis. Später fanden es auch die meisten Kritiker gut. Mittels einer Beamer-Präsentation konnten die Anwesenden einzelne Stationen des Kirchenbaus bildlich miterleben. Aber auch schauspielerisches Talent zeigten die Jugendlichen, indem sie einzelne Anekdoten zum Besten gaben. Doch zu all dem Heiteren setzten die jungen Menschen auch kritische Akzente und fragten sich, was zukünftig mit Kirche und Gemeinde passieren wird? Zu den eigenen Gedanken wurden die der Kirchenbesucher gesammelt und vorgelesen, denn die Heranwachsenden waren sich in einem einig: Dass es in 50 und 100 Jahren noch eine Kirche gibt und kein Supermarktparkplatz oder ähnliches auf einstigem Kirchengrund gebaut wird.

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Der Projektchor umrahmt die einzelnen geschichtlichen Stationen. Foto: Launspach © Launspach

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