1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Reiskirchen

Solidarität auch aus Reiskirchen

Erstellt: Aktualisiert:

Reiskirchen (zye). Eine Resolution aller Fraktionen gegen die geplante Schließung des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes (ÄBD) in Lich war das bestimmende Thema im Jugend-, Senioren-, Kultur- und Sozialausschuss am Montagabend in Reiskirchen.

Ende Februar hatte diese Nachricht in Hungen, Grünberg, Laubach und Lich für eine Menge Unruhe gesorgt. Ab 20. Juni soll es in Lich keinen ÄBD mehr geben. Die Pläne wurden damit begründet, dass die Auslastung des Angebotes zu gering sei (der Anzeiger berichtete). Nach der Schließung gibt es im ganzen Landkreis nur noch einen ÄBD in Gießen. Es wird befürchtet, dass Bürger, die nachts, an Wochenenden oder an Feiertagen ein akutes, wenn auch nicht lebensbedrohliches medizinisches Problem haben, den Rettungsdienst rufen oder zur Notaufnahme der Asklepios Klinik fahren. Landrätin Anita Schneider (SPD) hatte vergangene Woche ein Gespräch mit Vertretern der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und der Leitung der Licher Asklepios Klinik. Die Klinik stellt dem ÄBD Räume zur Verfügung. Ergebnis: Bis Anfang April soll die KV ihre endgültige Entscheidung mitteilen. Die Ostkreis-Kommunen haben bereits eine Resolution gegen die Schließung verfasst, teilte Frank Arnold (SPD) mit.

Nun reagierten auch die Reiskirchener Fraktionen. Laut Resolution soll sich der Gemeindevorstand dafür einsetzen, dass »die Schließung verhindert und die Qualität der ärztlichen Versorgung im Ostkreis erhalten wird«. Die Folgen der Schließung lägen auf der Hand. Gibt es in Lich keinen ÄBD mehr, dann führe das zu einer Mehrbelastung von Rettungsdienst und Notaufnahme. »Das beansprucht Kapazitäten, die für dringende Notfälle dann nicht zur Verfügung stehen.«

Die Situation für den ländlichen Raum werde immer kritischer. Vor einigen Jahren war bereits der ÄBD in Grünberg dichtgemacht worden. Bleibt es bei den Plänen der KV, dann »würden auf die Bürger im Ostkreis weite Fahrtstrecken zukommen«. Es sei zudem »ein fatales Beispiel dafür, dass die Interessen der Menschen im ländlichen Raum keine Rolle spielen«.

Ärger über Schließungspläne

Die Ausschussmitglieder waren sauer über die Pläne der KV. Im Gespräch mit den Ortsbeiräten habe er erfahren, dass die Menschen in den Ortsteilen lieber nach Lich fahren, berichtete Gerhard Albach (Freie Wähler). Der dortige ÄBD ist schneller zu erreichen als der Gießener ÄBD, der sich beim Uniklinikum in der Klinikstraße 33 befindet.

Bürgermeister Dietmar Kromm (parteilos) findet die aktuelle Schließungspolitik der KV mehr als bedauerlich. »Die Daseinsvorsorge wird von der KV damit bei uns geschmälert. Nach der Schließung in Grünberg ist das ein weiterer Schlag. Ich bin entsetzt darüber, was hier auf dem Land produziert wird.« Zumal auch immer davon gesprochen werde, gleichberechtigte Verhältnisse auf dem Land herzustellen. »Es passiert genau das Gegenteil«, lautet Kromms Beobachtung. Einstimmig empfahl der Ausschuss der Gemeindevertretung, die Resolution zu beschließen.

Auch interessant