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»Stammtisch mit Niveau«

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Waltraud Balser, Luise Böttcher von Verband der evangelischen Frauen in Hessen und Nassau, Elfriede Zinkann, Margot Brasch, Erika Spuck, Doris Niebergall, Ursula Kühn, Pfarrer Dieter Sandori, Gerda Weimer und Marie Schepp (v.l.). Foto: Albach © Albach

Viele Glückwünsche gab es zum 100. Geburtstag der Frauenhilfe Lindenstruth.

Reiskirchen (war). Eine Kirchengemeinde lebt sehr von ihren Frauen. Ihnen zu Ehren wurden fast alle zum Jubiläumsgottesdienst der Frauenhilfe Lindenstruth gesungenen Lieder von Frauen geschrieben. Dies brachte Pfarrer Dieter Sandori in seiner Festrede mit Glückwünschen zum 100. Bestehen der örtlichen Frauenhilfe zum Ausdruck.

1916 etablierte sich der allgemeine Name Frauenhilfe und schon sechs Jahre später wurde in Lindenstruth diese ins Leben gerufen. Nur eine Urkunde im Gemeindehaus zum 25-jährigen Bestehen erinnert an das Ereignis, alle weiteren Jubiläen wurden übergangen.

Zu Zeiten von Pfarrer Edwin Marguth aus Winnerod um 1920 wurde viel gesungen und soziale Aufgaben der Frauenhilfe in den Vordergrund gestellt. Andere Pfarrer folgten, bis Pfarrer Martin Kohlschmidt aus dem sächsischen Oberheldrungen 1952 die Pfarrstelle übernahm. In seiner Wirkungszeit wurden um 1958 viele Pakete und Päckchen gepackt und nach »drüben« geschickt, alle unter privaten Absendern.

Als »Stammtisch mit Niveau« bezeichnete Pfarrer Sandori die Zusammenkünfte der Frauen, die vor dem Bau des Gemeindehauses in der Schule oder in einer der örtlichen Gaststätten abgehalten wurden. Bei diesen entwickelten sich Gespräche über den Glauben, die sonntags in der Kirche nicht möglich waren. Männer hatten keinen Zugang zur Frauenhilfe und was Männer über die Frauenhilfe dachten, bleibt in den Familien verborgen.

Mit Bersrod, Saasen, Wirberg und Winnerod unternahmen die Pfarrerinnen und Pfarrer ungezählte Ausflüge, Besichtigungen sowie Film- und Diaabende, die vor oder nach der Winterruhe stattfanden. Der geliebte Kaffee- und Streuselkuchengenuss brachte der Frauenhilfe auch die Bezeichnung »Riwwelkuche-Verein« ein. Durch alle Jahrzehnte ihres Bestehens sahen die Teilnehmerinnen die Treffen als heilsame Unterbrechung des Alltages. Drei Pfarrerinnen betreuten die Pfarrstelle Lindenstruth vor Pfarrer Sandori und prägten auch die Arbeit der Frauenhilfe.

Für den Verband der evangelischen Frauen in Hessen und Nassau, so der 2015 geprägte Name, sprach Luise Böttcher und gratulierte dem Jubiläumsverein. Sie dankte für die Mitgestaltung zahlreicher Weltgebetstage und wünschte, dass auch während Corona Schönes im Herzen bewahrt werde. Eine Urkunde überreichte sie an Pfarrer Sandori und jeweils ein Geschenk der Kirchengemeinde übergab sie an die anwesenden derzeitigen Teilnehmerinnen der Frauenhilfe. Besonders erwähnte sie die langjährige gute Zusammenarbeit mit der leider nicht anwesenden Johanna Müller.

Pfarrer Dieter Sandori dankte ebenfalls Johanna Müller für ihren jahrzehntelangen Einsatz in den kirchlichen Belangen sowie der Heimatgeschichtlichen Vereinigung - Gruppe Lindenstruth für die Bereitstellung der Informationen über die örtliche Frauenhilfe.

Anschließend lud er zu seinem Abschiedsgottesdienst am 10. Juli um 14 Uhr ein. Die Musikgruppe »Dribbdeblues« werde dabei sein und weitere musikalische Darbietungen würden seinen letzten offiziellen Gottesdienst begleiten.

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