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Zuhause für 35 Menschen

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In diesem Haus sollen Geflüchtete eine Unterkunft finden. © Zylla

Im Reiskirchener Ortsteil Ettingshausen wird eine weitere Flüchtlingsunterkunft eingerichtet.

Reiskirchen (zye). Aus dem Gebäude Nr. 1 »Am Biengarten« in Ettingshausen wird ab dem 1. Februar eine weitere Flüchtlingsunterkunft. Es ist die zweite in dem Reiskirchener Ortsteil. Hier soll dann für bis zu 35 geflüchtete Menschen eine angemessene Unterkunft angeboten werden.

Warum dies notwendig ist, erläuterte der hauptamtliche Kreisbeigeordnete Hans-Peter Stock in einem Schreiben an sämtliche Haushalte in Ettingshausen. So würden - nach dem sogenannten »Königssteiner Schlüssel« - 4,49 Prozent aller in Hessen aufgenommenen Geflüchteten der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen zugewiesen. »Derzeit sind wir verpflichtet, wöchentlich bis zu 30 Personen eine menschenwürdige Unterkunft zur Verfügung zu stellen«, rechtfertigt Stock das Vorgehen. Man sei bemüht, die Unterbringung in »Sporthallen oder auch Bürgerhäusern« zu vermeiden, daher werden vor allem bestehende Wohnhäuser als Unterkunft gewählt. Das Haus »Am Biengarten« sei dem Landkreis Gießen angeboten worden und sei geeignet, um eine »adäquate und kurzfristige Unterbringung von maximal 35 Menschen« gewährleisten zu können. In diese Gemeinschaftsunterkunft sollen wohl vor allem geflüchtete Familien einziehen. Genauere und verbindliche Angaben seien aktuell noch nicht möglich, so Stock. Die Unterkunft werde privat betrieben, richte sich aber nach Vorgaben, die der Landkreis mit dem Betreiber schließt. Dadurch soll »ein möglichst reibungsloses Zusammenleben« gegeben sein.

Aktuell existiert bereits eine Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Ettingshausen. Die befindet sich seit den Anfängen der Flüchtlingskrise 2015 in der dortigen Flugplatzsiedlung. »Deswegen haben wir uns bei der Auswahl dieser (neuen) Liegenschaft sehr schwer getan«, erklärte Stock, allerdings soll es beim schwierigen Immobilienmarkt keine große Auswahl gegeben haben. Außerdem müsste es für diese Menschen zu Fuß erreichbare Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte, eine Schule und Kindergarten geben. Normalerweise informiere der Landkreis Gießen in solchen Situationen die jeweiligen Gemeinden bei Bürgerversammlungen, wegen der Pandemie-Lage werde davon aber derzeit abgesehen. »Dafür bitte ich Sie persönlich ausdrücklich um Verständnis. Sobald es die pandemische Lage zulässt, werden wir diese Veranstaltung aber umgehend nachholen«, wendet sich Stock an die Bürger.

Laut Ortsvorsteherin Petra Süße (CDU) äußerten bereits einige Bürger Bedenken. Sie sorgten sich wegen eventueller integrationsunwilliger Geflüchteter. Süße, die selbst in der Nähe der Unterkunft in der Flugplatzsiedlung lebt, kann beruhigen: »Wir hatten hier selten Probleme mit Geflüchteten.« Die neue Unterkunft sei zudem besser geeignet, weil Geflüchtete oft zu Fuß unterwegs sind: »Die Flugplatzsiedlung liegt sehr weit abseits. Die neue Unterkunft ist wesentlich besser geeignet, weil wichtige Orte zu Fuß erreichbar sind.« Wegen ihren jahrelangen Beobachtungen zur ersten Flüchtlingsunterkunft ist sie überzeugt: »Wir werden auch das in Ettingshausen schon hinbekommen.«

Hans-Peter Stock hofft nun auf die Mithilfe der Bevölkerung: »Begegnen Sie den Migrantinnen und Migranten bitte ohne Vorurteile. Treten Sie den Menschen offenherzig gegenüber, Sie werden Dankbarkeit erhalten.« Er hofft zudem auf ehrenamtliches Engagement, um geflüchteten Menschen die Integration zu erleichtern. Ein Anlaufpunkt dafür sei etwa Lucas Richter, Koordinator für Gemeinwesensarbeit in Reiskirchen. Er ist erreichbar unter der Rufnummer 0151/65257952 oder per E-Mail an gwa-reiskirchen@zaug.de. Wer Fragen an den Landkreis zum Thema »Migration« hat, kann die Hotline des Fachdienstes unter 0641/9390-9591 nutzen (per E-Mail auch an gemeinschaftsunterkuenfte@lkgi.de).

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