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Aufgeschoben, nicht aufgehoben

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Die Treiser werden noch eine Weile mit der alten Halle leben müssen. Archivfoto: Wisker © Debra Wisker

Die Sanierung oder ein Neubau der Treiser Sport- und Kulturhalle ist derzeit nicht bezahlbar, nun sucht man andere Wege.

Staufenberg (dge). Neubau oder Sanierung? Die Sport- und Kulturhalle in Treis hat eine eigens gebildete Arbeitsgruppe über mehrere Monate schon beschäftigt. Nun ist klar, dass beides vorerst auf Eis gelegt werden muss. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben - das Vorhaben will man im Blick behalten.

Steigerungen

Doch wie Reiner Mehler, Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses (HFA), erklärte, habe sich die Lage seit dem Einmarsch russischer Truppen in der Ukraine »dramatisch geändert«. Das habe sich trotz einer an der Sache orientierten Diskussion auch auf das Projekt Treiser Halle ausgewirkt. Mehler nannte »teilweise drastische Baukostensteigerungen und ebenso drastische Fördermittelkürzungen« sowie Zinssteigerungen, die sich auf das geplante Vorhaben durchschlügen. Hinzu kommt, dass die Stadt Staufenberg für die Sanierung der Sporthalle an der Clemens-Brentano-Europaschule (CBES) voraussichtlich einen Kostenbeitrag leisten muss. Dieser wird derzeit auf mindestens 1,1 Millionen Euro geschätzt. Das schränke die Investitionsmöglichkeiten der Stadt weiter ein.

Fazit der Arbeitsgruppe: »Zum derzeitigen Zeitpunkt kann keine Empfehlung für eine Sanierung oder einen Neubau gegeben werden«. Die Kosten für eine Sanierung waren auf etwa 1,8 Millionen Euro geschätzt worden, wobei mit einer Förderung von etwa 47 Prozent gerechnet wurde. Der Neubau einer Drei-Felder-Halle mit Begegnungsstätte auf etwa 5,1 Millionen Euro, der geschätzte Fördersatz lag hier bei rund 40 Prozent. Auch war man zum Jahreswechsel 2021/2022 noch von einem niedrigeren Zinssatz ausgegangen.

Dennoch ist auch klar, dass in Treis dringend eine Begegnungsstätte benötigt wird, gerade die Vereine haben momentan in dieser Hinsicht kaum eine Möglichkeit. Also hat sich die Arbeitsgruppe überlegt, dass eine neue Halle in etwas kleinerer Dimension geplant und gebaut werden könnte. Da hier jedoch keine Begegnungsstätte Platz fände, sollen die bereits laufenden Anstrengungen zur Etablierung eines Dorfladens beziehungsweise Dorfcafés »unter Einbeziehung der zu schaffenden Begegnungsstätte« forciert werden. Hier kam eine eventuelle Förderung über das Leader-Programm zur Sprache, ein Antrag sei bereits gestellt. Darüber hinaus solle die Verwaltung so schnell als möglich ein Sportstätten-Entwicklungskonzept auf den Weg bringen, »damit wir so höhere Förderbeiträge für den angestrebten Neubau der Halle in Treis generieren können«. Ein solches Konzept ist Voraussetzung, um in den Genuss einer Förderung zu kommen.

»Bezüglich des weiter angedachten Hallenneubaus bleibt die vielversprechendste Möglichkeit diejenige über einen Investitionszuschuss der Sportstätten-Förderung öffentlicher Raum/Bund«, die aber ein Sportstätten-Konzept für die Gesamtkommune erfordert. Die Förderung habe bis 2021 rund 90 Prozent der Baukosten betragen, für das Jahr 2022 sei die Höhe der Förderung allerdings noch nicht bekannt. Das Projekt »Halle Treis« ist also grundsätzlich noch nicht vom Tisch. Der Haupt- und Finanzausschuss stimmte daher auch zu, den von der Arbeitsgruppe aufgezeigten »Umweg« der Stadtverordnetenversammlung zum Beschluss zu empfehlen.

»HerO« - die Abkürzung steht für Heranführung an berufliche Orientierung, ein Projekt, das erfolgreich an der CBES in Lollar installiert wurde. Wie viele solcher Projekte ist man auch hier alljährlich auf Fördermittel angewiesen. Die Konzepte liegen in der Schublade, doch sind die Förderrichtlinien noch nicht definiert, können also die Anträge noch nicht gestellt werden.

Um das Programm weiterführen und junge Menschen auf den Start ins Berufsleben vorbereiten zu können, warb Lena Ufer (ibs, Institut für Berufs- und Sozialpädagogik gGmbH Gießen) im HFA um Mittel zur Zwischenfinanzierung in Höhe von 15 000 Euro. Diese waren schon im Vorjahr gewährt worden, sowohl jeweils von der Stadt Lollar als auch der Stadt Staufenberg.

66 Teilnehmer weist das Programm an der CBES aktuell auf.

Das Ziel der Berufsfindungsklassen ist primär, einen Ausbildungsplatz zu finden. Dabei unterstützt die ibs, in Person von Lena Ufer, täglich vor Ort an der Schule.

»Überrannt«

Roland Ehmig (FW) monierte, dass man im Vorfeld der HFA-Sitzung nicht informiert worden sei, dass man »über Geld abstimmen« solle. Er fühle sich »überrannt« und sehe sich daher nicht in der Lage, zuzustimmen. Berndt Dugall, Fraktionsvorsitzender der CDU, wollte indes sichergestellt wissen, dass es sich um eine einmalige und keine dauerhafte Finanzierungshilfe handelt.

Der HFA votierte dafür, der Stadtverordnetenversammlung die Entscheidung zu überlassen.

Bis zur deren Sitzung am kommenden Dienstag haben die Fraktionen nun Gelegenheit zur Beratung.

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