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Aus Holzabfall wird Energie

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Von: Debra Wisker

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So sieht das Modell der Holzvergasungsanlage, die in Staufenberg installiert werden soll, aus. Repro: Wisker © Debra Wisker

Die Stadt Staufenberg und die Stadtwerke Gießen gehen neue Wege. Die Teilfläche des Bauhofs für die vorgesehene Holzvergasungsanlage soll an die Stadtwerke Gießenverpachtet werden..

Staufenberg (dge). Die Energiekrise hat ganz Deutschland im Griff. Auch in der Staufenberger Stadtverordnetenversammlung standen Entscheidungen an, die Einsparungen bringen sollen, nicht nur an Geld, sondern eben auch an Verbrauch.

Doch zuvor stellte Matthias Funk, Vorstand Stadtwerke Gießen (SWG) ein Projekt vor, das auf dem Bauhof installiert werden soll. Zunächst einmal ging es darum, zu beschließen, dass die benötigte Teilfläche zu diesem Zweck an die Stadtwerke verpachtet wird. Die Technik, von der hier die Rede ist, wurde übrigens schon während und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg für Fahrzeuge verwendet. Damals behalf man sich mit einem Holzvergaser. Mittlerweile wurde dieses Prinzip stetig weiterentwickelt, auf einen zeitgemäßen Stand gebracht. Mit der geplanten Holzvergasungsanlage soll Holzabfall in einem thermochemischen Verbrennungsverfahren in Brenngas umgewandelt werden.

Autarke Lösung

Wie Funk erklärte, habe man schon vor drei Jahrzehnten ein Wärmenetz für die Vitale Mitte, also heute Einkaufsmärkte, Ärztehaus, Rathaus und Stadthalle sowie Teile des damaligen Neubaugebiets Staufenberg-Süd, installiert. Zur Zeit wird hier auch die neue Grundschule angeschlossen. Dieses Netz - das bisher mit Gas versorgt wird - soll nun auch für die neue Technik genutzt werden. Eine autarke, eine Insellösung sozusagen.

Bürgermeister Peter Gefeller (SPD) betonte noch einmal, dass dies »eine innovative Antwort auf Despoten und Diktatoren sei, die fossile Brennstoffe als Waffe zur Erpressung nutzen«. Doch zurück zum geplanten Vorhaben: Das in der aus zwei Containern bestehenden Holzvergasunganlage produzierte Gas wird in ein Blockheizkraftwerk eingeleitet. Dort wird es in Strom und Wärme umgewandelt. »Gefüttert« wird die Anlage mit Grünabfall, also zum Beispiel Schnittgut, das sich zu anderen Zwecken - wie etwa Kompostierung - nicht eignet. Die Anlage in Staufenberg wird laut Funk 2 100 000 kWh an Wärme und 1 050 000 kWh an Strom produzieren. Das reicht für die Versorgung von über 100 Einfamilienhäuser mit Wärme und gut 300 Einfamilienhäuser mit Strom - dies pro Jahr. An CO2 sollen jährlich rund 1500 Tonnen eingespart werden. Rund 2000 Tonnen Holz werden pro Jahr für die Energieproduktion benötigt. Derzeit, erklärte Matthias Funk, sei ein Schallgutachten in Arbeit, der Bauantrag sei vorbereitet.

Für die Stadt Staufenberg entstehen keine zusätzlichen Kosten, abgesehen, von Strom und Wärme, die von den SWG ohnehin abgenommen werden. Über den Pachtvertrag werden indes Erlöse generiert. Die Parlamentarier votierten einstimmig dafür, die Teilfläche des Bauhofs für die vorgesehene Holzvergasungsanlage an die Stadtwerke Gießen zu verpachten.

Auf 15 Grad Celsius soll die Temperatur in den Sporthallen der Stadt Staufenberg abgesenkt werden. Das ist Teil eines Maßnahmenpakets, mit Energie eingespart werden soll. Nicht durchringen konnten sich die Stadtverordneten dazu, auch die Duschen abzustellen. Im Haupt- und Finanzausschuss war noch darüber diskutiert worden, ob man vielleicht nur das Warmwasser abstellen könne. Das ist, so hat eine Prüfung ergeben, technisch nicht möglich. Den Sportlern bleibt eine kalte Dusche somit erspart. Die Duschen bleiben an, so der Beschluss der Stadtverordneten. Im Rathaus soll den Mitarbeitern unter anderem die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten gegeben werden. Nicht davon betroffen ist das Bürgerbüro, dessen Öffnungszeiten ändern sich somit auch nicht. Einig war man sich auch, die Abschaltung der Beleuchtung in den Nebenstraßen um eine Stunde zu erweitern. Nun gehen demnach statt von 1 bis 5 Uhr künftig von Mitternacht bis fünf Uhr morgens die Lichter aus. Weiterhin sollen die noch nicht mit LED versehenen Straßenlampen in den kommenden drei Jahren auf diese Technik umgerüstet werden. Auch dem stimmten die Stadtverordneten zu.

Interkom

Aus dem Ebsdorfergrund war Bürgermeister Andreas Schulz (SPD) angereist. Er informierte die Parlamentarier über den Sachstand zum Gewerbegebiet Interkom in Heskem-Mölln. Wie der Name es schon ahnen lässt, ist dieses Gewerbegebiet ein interkommunales Projekt. Beteiligt sind die Gemeinde Ebsdorfergrund zu 50 Prozent, die Stadt Marburg und die Stadt Staufenberg zu jeweils 25 Prozent. »Ich habe Ihnen damals versprochen, das wird eine Erfolgsgeschichte. Und das ist es geworden«, blickte Schulz zu Beginn seiner Ausführungen zurück. Interkom I und II wurden zuerst an den Start gebracht, Interkom III und IV werden folgen. Um III und IV beginnen zu können, hätten zunächst 60 Prozent von Interkom I und II vermarktet sein müssen. Das hat man erreicht, 80 Prozent der Flächen von Interkom I und II vermarktet, so Schulz. In der Sitzung der Gemeindevertretung Ebsdorfergrund am 14. November könne somit der Aufstellungsbeschluss für die nächsten beiden Abschnitte (Interkom III und IV) gefasst werden.

An Fördergeldern hat das Land Hessen 1,5 Millionen Euro für das interkommunale Vorzeigeprojekt zugeschossen. Andreas Schulz betonte die Bedeutung des Gewerbegebiets für die Region, würde es doch »die Arbeit zu den Menschen bringen.« Arbeitsplätze nahe des Wohnorts ersparten lange Pendelfahrten etwa ins Rhein-Main-Gebiet. Gerade angesichts einer »Zeitenwende in der Wirtschaft kommt es auf uns selbst an.« Man solle sich nicht nur auf Globalisierung, nicht nur »auf die Produktion in Thailand« verlassen. Stelle eine Kommune keine Gewerbeflächen zur Verfügung, bestehe die Gefahr, dass Firmen abwanderten. Er hob hervor, dass es vorwiegend Unternehmen aus der Region seien, die sich im Gewerbegebiet Interkom niederlassen.

Vor Kurzem war Bürgermeisterwahl in der Gemeinde Ebsdorfergrund. Schulz war nicht mehr angetreten. Sein Nachfolger wird Hanno Kern (CDU). Schulz bekannte, dass dieser mit der Aussage angetreten sei, Interkom III und IV verhindern zu wollen. Dennoch zeigte sich Andreas Schulz zuversichtlich, dass die Mehrheitsfraktion in seiner Gemeinde weiterhin zu dem Projekt und den gefassten Beschlüssen stehe. »Und vielleicht überzeugen wir ja auch den neuen Bürgermeister gemeinsam.« Immerhin würden mit Interkom I und II rund 400 Arbeitsplätze geschaffen.

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