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Das sonntägliche Ritual

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Allwöchentlich kann man in den Staufenberger Nachrichten die Kolumne von Peter Gefeller lesen. Grafik: Glaßl © Red

Jede Woche schreibt Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller seine Kolumne. Jetzt ist die 500 voll.

Staufenberg . (dge). Immer wieder sonntags verzichtet Peter Gefeller auf den Tatort und widmet sich stattdessen seiner Kolumne. Montags wird noch mal kritisch drüber geschaut und fein geschliffen, bevor man die »Kolumne des Bürgermeisters« dann in den Amtlichen Nachrichten lesen kann.

»Diese Woche ist es die 500. Kolumne«, so der Staufenberger Bürgermeister Peter Gefeller (SPD) nicht ohne Stolz. Schon vor seinem Amtsantritt am 1. August 2011, also noch während des Wahlkampfs, sei die Idee entstanden. Stichwort: Mehr Transparenz. »Häufig bleibt vieles in der Verwaltung, erreicht die Bürger nicht. Das führt zu Gerüchten und Spekulationen.« Dem habe er entgegentreten wollen. Daher greife er die Themen auf, die in Staufenberg anstehen, die die Bürger bewegen. »So kann man Missverständnisse vermeiden und muss Wogen erst gar nicht glätten.«

Anfangs sei er belächelt worden, so manch einer sei der Ansicht gewesen, dass er die Kolumne nicht lange durchhalte. »Das hat mich erst richtig angestachelt«, verrät Gefeller. Für den Begriff »Kolumne« habe er sich entschieden, weil er hier auch mal seine Meinung äußern könne, »ohne anderen ihre Meinung abzusprechen«.

Sachlich beleuchten

Grundsätzlich sei es aber sein Ziel, Themen sachlich zu durchleuchten. Seien es seinerzeit die Konsolidierungsmaßnahmen zum Haushalt, zum Schutzschirm oder auch der Grundsteueranhebung gewesen - all das habe er offen und transparent darstellen, die Menschen mitnehmen wollen. »Auch wenn das damals sicherlich keine schönen Dinge waren.« Vor allem die Energiewende begleite ihn seit seinem Amtsantritt am 1. August 2011. Gefeller blickt zurück: »Gerade als wir den Solarpark am Buchenberg auf den Weg bringen wollten, war es wichtig, das zu kommunizieren. Schließlich war es ein Projekt mit Bürgerbeteiligung.« Die Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 habe gezeigt, wie wichtig es sei, in Sachen Energie umzudenken. Gerade mal sieben Monate habe es gebraucht, um den Solarpark Buchenberg ans Netz zu bringen. Jetzt sei der Windpark im Bau. Auch hier sollen die Bürger sich beteiligen können. Gefeller erinnert an den von mehreren Kommunen gemeinsam aufgestellten Flächennutzungsplan. »Damit wollten wir sogenannten Hasardeuren zuvorkommen. Hätten wir das nicht gemacht, wäre heute von Treis bis Beuern rüber alles mit Windrädern dicht.« So aber hätten die Kommunen die Planungshoheit behalten.

Die Energiewende ist für Gefeller auch ein Grund, sich im kommenden Jahr noch einmal zur Wahl zu stellen. Sein Ziel: Den Strom nicht nur produzieren, sondern auch im Lumdatal speichern. Weiterhin gebe es derzeit die aufsuchende Energieberatung, das Quartierskonzept für Treis lege den Fokus ebenfalls auf Energieeffizienz und es sei auch an der Zeit, den Begriff Mobilität neu zu definieren, zu verändern. »Weniger Auto, mehr Fahrrad. Daher auch das Versuchsprojekt Fahrradstraße auf der Kreisstraße 29 zwischen Lollar und Daubringen.« Das alles seien Teile des Puzzles, »das wir zusammenstecken wollen«. Für den Staufenberger Bürgermeister gehört dazu auch der ÖPNV. »Übrigens: Ich bin kein Bahngegner«, fügt er an. Gerade den Güterverkehr für den geplanten Gewerbepark Schamott sähe er gerne auf der Schiene. Daher sei es wichtig, die Haltepunkte in Ordnung zu halten oder zu bringen. »Ich halte den Bus für die bessere Alternative, sperre mich aber nicht gegen eine Reaktivierung der Lumdatalbahn.«

Für Gefeller gibt es noch viele Dinge, die er in den kommenden Jahren angehen oder auch vollenden will. Bei der Sport- und Kulturhalle in Treis wird derzeit über Neubau oder Sanierung diskutiert. »Da reden wir gerade über die Finanzierung. Für die alten Schulgebäude in Daubringen, Mainzlar und Staufenberg haben wir Pläne in der Schublade. Das darf man nicht auf die lange Bank schieben, ein Leerstand tut keinem Gebäude gut.« Die neue Grundschule hält er für ein »Geschenk für Staufenberg«, könnten die integrative Schule doch Kinder mit Behinderung aus dem ganzen Lumdatal besuchen. Auch darüber will er in seiner Kolumne schreiben.

Hand aufs Herz: Sind die Themen schon mal ausgegangen? Gefeller lacht: »Na ja, in einer Kommune mit rund 8500 Einwohnern gibt es nicht nur ›heiße Themen‹. Also überlege ich mir, was ich schon immer mal sagen wollte, zum Beispiel über die Bevölkerungsentwicklung, aber auch über Werte wie Demokratie und Freiheit oder über das aktuelle Weltgeschehen.«

So wie die Kolumne hat er auch die Bürgersprechstunden beibehalten. Reihum sucht er in den Stadtteilen das Gespräch mit dem Bürger. »Nicht jeder greift zum Telefon oder schickt eine E-Mail.« Also verlasse er lieber den »Elfenbeinturm Rathaus« und gehe unter die Menschen. Ab 2. Juni wird er immer am ersten Donnerstag im Monat auf dem Wochenmarkt in der Vitalen Mitte anzutreffen sein. Auch das gehört für ihn zum Prinzip der Transparenz. »Als Bürgermeister ist man für die Menschen da. Das darf man nicht nur als Job sehen, das muss man mit Leidenschaft machen.« Er sehe sich auch nicht als einer, der immer treu der Parteilinie folge. »Die beste Politik, die wir gemacht haben, war immer die, wenn alle hinter den Beschlüssen standen. Über die Parteigrenzen hinweg.«

Feder spitzen

Also wird sich Peter Gefeller auch am kommenden Sonntagabend wieder hinsetzen - »mit einem Tässchen Kaffee, da flutscht es besser« -, auf den Tatort verzichten, die Feder spitzen und die 501. »Kolumne des Bürgermeisters« schreiben.

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