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Dorfladen und Café das Thema in Treis

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Von: Thomas Wißner

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Vis-a-vis des »Träser Hoflädchens« könnte auf der anderen Lumdaseite in einer Gaststätte der neue Dorfladen entstehen, wie es in Treis bereits heißt. Näheres soll jedoch erst am 25. November bekanntgegeben werden. Foto: Wißner © Wißner

Wo das Projekt »Treiser Dorfladen mit Dorfcafé und Versammlungsraum - Wohnen und Arbeiten mit Handicap in Treffs« umgesetzt werden soll, wird in Kürze bekanntgegeben.

Staufenberg (twi). In einem Bestandsgebäude in Treis soll ein Dorfladen entstehen. Bürgermeister Peter Gefeller stellte gemeinsam mit Klaus Faulenbach (beide SPD) das Projekt »Treiser Dorfladen mit Dorfcafé und Versammlungsraum - Wohnen und Arbeiten mit Handicap in Treffs« vor, ohne konkret einen Ort zu benennen. Am 25. November gibt es dazu in Treis eine Bürgerversammlung.

Was Gefeller bereits verriet, ist ein Investitionsvolumen von 1,5 Millionen Euro. Um dies stemmen zu können, werden Fördermittel, etwa aus der Leader-Förderung der EU wie auch über die SWS GmbH des Landkreises mit den Kreiskommunen, aber auch Förderungen zur Energieeinsparung beantragt. »Die Stadt wird eine Investition in den Stadtteil Treis tätigen müssen, versucht möglichst hohe Förderungen zu generieren, aber am Ende wird ein nicht unerheblicher Teil für die Stadt hängen bleiben«, ist sich Gefeller sicher.

Spekulationen

Während dieser wie auch Faulenbach keine konkreten Angaben machte, lediglich von »einer zentralen Lage in der Nähe der Grundschule, der Kindertagesstätte und der vollständig ausgebuchten Sporthalle und der Funktion zum Treffpunkt der Bevölkerung sowie der Vereine im Stadtteil Treis zu werden«, sprach, wird dort schon offen darüber gesprochen, dass es sich um eine aktuell zum Verkauf stehende Lokalität in der Bahnhofstraße handelt, wo auch bereits zwei Besichtigungstermine durch städtische Vertreter erfolgten. Just in der Bahnhofstraße wo sich auf der anderen Seite der Lumda der »Träser Hoflädche Stephan Michel« befindet. Nach Schließung fast aller Grundversorgungsbetriebe, wie Lebensmittelgeschäfte, Bäckerei, Metzgerei sowie Filialen der regionalen Banken, sind im Stadtteil Treis mit seinen rund 2150 Einwohnern keinerlei Versorgungs- und Einkaufsmöglichkeiten mehr vorhanden. Lediglich der Geldautomat der Volksbank Mittelhessen wird noch für ein Jahr befristet angeboten. Für die Lebensmittelversorgung besteht zudem noch ein Hofladen, der überwiegend eigene landwirtschaftliche Erzeugnisse anbietet. »Von ehemals drei Gaststätten wurde 2021 bereits eine geschlossen, die beiden anderen stehen kurz vor der Schließung. Eine Nachfolge ist nicht in Sicht«, heißt es in der von Gefeller vorgelegten Projektbeschreibung, und hier wird es dann wohl bald anstelle einer Gaststätte jenen »Treiser Dorfladen mit Dorfcafé und Versammlungsraum« geben, bietet sich eine Gaststätte mit Saal geradezu ideal für einen solchen Zweck an.

Bleibt hier dann noch die Frage zu klären, ob ein Biergarten dann weiterbetrieben werden soll.

»Das Dorfgemeinschaftshaus steht nach Übernahme durch die Kindertagesstätte und den Pakt für den Nachmittag der Grundschule nicht mehr zur Verfügung. Es ist daher zu erwarten, dass neben der mangelnden Versorgung in kürzester Zeit in diesem Stadtteil auch kein Raum mehr für das gesellige Dorfleben und die Vereinsarbeit bereitsteht.« Vor diesem Hintergrund holte die Stadt das Lebenshilfewerk Marburg, die Firma tegut (Fulda), Evangelische Kirche und Ortsvereine sowie Bürger in ein Boot, um das Projekt unter dem Slogan »Wohnen und Arbeiten mit Handicap in Treis« anzugehen. Mit der zum Schweizer Konzern Migros gehörenden Firma tegut steht nach den Worten Gefellers für den Dorfladen ein wichtiger regionaler Lebensmittellieferant bereit. Dieser betreibt bereits 28 Dorfläden mit gleicher Beteiligung.

Das »tegut... Lädchen« ist der kleine Dorfladen von nebenan. Die Kunden erhalten direkt vor Ort weitaus mehr als nur die Produkte des täglichen Bedarfs. So werden auch regionale Spezialitäten, Bio-Lebensmittel bis hin zu saisonalen Produkten angeboten. Auch sind Dienstleistungen wie Poststelle mit Paketshop, Reinigungsannahme, Bankauszahlung geplant. Weiter ist eine Kooperation mit dem örtlichen Lebensmittelanbieter »Träser Hoflädche« geplant, dessen landwirtschaftliche Produkte direkt im Dorfladen vermarktet werden sollen.

Neben dem Dorfladen soll ein Dorfcafe mit Begegnungsstätte integriert werden. tegut bestückt den Laden mit 4000 bis 5000 Produkten sowie regionalen Produkten, auf die großen Wert gelegt wird. Migros ermöglicht eine solche Betreibung, die keinesfalls wirtschaftlich gestaltet werden kann, über die Sparte »tegut... Lädchen«, welches nach der eigenen Firmensatzung benötigtes soziales Engagement in Deutschland abdeckt. Aber auch dieses soziale Engagement alleine reicht nicht. Ein Dorfladen funktioniert nur zusammen mit einem Sozialverband als Betreiber. Diese erhalten vom Landeswohlfahrtsverband Zuschüsse, die den Betrieb eines Dorfladens wirtschaftlich erst ermöglichen.

Großes Interesse

Der Sozialverband Lebenshilfewerk Marburg hat großes Interesse gezeigt, den Dorfladen nebst Cafe und angeschlossenen Dienstleistungen betreiben zu wollen. Die im Dorfladen tätigen betreuten Menschen mit Handicap sollen möglichst einen kurzen Weg zu ihrer Arbeitsstätte haben. Ideal ist, wenn die von dem Lebenshilfewerk Marburg betreuten Menschen mit Handicap auch im gleichen Haus wohnen können. »Für den Part ›Wohnen mit Handicap‹ haben wir schon mit der Lebenshilfe Gießen, Vorstand Dirk Oßwald, gesprochen«, verweist Faulenbach auf die »Ideallösung«, ein Wohnen der Beschäftigten im gleichen Gebäude. Schließlich soll in dem Projekt noch eine multifunktional nutzbare Begegnungsstätte integriert werden. Von Vorstandssitzungen über Chorproben und Lesungen bis hin zu Jahreshauptversammlungen und kleineren Veranstaltungen sollte diese Begegnungsstätte nutzbar sein.

»Bereits zu Beginn der Gespräche über diese geplante Versorgungseinrichtung zeigte sich in der Bevölkerung reges Interesse am Projekt und große Bereitschaft der evangelischen Kirche, der Ortsvereine, aber auch der Bürgerinnen und Bürger, an der Planung und Umsetzung des zukunftssichernden Projekts mitzuwirken. Mittlerweile hat sich sogar auch schon ein Verein gegründet«, so Faulenbach. Dazu soll im Nachgang der Bürgerversammlung noch in diesem Jahr ein Beschluss herbeigeführt und dann in ein Bestandsgebäude investiert werden, um nicht weitere Flächen zu verbrauchen.

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