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Energiesparen im Fokus

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Von: Debra Wisker

Staufenberg (dge). Seit 2012 werden in Staufenberg nachts, genauer gesagt von 1 bis 5 Uhr, die Straßenlampen in den Nebenstraßen abgeschaltet. In der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses (HFA) stand nun eine moderate Erweiterung der Nachtabschaltung auf der Tagesordnung.

Bürgermeister Peter Gefeller blickte zurück: 2010 habe die Stadt Staufenberg insgesamt rund 600 000 Kilowattstunden pro Jahr verbraucht, jetzt seien es nur 250 000 Kilowattstunden jährlich. Die Ersparnis ist wohl ebenso ein Ergebnis der Nachtabschaltung wie der Umrüstung der Laternen auf LED.

Nachtabschaltung

Nun soll angesichts der aktuellen Energiekrise in den Nebenstraßen die Beleuchtung von 24 bis 5 Uhr abgeschaltet werden, eine Erweiterung also um eine Stunde. Eine weitere Energiesparmaßnahme soll die Umrüstung der noch nicht auf LED umgestellten Straßenlampen sein. Die Erweiterung der Nachtabschaltung würde einmalig 980 Euro kosten. Jährlich könnten so weitere 20 000 Kilowattstunden und geschätzte 6600 Euro eingespart werden. Auf LED umzustellen sind noch etwa 860 Lampen, hier sind Kosten von rund 86 000 Euro veranschlagt, die Kostenersparnis läge bei rund 18 000 Euro pro Jahr. Einem Antrag der CDU, die Lampen bis 5.30 Uhr, also eine weitere halbe Stunde, abzuschalten, mochte die Mehrheit des HFA nicht folgen. Manfred Hein (FW) hatte eingewandt, dass es Menschen gebe, die schon sehr früh den Bus nähmen, um rechtzeitig zu ihrer Arbeitsstelle etwa in Frankfurt zu sein. Das müsse man berücksichtigen. Auch die SPD sah das so. Die Abschaltung bis 5 Uhr morgens sei in der Bevölkerung akzeptiert, pflichtete Gefeller bei. Eine halbe Stunde mehr bringe nicht genügend Einsparung, um eine längere Abschaltung zu rechtfertigen. Zuvor hatte Sabine Frank, Koordination des Sternenparks im Biosphärenreservat Rhön, eindringlich über einen weiteren Aspekt nächtlicher Beleuchtung referiert. Durch immer mehr nächtliche Beleuchtung steige auch der Grad der Lichtverschmutzung. Das wiederum wirke sich negativ auf die Umwelt aus. Als Beispiel nannte sie nachtaktive Tiere, die in ihrem Lebensrhythmus gestört werden. Auch Pflanzen hätten - genau wie Menschen - eine innere Uhr. Angeleuchtete Bäume hätten beispielsweise Schwierigkeiten im Herbst ihr Laub abzuwerfen, nicht nur das, auch seien Bäume Lebensräume für diverse Tierarten.

»Der Wechsel von hell und dunkel ist der wichtigste Rhythmus in jedem Leben«, so Frank. Künstliches Licht gehöre mit zu den schädlichsten Umwelteinflüssen. Der Sternenhimmel verblasse sozusagen. Nachtaktive Tiere seien es aber gewohnt, sich im Schein des Mondes und der Sterne zu bewegen. Tagaktive Tiere würden in ihrer natürlichen Ruhephase, der Nacht, gestört. »Daher muss man über Lichtverschmutzung reden.« Eine Lichtrichtlinie für Kommunen könne hier einen wichtigen Beitrag leisten. »So viel wie nötig, so wenig wie möglich«, lautete ihr Tipp.

Mobiles Arbeiten

Energie sparen ist auch bei den städtischen Liegenschaften geplant. Für die Mitarbeiter der Verwaltung soll daher das mobile Arbeitern gefördert werden. Gerade freitags, wenn das Rathaus ohnehin geschlossen ist, sollen die Beschäftigen mobil arbeiten. Die Öffnungszeiten des Bürgerbüros, montags bis donnerstags, blieben hiervon unberührt. Für die Fachbereiche, die nicht wie das Bürgerbüro im Erdgeschoss untergebracht sind, ist angedacht, dass die Mitarbeiter auch montags mobil arbeiten können.

Weiterhin soll die Raumtemperatur zu normalen Bürozeiten im Rathaus auf 19 Grad geregelt werden. Der Personalrat, informierte Gefeller, habe dem zugestimmt. Dem Einwand von Wilfried Schmied, dies befeuere Gerüchte, das in Verwaltungen ohnehin nichts gearbeitet werde, hielt der Bürgermeister energisch entgegen. »Alle Mitarbeiter arbeiten intensiv und effektiv«, stellte er sich vor sein Team. Zudem habe Schmied - er plädierte für eine Öffnung des Bürgerbüros an allen fünf Wochentagen - wohl nicht aufgepasst. Das Rathaus sei schon seit drei Jahren freitags geschlossen. Im Übrigen rede man hier über mehrere Tausend Euro, die diese Maßnahmen an Energieeinsparung brächten.

Bei den städtischen Liegenschaften ist angedacht, die Innentemperatur um zwei Grad zu senken, also auf etwa 19 bis 20 Grad. In den Kitas sollen 21 Grad herrschen, die Sporthallen werden auf 15 Grad heruntergefahren. Geprüft werden soll auf Anregung von Ralph Wilder (GAL), ob man hier bei den Duschen nur das Warmwasser abstellen kann, statt sie ganz abzuschalten. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sollen zunächst von Oktober bis März kommenden Jahres gelten. Der HFA stimmte dem einhellig zu.

Die »richtige Antwort auf Diktatoren und Despoten, die Gas als Waffe zur Erpressung nutzen« sei die geplante Holzvergasungsanlage, die auf dem Gelände des Bauhofs errichtet werden soll. Hier ging es zunächst um die Grundsatzentscheidung, zu diesem Zweck eine Teilfläche des Bauhofs an die Stadtwerke Gießen (SWG) zu verpachten.

Das zentrale Fernwärmenetz soll die Infrastruktur in der Vitalen Mitte, also Rathaus, Stadthalle, Ärztehaus, Einkaufsmärkte sowie die neue Grundschule versorgen. Diese »Insellösung« schließt laut Gefeller auch einen Teilbereich von Staufenberg-Süd ein. Der Grundsatzbeschluss fand einhellige Zustimmung. In der Stadtverordnetenversammlung am 27. September wird Matthias Funk (Vorstand der SWG) die Holzvergasungsanlage vorstellen.

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