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Gestatten, Gerhard Amend

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Von: Debra Wisker

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Vom heimischen Balkon hat der Bürgermeisterkandidat Gerhard Amend sein Heimatdorf im Blick. Foto: Wisker © Wisker

Gerhard Amend íst in Treis aufgewachsen, direkt an der Hauptstraße, lebt heute wieder in seinem Elternhaus. Der 62-Jährige will Bürgermeister in Staufenberg werden und tritt als Unabhängiger an.

Staufenberg . Der Blick reicht über die Dächer von der Dorfmitte bis weit hinaus in Wald und Feld. Hier oben, vom Balkon aus, ist von der vielbefahrenen Durchgangsstraße wenig zu hören. Gerhard Amend íst in Treis aufgewachsen, direkt an der Hauptstraße, lebt heute wieder in seinem Elternhaus.

Der 62-Jährige will Bürgermeister in Staufenberg werden und tritt als Unabhängiger an. Auch wenn er seit drei Jahren Mitglied der CDU ist, sagt er: »Ich bin kein ›Parteisoldat‹«. Er habe sich ganz bewusst für eine Bewerbung als Unabhängiger entschieden, weil es ihm um die Bürger, die Menschen gehe. »Nach allen Seiten offen«, beschreibt er seine Motivation. Und noch etwas verrät er: »In jungen Jahren war ich ein Sozi, habe mich mit Helmut Schmidt verbunden gefühlt«. Später sei es Helmut Kohl gewesen, dessen Auftreten und Ausstrahlung ihn beeindruckt habe. Aber auch sein kommunalpolitisch aktiver Vater habe ihn geprägt. Trotz seiner eigenen Parteizugehörigkeit spricht er von einer Parteiverdrossenheit der Bürger. »Immer kurz vor den Wahlen entdecken die Parteien den Bürger.« Das ist nicht das, was er sich unter bürgernaher Politik vorstellt. Oft finde man keine direkte Anlaufstelle, das, was den »kleinen Bürger betrifft, bleibt auf der Strecke«. Dass die Staufenberger CDU mit Thomas Heidlas einen Bürgermeisterkandidaten aufgestellt hat, sieht er trotz seiner Zugehörigkeit zu den Christdemokraten nicht als Konfliktpotenzial und verweist erneut auf seine Kandidatur als Unabhängiger.

Zur Zeit ist er Beisitzer im CDU-Stadtverband Gießen und stellvertretender Vorsitzender des CDU-Ortsverbands Gießen West. Hier hat er an der Basis gearbeitet. »Wir hatten einen Stand und haben die Leute einfach gefragt, wo der Schuh drückt. Wenn man das weiß, kann man diese Dinge auch in die Politik einbringen.« So will er auch seinen Wahlkampf gestalten. Von Tür zu Tür gehen, mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommen. Das Auto ist schon als Werbefläche genutzt, auch einen Flyer gibt es.

Doch noch einmal zurück: Amend hat die Grundschule in Treis besucht, wechselte dann zur Mittelpunktschule in Allendorf, bevor er zur Liebigschule in Gießen ging. Hier absolvierte er zunächst die Mittlere Reife und macht dann 1980 sein Abitur. Seine Eltern hatten ein Lebensmittelgeschäft, gleich gegenüber lag Opas Gaststätte »Zum Felseneck«, ein weiterer Familienbetrieb.

Doch Amend findet sein berufliches Zuhause bei der Deutschen Bundespost, fängt bei der Briefzustellung an. Er arbeitet sich hoch, macht 1984 seinen Diplom-Verwaltungsfachwirt und geht nach Stuttgart. Er arbeitet in verschiedenen Positionen in leitender Funktion. »Personalstelle, EDV-Programmierung, Beihilferecht, die Leitung einer Dienststelle mit rund 300 Mitarbeitern - das war ein ziemlich breites Spektrum«, blickt er zurück.

2014 zieht es den geschiedenen Vater zweier mittlerweile erwachsenen Söhne wieder zurück nach Treis. Die Jungen leben bei ihm. Gerhard Amend ist seit einigen Jahren Pensionär und hat Zeit, seinem Hobby zu frönen. »Modelleisenbahn. Ich habe im Garten eine richtige Bahn aufgebaut«, schmunzelt er. Als Schiedsrichter auf dem Fußballfeld fühlt er sich ebenfalls wohl. Der 62-Jährige engagiert sich unter anderem im Vorstand des Vereins »Gemeinsam statt einsam ean Träs«. Jeden Dienstag laden die Vereinsmitglieder ältere Mitbürger zum Frühstück in den Gemeindesaal der evangelischen Kirche ein. Auch dieses Engagement habe ihm gezeigt, dass man nur etwas ändern, etwas bewegen könne, wenn man sich einbringe. Das habe ihn auch zur Politik gebracht.

Die Überlegung, für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren, trägt er schon lange in sich. »Als meine Mutter noch lebte, hat sie mir immer abgeraten.« Doch der Entschluss ist gereift, jetzt hat er ihn umgesetzt.

»Das Anliegen der Bürger steht für mich im Vordergrund. Schließlich heißt es ja ›Bürgermeister‹ und nicht ›Parteimeister‹.« Um wirklich etwas umsetzen zu können, müsse man erst einmal schauen, was geht, wie die Finanzen aussehen. Apropos Finanzen: Sollte er Bürgermeister werden, will Amend von seinen Bezügen monatlich 1000 Euro zur Verfügung stellen. Die Stadtverordnetenversammlung solle diesen Betrag für soziale Zwecke verwenden. »Das könnte zum Beispiel an Vereine, aber auch an bedürftige Menschen gehen.«

Die Friedhöfe sieht er auch als Aufenthaltsorte, die zum Verweilen einladen sollten. Die Zufahrt zum Aktivpark in Mainzlar bringe den Anliegern ein erhöhtes Verkehrsaufkommen. Auch das müsse man prüfen. Auch stelle sich die Frage, wie das Problem »Elterntaxis« bei der neuen Grundschule bewältigt werden soll. Die Fahrradstraße, die der Landkreis Gießen, auf der K 29 zwischen Daubringen und Lollar als Versuchsprojekt eingerichtet hat, findet bei ihm keine Zustimmung. »Ich denke, das hat sich nicht bewährt.«

Was mit der alten Genossenschaftshalle in Treis geschehen solle, wenn der derzeitige Mieter ausziehe, sei auch nicht klar. Hier gebe es noch kein Konzept. Etwas, das man ebenfalls angehen solle. Ende vergangenen Jahres hat die Stadt Staufenberg die Gaststätte »Zum Bahnhof« angekauft. »Hier ist das letzte Wort wohl auch noch nicht gesprochen.« Eine weitere Nutzung der Immobilie sei zu prüfen. »Ein Umbau wird viel Geld kosten, da sollte man nicht voreilig handeln.«

Sanierung oder Neubau - über die Zukunft der Treiser Sport- und Kulturhalle ist viel diskutiert worden. Gerhard Amend stimmt hier mit der Arbeitsgruppe überein, die zu dem Ergebnis kam, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt - angesichts steigender Baupreise, Energiekrise und Ukraine-Krieg - keine Entscheidung getroffen werden könne, ein Neubau aber zu präferieren sei. »Hier muss man abwarten, wie sich die Lage entwickelt und vorsichtig agieren«, meint der Kandidat.

Interkom, das gemeinsame Gewerbegebiet der Gemeinde Ebsdorfergrund und den Städten Marburg und Staufenberg, sieht er auch als Thema, das man ansprechen müsse. »Da muss man sehen, was der neue Bürgermeister der Gemeinde Ebsdorfergrund, Hanno Kern, vorhat. Da sind ja noch Fragen offen.« Was ihm nicht gefällt, ist, dass es in der Vitalen Mitte keinen Fußweg gibt, der vom tegut-Markt zu Rewe führt. »Nur Straße und Parkplätze - für Fußgänger alles andere als ideal«, so seine Einschätzung.

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