1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Staufenberg

Gewerbegebiet halbiert

Erstellt:

gikrei_0707_dge_Gewerbeg_4c
Hier, linkerhand der Didierstraße, soll voraussichtlich ein neues Gewerbegebiet entstehen.In grün ist auf dem kleinen Foto die ursprüngliche Planung dargestellt, in braun ist die nun um rund die Hälfte reduzierte Fläche zu sehen. Fotos: Wisker © Wisker

Da verschiedene Behörden Bedenken gegen das Gewerbegebiet Didierstraße eingelegt hatten, wurde die Planung nun geändert.

Staufenberg (dge). Rund zwei Hektar groß sollte das Gewerbegebiet an der Didierstraße werden. Diese Planung ist nun um etwa die Hälfte reduziert worden. Aus 2,1 Hektar wurden 1,2 Hektar. Warum das so ist, erläuterte Matthias Wolf (Planungsbüro Fischer) im Haupt- und Finanzausschuss.

Wird die Aufstellung eines Bebauungsplans beschlossen, müssen die Träger öffentlicher Belange angehört werden. Und das war hier der Knackpunkt. Erhebliche Bedenken wurden seitens so mancher Behörde angemeldet und auch ein Bürger hatte seine Zweifel an dem Vorhaben geäußert.

Auf der anderen Seite liegen der Verwaltung Anfragen heimischer Gewerbetreibender vor, die händeringend mehr Platz brauchen. Ziehen die Betriebe in andere Kommunen um, wirkt sich das negativ auf die Gewerbesteuereinnahmen der Stadt Staufenberg aus. Ein Spagat, den wohl nicht nur das Burgstädtchen kennt. Einerseits will man weniger Flächen verbrauchen, andererseits will man Gewerbe vor Ort halten beziehungsweise ansiedeln.

Naturschutz

Doch was waren die Bedenken, die gegen das geplante Gebiet zwischen einem bereits bestehenden Getränkemarkt und dem RHI-Gelände entstehen soll? Hessen Mobil etwa erinnerte an den Knotenpunkt L 3146, sprich die Anbindung an die Landstraße. Doch in erster Linie waren es Aspekte des Naturschutzes, die zu Felde geführt wurden.

So äußerte die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Gießen erhebliche Bedenken. Matthias Wolf nannte hier die Stichworte Überschwemmungsgebiet, angrenzendes Landschaftsschutzgebiet und Grünland. Auch kam der Verweis auf die Schmetterlingsart »Maculinea«, den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling, der sich im ursprünglichen Plangebiet findet.

Die Abteilung Wasser- und Bodenschutz des Landkreises schlug in eine ganz ähnliche Kerbe. Das Plangebiet liegt demnach in einem hydrologisch ungünstigen Gebiet, könne es hier doch bei Hochwasser zu Überschwemmungen kommen. Der Fachdienst Verkehr will nur dann Zustimmung geben, wenn eine Schleppkurve für Lkw nachgewiesen wird. Zu den bereits genannten Aspekten des Naturschutzes fügte der Nabu-Kreisverband noch den Flächenverbrauch an. Das Regierungspräsidium Gießen mahnte eine schalltechnische Untersuchung an und befürchtete einen Eingriff in das Landschaftsbild und in den Bodenschutz. Auch kam die angrenzende Wohnbebauung zur Sprache. Der Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke wies auf die dort verlaufende Fernwasserleitung hin. Die Liste der geäußerten Bedenken ließe sich fortsetzen.

Harte Nuss

Eine wahrlich harte Nuss, die Wolf zu knacken hatte. Sein Vorschlag lautete daher: Reduzierung der geplanten Fläche, den Bahnübergang in der Planung berücksichtigen, da gegebenenfalls die Lumdatalbahn reaktiviert wird und RHI die Trasse wieder für den Güterverkehr nutzen will. Eine schalltechnische Untersuchung wird benötigt und der Knotenpunkt zur Landstraße zwischen Mainzlar und Treis ist zu überprüfen. In der Konsequenz wurde der gesamte westliche Teil - von der Didierstraße aus Mainzlar her kommend bis zum Getränkemarkt - aus der Planung herausgenommen. Bernd Dugall, Fraktionsvorsitzender der CDU, fragte, welcher Sinn ein so reduziertes Gewerbegebiet noch mache.

Wolf wies darauf hin, dass diese Planung relativ kurzfristig umgesetzt werden könne, gerade vor dem Hintergrund der Anfragen von ortsansässigen Gewerbetreibenden. Den Faktor Zeit sprach auch Bürgermeister Peter Gefeller (SPD) an. Auch gab er zu bedenken, dass alternative Flächen einer wesentlichen längeren Planungsphase bedürften und man solle als Kommune versuchen, bestehende Gewerbetriebe auch vor Ort zu halten.

Für den HFA stellte sich nun die Frage, ob man der Stadtverordnetenversammlung empfehlen soll, die Planung - in nun reduzierter Form - weiter zu verfolgen. Fünf Ja-Stimmen, drei Nein und eine Enthaltung lautete das Abstimmungsergebnis. Das letzte Wort spricht die Stadtverordnetenversammlung am kommenden Dienstag.

gikrei_0707_dge_Gewerbeg_4c_3
gikrei_0707_dge_Gewerbeg_4c_3 © Debra Wisker

Auch interessant