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Grauen Star gibt’s auch bei Tieren

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Nina Müller und die tiermedizinische Fachangestellte Amelie Schreyer untersuchen die Augen dieses Mischlings gründlich. © Zielinski

Eine einzigartige Praxis in Mittelhessen behandelt nicht nur die Augen von Verbeinern.

Staufenberg . Ähnlich wie beim Menschen ist das Auge für ein Tier eines der wichtigsten Sinnesorgane. Die neuesten Erkenntnisse und Techniken, die in der Human-Augenheilkunde zum Einsatz kommen, können auch Tieren in vielen Fällen helfen und oftmals sogar das Augenlicht retten. Das Team des Tieraugenzentrums in Staufenberg hat sich auf Ophthalmologie bei Klein- und Heimtieren spezialisiert.

Die Idee hierzu hatten Dr. Nina Müller und Dr. Birgit Koerschgen, die sich nach ihrem Tiermedizinstudium an der uni Gießen in der dortigen Augenabteilung kennenlernten. Nachdem sie dort drei Jahre lang gearbeitet und durch Praktika im In- und Ausland reichlich Erfahrung gesammelt hatten, wagten sie den Schritt in die Selbstständigkeit.

Im November 2001 eröffneten die Tiermedizinerinnen ihre erste Praxis in Rechtenbach. Bereits ein halbes Jahr später erfolgte ein Umzug nach Pohl-heim. Seit Dezember befindet sich die Praxis, zu der 2019 Lea Bott als dritte Inhaberin stieß, Am Boden in Staufenberg. »Wir haben zwei Jahre nach entsprechenden Räumlichkeiten in der Region Ausschau gehalten«, erzählt Nina Müller.

50 Vierbeiner pro Tag in Behandlung

Da die nächste Tieraugenklinik in der Nähe von Frankfurt liegt, kommen die Patienten und ihre Besitzer aus einem Umkreis von etwa 120 Kilometern. Bis zu 50 Vierbeiner behandeln die Tierärztinnen, die von drei weiteren angestell-ten Tierärztinnen, Dr. Emma Hübers, auch Fachtierärztin für klinische Labora-toriums-Diagnostik, Dr. Nina Gehring und Maylin Lerch sowie von sieben tiermedizinischen Fachangestellten und einer Studentin der Veterinärmedizin unterstützt werden, pro Tag. Hierfür stehen unter anderem vier Behandlungszimmer auf einer Fläche von insgesamt 270 Quadratmetern zur Verfügung.

Hunde und Katzen haben voneinander getrennte Wartezimmer. »Kaninchen, Hamster und andere Kleintiere, die in der Regel auch im Käfig hergebracht werden, warten mit den Katzen in einem Raum«, erklärt die Ärztin. Eine Überweisung vom Tierarzt läge zwar häufig vor, sei aber nicht erforderlich. Auf eine Zusammenarbeit mit dem Haustierarzt wird im Augenzentrum großen Wert gelegt. »Vor allem bei systemischen Erkrankungen ist eine Kooperation sehr wichtig«, betont Nina Müller.

Neben Infektionserkrankungen und systemischen Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck, der vor allem bei Katzen ab dem achten Lebensjahr vorkommen kann, sind Hornhautverletzungen, zum Beispiel durch Dornen oder Krallen, eine häufige Ursache für einen Besuch im Tieraugenzentrum.

Auch Glaukome, grauer Star oder Tumo-re können bei Tieraugen vorkommen und müssen behandelt werden. Während nach Auskunft der Veterinärmedizinerin Entzündungen mit Augentropfen versorgt werden können, ist beispielsweise beim Grauen Star eine Operation erforderlich.

»Wir arbeiten mit Inhalations-Narkose«, erklärt Dr. Müller. »Das Tier liegt auf einer Wärmematte und wird während der OP mit einem Monitor überwacht.«

Darüber hinaus verfügt das Tieraugenzentrum über modernste Gerätschaften wie eine Handspaltlampe, welche die Augen 16-fach vergrößert, ein TonoVet, ein tragbares Gerät zur Messung des Augeninnendrucks, sowie ein indirektes Ophthalmoskop zur Untersuchung der Netzhaut. Ein Laser kommt beispielsweise bei kleineren Eingriffen wie Lidtumoren oder Glaukom zum Einsatz.

Die meisten der tierischen Patienten sind Hunde oder Katzen, es gibt aber auch Ausnahmen wie Wildtiere, Vögel oder Reptilien. Nina Müller erinnert sich an ein Meerschweinchen, bei dem in einer Tierklinik ein CT gemacht wurde. »Für die meisten Menschen sind Tiere mittlerweile Familienmitglieder, denen man die bestmögliche Versorgung zukommen lassen möchte«, weiß sie. Im Gegensatz zu Großbritannien, wo beinahe jedes Tier eine Krankenversicherung hat, sei dies in Deutschland nicht immer der Fall. Und: Nicht jede Krankenversicherung für Tiere würde auch alle Behandlungen übernehmen.

Kurznasen sind anfällig

Die Tierärztin rät allen Tierbesitzern, ihren Liebling gut zu beobachten, regelmäßig in Augen, Ohren und Maul zu schauen. Vor allem sogenannte »Kurznasen« wie Mops, Bulldogge oder Shar Pei, aber auch Huskys seien anfällig für Augenerkrankungen. »Bei einigen Hunderassen ist eine Zuchtvorsorge auf erbliche Augenerkrankungen nach DOK Pflicht.« (DOK = Dortmunder Kreis, Gesellschaft für Diagnostik genetisch bedingter Augenerkrankungen). Hierunter fielen Collies, Golden Retriever, Australian Shepherds oder auch andere Rassen.

Vor jeder OP erfolgt ein ausführliches Aufklärungsgespräch im Tieraugenzentrum. So auch bei dem jungen Appenzeller Sennenhund, der am Tag des Gesprächs geduldig mit seinem Herrchen auf die OP wartet.

Insgesamt sind etwa vier Stunden für die Vor- und Nachbereitung inklusive Kataraktoperation eingeplant, bei der die durch den Grauen Star getrübte Augenlinse ersetzt werden soll.

Die Tiere stehen nach der OP so lange unter Überwachung bis sie auf ihren eigenen vier Pfoten wieder aus der Praxi laufen können.

Termine im Tieraugenzentrum erfolgen nach Vereinbarung. Für Notfälle haben die Tierärztinnen aber Zeit eingeplant. Weitere Informationen unter www.tieraugendoktor.de.

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