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»Ich fühle, also weiß ich«

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Micha Messermann nahm sich in seiner Multimedia- Präsentation gewichtiger Themen an. © Zylla

Kabarettist Micha Messermann erklärt die Welt der »Fake News« und Verschwörungstheorien.

Staufenberg (zye). Wem Micha Messermann sein Bühnenprogramm präsentiert, das ist ihm gar nicht so wichtig, sagt er: Egal ob auf »hippen Kulturbühnen«, wie am Samstagabend im Kultur-Café in Daubringen, »vor DAX-Vorständen, Theaterliebhabern oder Betrunkenen«, auf einer Beerdigung oder vor fünf bis 5000 Zuschauern. Beim »Action-Kabarett« des energiegeladenen Weltenbummlers ist für jeden etwas dabei.

Showerfahrung als Straßenkünstler sammelte Messermann bereits auf seinen Reisen durch Malaysia, Türkei, Israel und Indien. Seit 20 Jahren ist er nun mit verschiedenen Bühnenprogrammen unterwegs. Auf der kleinen Wohnzimmerbühne im Kultur Café ging es bei ihm um »Wahrheit und andere Emotionen«. Denn das mit der Wahrheit sei im Zeitalter von »Fake News« und »Lügenpresse« so eine Sache.

Bauchgefühl

So machte Stimmungskanone Messermann auf eines der großen Probleme in unserer Gesellschaft aufmerksam, nämlich das aktuell weit verbreitete Prinzip »ich fühle, also weiß ich«. Menschen misstrauten der Wissenschaft und verließen sich stattdessen auf ihr Bauchgefühl, wenn es um die Bewertung der bewegenden Themen unserer Zeit gehe. Sei es bei der Corona-Pandemie, dem Klimawandel oder dem Krieg in der Ukraine. Hier würde in gewissen Blasen im Internet eine alternative Faktenlage geschaffen, bei der zu komplexen Themen, einfache Erklärungen gesucht und diverse Verschwörungstheorien aus der Taufe gehoben würden. Etwa, dass die Erde eine Scheibe sei. So twitterte die »Flat Earth Society«: »Die Flat Earth Society hat Mitglieder auf dem gesamten Globus«. Dass ein Globus rund ist, braucht wohl kaum erwähnt zu werden.

Auch die vermeintliche »Corona-Diktatur« - angeblich ja Teil des bösen Masterplans von Milliardär Bill Gates - oder die Parallelgesellschaft der sogenannten »Reichsbürger« boten für den Kabarettisten echte Steilvorlagen. »Wacht auf, Ihr Schlafschafe!«, fordert er in seiner Rolle des besorgten Bürgers. Denn der weiß es ja bekanntlich besser als alle anderen. Schließlich hat er da mal ein Video im Internet gesehen. »Wir sind Personal der BRD GmbH. Was glaubt ihr denn warum es ›Personalausweis‹ und nicht ›Bürgerausweis‹ heißt?« Der Entertainer Messermann machte deutlich: Mit Satire lässt sich der Wahnsinn des Internets einfach besser ertragen. Unterstützt hat er seine Bühnen-Performance mit einer passenden Multimedia-Präsentation mit Fotos und Pressebeiträgen, die um die Welt gingen.

Bei seinem Programm waren auch immer wieder die Gäste gefordert - oder genauer: Ihr Summ-Talent. »Wer von Euch hat seit Beginn der Pandemie zugenommen?«, konnten sie etwa mit einem Summen beantworten. Das ernüchternde Ergebnis: Eine Mehrheit im Kultur-Café Wohnzimmer hat ein paar Pfunde in der Pandemie zugelegt. Zwar ist ein Micha Messermann auf der Bühne schon Action genug, zum wahrhaftigen »Action-Kabarett« wurde es dann jedoch, als er etwa auf der Bühne Glas-Flaschen zertrümmerte und mit den Bruchstücken jonglierte und dabei munter weiter mit seinen Gästen kommunizierte. Multitasking par excellance, bei dem am Ende kein Auge trocken und das gute Gefühl blieb, dass die Corona-Lage endlich wieder mehr Kulturprogramm zulässt.

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