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»Im Bereich des Wahrscheinlichen«

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Die ehemalige Genossenschaftshalle könnte durch einen Ersatzneubau zum Dorfladen werden. © Wisker

Der geplante Dorfladen für Treis weckt großes Interesse. Hier könnten Menschen mit Behinderung arbeiten und wohnen..

Staufenberg (dge). »Wir stehen in den Startlöchern« - es ist genau zehn Jahre her, dass Susanne und Sven Harbach die Idee eines Dorfladens für Treis umsetzen wollten. Der Plan scheiterte schließlich aber an einer beruflichen Umorientierung von Sven Harbach. Damit wäre dem Ehepaar nicht genügend Zeit für das gemeinsame Betreiben eines eigenen Geschäfts geblieben beziehungsweise hätte Susanne Harbach alles alleine schultern müssen. Und so musste das Dörfchen weiterhin ohne Lädchen auskommen.

Jetzt scheint sich möglicherweise wieder etwas Licht am Ende des Tunnels zu zeigen. Im November hatte Claus Waldschmidt, Fraktionsvorsitzender der SPD, die Idee eines Dorfladens mit integriertem Café bereits in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses im November vergangenen Jahres zur Sprache gebracht.

Wie Waldschmidt nun auf Nachfrage des Gießener Anzeigers erklärte, gebe es nicht nur von seiten der Firma »tegut« als Mieter, sondern auch seitens möglicher Investoren großes Interesse. Ein Dorfladen für Treis sei »im Bereich des Wahrscheinlichen. Es ist noch nichts in trockenen Tüchern, aber es sieht eigentlich ganz gut aus.« Die Frage des Investors sei noch zu klären. Soviel verriet Waldschmidt zum aktuellen Sachstand. Er hoffe, »dass wir in den nächsten vier Wochen ein bisschen mehr ›Butter bei die Fische‹ geben können.«

Das Ziel

Doch es geht Waldschmidt und seinen Mitstreitern nicht nur um den Laden an sich, sondern auch darum, hier »Arbeiten und Wohnen« für Menschen mit Behinderung zu schaffen. »Das ist unser Ziel. Aber dazu müssen wir noch ein paar Gespräche führen.« Da derzeit wegen Corona alles auf Sparflamme laufe, müssen sich die Initiatoren ein wenig in Geduld üben. Hatte das Ehepaar Harbach noch das ehemalige Volksbank-Gebäude - das zwischenzeitlich in Privatbesitz ist - im Blick, so soll nun die einstige Genossenschaftshalle bei der Wahl des Standorts eine Rolle spielen. Der Vorteil dieses Standortes wäre eine zentrale Lage mitten im Dorf und Parkmöglichkeiten in der Nähe.

Angestoßen wurde das Projekt »Dorfladen« von der SPD Staufenberg, die es nun gemeinsam mit den Koalitionspartnern GAL und FDP auf den Weg bringen will.

Kurz zum Hintergrund: Im Staufenberger Stadtteil Treis bricht die Infrastruktur immer mehr weg. Geschäfte, in denen man Dinge des täglichen Bedarfs kaufen kann, gibt es schon lange nicht mehr. Der Ruf nach einem Dorfladen ist im Prinzip nichts Neues. Doch, so hatte Waldschmidt im November erklärt, man habe sich überlegt, wie es trotzdem möglich wäre, wieder einen Laden nach Treis zu bringen. »Wir haben uns mit potenziellen Betreibern zusammen gesetzt und: Es scheint eine Chance zu geben«, hieß es im November. Eine Nachricht, die in Treis sicherlich hoffen lässt.

Der Gedanke dahinter: Ein Dorfladen mit Café, die beide Menschen mit Behinderungen einen Arbeitsplatz bieten. Eine Marktanalyse hatte offensichtlich ergeben, das in Treis durchaus Bedarf bestehe, lautete Waldschmidts kurzer Zwischenbericht. Für die Mitarbeiter sollen Wohnungen geschaffen werden, so dass das Prinzip »Wohnen und Arbeiten« in die Tat umgesetzt werden kann. Aktuell gebe es hier seitens möglicher Partner noch keine definitiven Zusagen, aber durchaus ernst zu nehmende Interessenbekundungen, so Waldschmidt zur aktuellen Lage. Man habe sich auch erst »aus der Deckung gewagt«, nachdem erste Gespräche gezeigt hätten, dass ein solcher Dorfladen tatsächlich eine Chance haben könnte.

»Gute Gespräche«

Das sieht auch Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller (SPD) so. Sowohl mit der Lebenshilfe Marburg als auch der Lebenshilfe Gießen habe man »sehr gute Gespräche« geführt. Die Marburger Einrichtung nannte er als möglichen Betreiber des Ladens, während die Gießener Lebenshilfe die Belegung der Wohnungen in die Hand nähme - so der vorläufige Plan. Bislang habe es nur Einzelgespräche gegeben, nun wolle man versuchen, in naher Zukunft mit allen gemeinsam das Projekt zu erörtern.

Den Standort alte Genossenschaftshalle sah Gefeller insofern als geeignet an, als er das »Ensemble« rund um den Festplatz abrunde. Gefeller betonte, dass hier ein Ersatzbau für die Genossenschaftshalle entstehe, also kein zusätzliches Gebäude errichtet werden solle. »Wir hoffen, die Planung für einen Dorfladen in diesem Jahr abschließen zu können«, so Gefeller. Dies auch mit Blick darauf, dass man rechtzeitig Fördermittel beantragen wolle. »Es ist Zeit, dass etwas passiert in Treis«, kommentierte der Bürgermeister die wegbrechende Infrastruktur. »Mit dem Laden selbst würde ich gerne 2023 starten.«

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