1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Staufenberg

Immer am Ball geblieben

Erstellt:

gikrei_2207_dge_SV_Daubr_4c_1
In der Chronik von Erich Handloser findet sich auch das Bild von den ersten Aktiven des Sportclubs Daubringen. Repro: Heller © Volkker Heller

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Beim SV Daubringen feierte man das 100-jährige Bestehen nach.

Staufenberg (voh). Ein großes Jubiläum hätte der Sportverein 1921 Daubringen voriges Jahr gerne gefeiert. Wegen der Pandemie musste man die Feier zum 100-jährigen Vereinsbestehen aber verschieben. Nun war es endlich so weit, man feierte eben 101 Vereinsjahre. Das Programm auf dem Sportplatzgelände bot so einiges auf. Kinderschminken und Kinderolympiade sowie Zutaten für das gemütliche Beisammensein waren angesagt.

Pfarrer Traugott Stein feierte anfangs einen Freiluftgottesdienst. Der Daubringer Posaunenchor musizierte. Nach dem Mittagessen trafen Stadtrat Martin Theimer vom Staufenberger Magistrat und der Vizepräsident des Landessportbundes Hessen, Ralf-Rainer Klatt, ein. Bürgermeister Gefeller fehlte krankheitsbedingt. Im Auftrag des hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein übergab Theimer die Silberne Ehrenplakette des Landes Hessen. Ralf-Rainer Klatt überbrachte Glückwünsche des Landessportbundes.

Das zugehörige Präsent hatte SV-Vorsitzender Marco Schwarz schon im Jubiläumsjahr 2021 einkassiert. Damals hatte der Sportkreis Gießen alle Vereine, die normalerweise das 100-jährige Bestehen in diesem Jahr gefeiert hätten, eingeladen und die Ehrengaben des Landessportbundes weiter gereicht. Für den SV Daubringen brachte Schwarz eine Ehrenurkunde und einen Gutschein über 500 Euro mit.

Henry Mohr, Kreisfußballwart Gießen des Hessischen Fußball-Verbandes, drückte sein Bedauern aus über die aktuell nicht gerade zufriedenstellende Beschaffenheit des Daubringer Spielfeldes und erinnerte sich an glanzvollere Zeiten. Mohr brachte die Ehrenplakette des Deutschen Fußball-Bundes mit und einen 500-Euro-Scheck zur freien Verwendung. Überdies hatte er auch die Ehrenplakette des Hessischen Fußball-Verbandes dabei und einen Gutschein (500 Euro) für Trainerausbildung im Gepäck.

Die Garde Mini-Midis vom TV Mainzlar und das Kinderturnen des SV erfreuten mit ihren Beiträgen. Schließlich ehrte Vorsitzender Schwarz langjährige Vereinsmitglieder: Ferdi Oberhauer (70 Jahre), Hermann Misof und Jens Geißler (50 Jahre), Friedel Diehl und Doris Riedl (40 Jahre). Es fehlten: Gerald Weimer und Sieglinde Krüger (50 Jahre), Friederike Knöss, Jutta Misof, Mike Misof und Michaela Schneeweis (25 Jahre).

Geschichte

Zum Jubiläum werfen wir auch einen Blick in die Vereinsgeschichte, hier ist Erich Handloser sozusagen am Ball geblieben. Er hat auf Anregung von Rolf Jöckel und Edeltraud Diehl die erste Ausgabe überhaupt einer Vereinschronik verfasst. Sie heißt »100 Jahre SV 1921 Daubringen. Fußball und mehr«.

Handloser, von 1956 bis in die 1990er-Jahre im SV aktiv, lebt heute in Beuern, fühlt sich seinem Verein aber nach wie vor verbunden. Anfang der 1920er-Jahre sei Fußball in Deutschland der neue Volkssport geworden. Daubringen rollte auf dieser Welle, doch die Gründung von Vereinssport gestaltete sich ein wenig kompliziert.

Vorerst gab es nämlich nur zwei konkurrierende Gesangvereine: »Sängerlust und Harmonie«. Außerdem gab es noch zwei Turnvereine. Nun schlossen sich Jugendliche beider Gesangvereine für das Fußballspiel zusammen. Man fragte bei den Turnvereinen nach, ob die Interesse hätten, eine Fußball-Abteilung aufzumachen. Beide lehnten das ab. So gründeten am 15. April 1921 rund 20 Fußballbegeisterte in der Gaststätte »Zum blauen Hecht« den »Sport Club Daubringen«.

Zu den Gründern zählten A. Otto Weiß, Wilhelm Jahres, Emil Walther und Heinrich Mohr. Walther wurde Vorsitzender. Zunächst spielte die Mannschaft ohne Verbandszugehörigkeit. Erst 1923, mittlerweile war Weiß Vorsitzender, trat der SV in den Westdeutschen Spielverband ein. 1926 gab es den nächsten Zoff. Der hatte die Gründung eines weiteren Sportvereins, dem »Vorwärts Daubringen« zur Folge. Spätestens an dieser frühen Stelle von Handlosers Buch fällt auf: In Daubringen hat es früher wohl ein doppeltes Vereinslottchen gegeben.

Verboten

Mit ihrer Machtübernahme verboten die Nazis alle Turn- und Sportvereine. Während des Zweiten Weltkriegs ruhte der Amateursport. Ab 1945 änderte sich der Gründungsname in Sportverein 1921 Daubringen. Man spielte nun in der A-Klasse Gießen und verlor das erste Match mit 0:6 gegen Heuchelheim. Beim ersten Heimspiel besiegte Daubringen Lollar mit 5:3 Toren. Auf der ersten Abschlusstabelle mit dem Akteur SV Daubringen stand dieser auf dem vierten Platz. 1946/47 kam eine Jugendmannschaft hinzu, 1947/48 folgte die Schülermannschaft.

Spielgemeinschaft

1958 gründete der Verein mit »Grün-Weiß« Mainzlar die Spielgemeinschaft SV Daubringen/Mainzlar. Auf Anhieb wurde sie Meister, stieg auf in die A-Klasse. 1958 wurde Günter Handloser Fußballobmann des Vereins, den er bis in die 1990er-Jahre mit prägte. Er organisierte den Neubau des Sportplatzes mit Sportheim und Flutlichtanlage. Lange Jahre unterstützten ihn Werner Klöß und Arnold Schäfer.

1964/65 wurde die Spielgemeinschaft mit Mainzlar wieder aufgelöst. Eine Damenmannschaft gab es für knapp ein Jahrzehnt bis 1981. Bis 1982/83 blieb Daubringen selbstständig. Eine Saison später gingen die erste und zweite Mannschaft erneut in einer Spielgemeinschaft, diesmal mit dem SV Staufenberg, auf. 2004 wurde diese aufgelöst. 2012 war endgültig Schluss mit Daubringer Verbandsfußball. Seitdem spielen an der Alten-Busecker-Straße nur noch Freizeitkicker.

gikrei_2207_dge_SV_Daubr_4c
Vorsitzender Marco Schwarz (l.) ehrte langjährige Vereinsmitglieder. Foto: Heller © Heller

Auch interessant