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»Jeder hat seine Geschichte«

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Ganz unterschiedlich sind die Botschaften der Senioren an die junge Generation. © Krell

In Staufenberg haben Senioren ihre Lebensweisheiten aufgeschrieben und in den sozialen Netzwerken veröffentlicht.

Staufenberg (red). Zu einer eindrucksvollen Aktion haben sich die Bewohnerinnen und Bewohner der Senioren-Residenz »Haus Staufenberg« zusammengetan. »Lebensweisheiten« heißt das Projekt, bei dem die Senioren auf einer Tafel jungen Menschen in einem Satz das verraten, was jeder von ihnen im Leben rückblickend für elementar und wichtig hält. Auf Fotos präsentieren sie ihre »Lebensbilanz« unter anderem in sozialen Netzwerken.

»Mein Name ist Hans, ich bin 89 Jahre alt und ehemaliger Pilot. Mein Rat fürs Leben: Nimm dich selbst nicht so wichtig.« Nach diesem Prinzip stellen sich die Senioren vor. Auf den Fotos halten sie eine Tafel mit ihrer Kurzvorstellung und ihrem Rat in der Hand. Das Projekt und die Selbstvorstellungen regen in mehrfacher Hinsicht zum Nachdenken an.

»Das ist auch der Sinn dahinter«, sagt Einrichtungsleiterin Bianca Krell. »In einer gefühlt sich immer schneller drehenden Welt bleibt vieles auf der Strecke. Am Ende seines Lebens zieht man dann Bilanz, blickt zurück und kommt dabei zu einer Schlussfolgerung. Genau das versuchen die Bewohnerinnen und Bewohner, mit dem Projekt ›Lebensweisheiten‹ festzuhalten und an die jüngeren Generationen weiterzugeben. So sollen sie zum Nachdenken bewegt werden.«

Doch auch einen weiteren sehr positiven Effekt stellt Krell heraus: Durch die Personalisierung der Lebensweisheiten werde einem bewusst, dass in Senioren-Residenzen der Querschnitt unserer Gesellschaft lebe, agil und aktiv sei. »Mitnichten haben wir es mit interessenlosen Menschen zu tun. Jeder hat seine Geschichte, seine Hobbies und Leidenschaften. Und jeder unserer Bewohnerinnen und Bewohner hat unglaublich viel Lebenserfahrung, von denen man profitieren kann und sollte.« Das werde leider viel zu oft in unserer schnelllebigen Zeit vergessen.

»Mit 20, 30 oder 40 Jahren setzt du ganz andere Schwerpunkte. Man denkt, ewig Zeit zu haben, die Zukunft ist fern. Man beschäftigt sich mit Sinnlosigkeiten oder Unwichtigem. Und plötzlich ist man Mitte 70 und fragt sich: Wo ist die Zeit geblieben? Was habe ich aus meinem Leben gemacht, was hätte ich anders machen sollen?«, bringt es einer der Teilnehmer auf den Punkt. »Im Gespräch und in der Umsetzung des Lebensweisheiten-Projekts spürt man die gesamte Bandbreite der Gefühle«, sagt Bianca Krell, »die Verbitterung darüber, vieles auf ›später‹ verlegt zu haben und es jetzt nicht mehr tun zu können, ist genauso vertreten wie das Resümee eines erfüllten, freudigen Lebens. Wenn es uns gelingt, hier den einen oder anderen zum Nachdenken zu bringen, dann haben wir schon viel erreicht. Denn: Eine Senioren-Residenz, das dortige Leben und die Gedanken zurück sind auch ein Blick in die eigene Zukunft«, so Krell.

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