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Konkurrenz für Gewerbegebiet Interkom?

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Peter Gefeller, Andreas Schulz und Thomas Spies (v.l.) zeigten noch im Dezember 2021 Schulterschluss bei der Entwicklung des interkommunalen Gewerbegebiets. Archivfoto: Wisker © Debra Wisker

Die Städte Staufenberg und Marburg sowie die Gemeinde Ebsdorfergrund hatten sich zusammengetan, um ein Gewerbegebiet zu entwickeln. Marburg hat jetzt neue Pläne.

Staufenberg (dge). »Drei glückliche Bürgermeister sozusagen auf einen Streich sieht man nicht alle Tage« - so schrieb der Gießener Anzeiger im Dezember 2020, als sich Peter Gefeller (Staufenberg), Andreas Schulz (Ebsdorfergrund) und Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies über eine Zuwendung vom Land Hessen über das gemeinsame Gewerbegebiet Interkom freuten.

Etwas erschüttert

Jetzt scheint die traute Dreisamkeit etwas erschüttert. Wie kommt das? Drei Kommunen - ein interkommunales Gewerbegebiet. Die Städte Staufenberg und Marburg sowie die Gemeinde Ebsdorfergrund hatten sich zusammengetan, um gemeinsam das Gewerbegebiet »Interkom« bei Heskem zu entwickeln. Von einem Leuchtturmprojekt war schnell die Rede und auch das Land Hessen zeigte sich beeindruckt. Es gab Fördermittel in Höhe von über 1,5 Millionen Euro. Im April 2021 traf man sich zum symbolischen Spatenstich.

Doch nun kriselt es offenbar im kommunalen »Dreigestirn«, scheint die Stadt Marburg unter Rathauschef Thomas Spies quasi gleich nebenan - in Moischt - ein eigenes, großes Gewerbegebiet zu planen. Von rund 33 Hektar ist die Rede. Das lässt zumindest der Regionalplan schließen.

Doch zuvor kurz ein paar Fakten: Interkom I und Interkom II umfassen rund acht Hektar. Weitere acht Hektar sollen später als Interkom III und IV folgen. Rund 8,5 Millionen Euro sollen investiert werden, zwei Millionen bringen die drei Kommunen ein, der Rest soll über den Abverkauf der Grundstücke finanziert werden. Die 2019 eigens gegründete Infrastrukturgesellschaft Interkom GmbH ist für die Entwicklung, Erschließung und Vermarktung des Gewerbegebiets zuständig. So weit, so gut. Doch nun ist im Regionalplan für die Stadt Marburg eine Gewerbefläche in unmittelbarer Nähe zum Gemeindegebiet Ebsdorfergrund vorgesehen.

Und das ärgert Bürgermeister Andreas Schulz, es sei »ein Unding«. Es belaste vor allem verkehrlich fast nur den Ebsdorfergrund, meint Schulz und kündigt an: »Abwassertechnisch wird es mit dem Ebsdorfergrund keine Kooperation geben, sowohl was die Entwässerung des Oberflächenwassers als auch einen möglichen Anschluss an den Sammler zur Kläranlage Hachborn anbetrifft.« Vor allem aber sieht Schulz die Pläne der Stadt Marburg als Vertrauensbruch der Vereinbarungen an, das gemeinsame interkommunale Gewerbegebiet Interkom I bis IV in Heskem umzusetzen. »Hochgelobt und mit 1,575 Millionen Euro vom Land gefördert, soll nun keine zwei Kilometer davon entfernt ein übergroßes Konkurrenzgebiet entstehen.«

Auch Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller ist nicht gerade begeistert. Das »mit uns nicht abgestimmte Vorgehen der Universitätsstadt Marburg ist nicht ganz nachvollziehbar.« Aufgrund der unmittelbaren Nähe könne ein riesiges Gewerbegebiet - wie das 33 Hektar große bei Moischt - die vollständige Verwirklichung des interkommunalen Gewerbegebiets bei Heskem in Gefahr bringen, warnt Gefeller. Zwei von insgesamt vier Teilabschnitten seien erschlossen und vermarktet. Die Nichterschließung und Nichtvermarktung der beiden letzten Teilflächen von Interkom würden der Stadt Staufenberg einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden zufügen. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Konkurrenzpläne der Universitätsstadt Marburg den Interessen der Landesregierung und dort speziell denen des Hessischen Wirtschaftsministeriums mit Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir an der Spitze als Hauptförderer unseres IKZ-Projektes entsprechen.«

Nicht gefährdet

Thomas Spies sieht das gemeinsame Projekt indes nicht gefährdet. Man schätze die Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen sehr. »Selbstverständlich will Marburg zunächst gemeinsam das Interkom I bis IV in Heskem weiterentwickeln.« Diese Flächen deckten jedoch den Bedarf des Oberzentrums Marburg in keiner Weise. Außerdem ist noch nichts in trockenen Tüchern, im aktuellen Entwurf des Regionalplans 2020 seien «Vorranggebiete Industrie und Gewerbe Planung« enthalten, die einer Kommune die Option gäben, ein Gewerbegebiet auf den entsprechenden Flächen auszuweisen - sofern der Regionalplan mit diesen Flächen verabschiedet werde. Bis ein gültiger Regionalplan vorliege, gehe also noch einige Zeit ins Land, so Spies.

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