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Kunst als Sprachrohr

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Die CBES-Schüler zeigen in ihren Werken viele Facetten des Lebens von Kindern des 21. Jahrhunderts. Foto: Scherer © Scherer

Schüler der Clemens-Brentano-Europaschule zeigen im Kulturcafé in Daubringen ihre Werke zu »Kinderarbeit« und »Kinder heute«

Staufenberg (sle). »Kinderarbeit« und »Kinder heute« - im Kulturcafé in Daubringen zeigen Schüler der Clemens-Brentano-Europaschule (CBES) zur Zeit ihre Werke zu diesem Aspekt unserer Gesellschaft.

Nachdem das hochaktuelle Thema im Kunst-Leistungskurs intensiv besprochen wurde, machten sich die Schülerinnen und Schüler an die Arbeit. In zum Teil durchaus bedrückenden Bildern hatten die jungen Leute das Thema verarbeitet. Gewalt in Familien, Kinderarbeit für einen Hungerlohn, aber auch Kinder, die sich von der realen Welt völlig abgekapselt haben und nur in der Welt der Videospiele, der virtuellen Welt des Internets zu Hause sind - all das ist im 21. Jahrhundert allgegenwärtig. Doch auch der Gegenpol dazu war zu sehen, etwa mit der »Elite der Zukunft«, die eben nicht nur weißen Menschen gehört.

Weiteres Projekt

Peter Müller, der neue Vorsitzende des Veranstalters, der Verein Impuls, brachte es bei der Eröffnung auf den Punkt: »Ich bin begeistert von der Vielfalt der Bilder.« Kunstlehrer Michael Kühn erklärte, dass die Ausstellung voraussichtlich bis zum 15. Juli im Kulturcafe verbleiben wird. Danach soll es ein weiteres Kunstprojekt zum Thema »Rassismus und Faschismus« geben.

Angestrebt werde eine regelmäßige Zusammenarbeit zwischen Impuls und der CBES, die als Kooperation mit dem Fördervereins der CBES dazu beitragen soll, dass das, was die Schüler erschaffen, einem breiteren Publikum auch außerhalb der Schule zugänglich gemacht wird. Dabei schweben ihnen Ausstellungen über Kunst und Politik vor, es soll Lesungen geben, darstellendes Spiel, aber auch musikalische Darbietungen wären möglich. Die Bandbreite ist groß, da der Verein seine Räumlichkeiten zur Verfügung stellen würde. In diesem Zusammenhang ging Dank an Detlef Hindges, von Impuls, der den Kontakt zu Michael Kühn hergestellt hatte, und an Susanne Pickenbrock-Hindges, die sich als verantwortliche Ansprechpartnerin für die Kooperation zur Verfügung gestellt hat. CBES-Schulleiter Andrè Keller stellte fest: »Kunst muss bewegen, aufrütteln, wehtun, unsere Sinne irritieren, über das dekorhafte, handwerklich Saubere hinausgehen. Kunst sollte uns zum Innehalten und Nachdenken anregen, Kunst sollte unseren Blick schärfen und auf Aspekte unseres Zusammenlebens lenken, denen wir nur ungern einen Platz in unserem Bewusstsein einräumen«.

Kunst solle zur Diskussion anregen, polarisieren, Missstände thematisieren und vielleicht auch helfen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Die Kunstwerke, die hier ausgestellt sind, lägen genau auf dieser Linie, so Keller.

Zwar sind sie bereits 2020 entstanden, haben aber nichts von ihrer Aktualität verloren. »Ihr habt den Fokus auf wirklich skandalöse Zustände gelenkt und dabei einen ganz weiten Fokus gewählt«, sagte er. Die jungen Künstler hätten den neuesten digitalen Trend der »asozialen« Netzwerke mit dem dort allgegenwärtigen Mobbing, Bodyshaming und dem Hang zur Selbstinszenierung von allen Seiten beleuchtet.

Sie hätten die »Profitgier der Pharmaindustrie« aufgegriffen, die das bedenkenlose Verabreichen von Psychopharmaka für Kinder und Jugendliche forciere. Auch hätten sie den Blick auf eine Welt qelenkt, wo es Kindersoldaten, Kinderprostitution und immer wieder Kinderarbeit mit elenden Zuständen gebe, »wie wir sie in Europa aus dunklen Zeiten des Manchester Kapitalismus kennen«.

All das rege den Betrachter zum Nachdenken an, womit die Bilder eigentlich schon ihren Zweck erfüllt haben.

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