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Mehr Frauen als Männer bekommen Hartz IV

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Von: Thomas Wißner

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Kai Empacher Foto: Wißner © Wißner

In Staufenberg bekommen mehr Frauen Hartz IV, im gesamten Landkreis ist es umgekehrt. Kai Empacher, der Demografiebeauftragte des Landkreises, stellte den Armutsbericht vor.

Staufenberg (twi). In Staufenberg verdienen Männer im Schnitt 600 Euro mehr als Frauen. »650 Frauen, die Vollzeit arbeiten, bekommen weniger als 2500 Euro brutto. Dies sind 30 Prozent - bei Männern sind dies nicht einmal 15 Prozent.« Mit interessanten Zahlen wartete der Demografiebeauftragte des Landkreises Gießen, Kai Empacher, in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses in Staufenberg auf. Er stellte die auf Staufenberg bezogenen Daten aus dem Armutsbericht des Landkreises vor.

Wie Empacher ausführte, sind Personen, die weniger als 1500 Euro verdienen, armutsgefährdet. Kreisweit beziehen mehr Männer als Frauen Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) II. In Staufenberg ist die Mehrheit der Leistungsbeziehenden weiblich.

2020 verzeichnete die Stadt in SGB II-Haushalten 125 Kinder als nicht erwerbsfähige Leistungsberechtigte, davon 117 (93,6 Prozent) unter 15 Jahre und acht (6,4 Prozent) über 15 Jahre. Die Mietpreisbelastung bei einem Bruttoeinkommen von 1500 Euro liegt in Staufenberg bei 42,2 Prozent bei einer einfachen Ausstattung und 60 Quadratmetern Wohnfläche. Bei einem Bruttoeinkommen von 2500 Euro sinkt die Mietpreisbelastung auf 29,6 Prozent. Dies sei »relativ normal«, erklärte Empacher.

Der Demografiebeauftragte verwies abschließend darauf, dass eine Kommune relativ wenig zur Bekämpfung von Armut tun könne. Aktiv werden könne man beim Umgang mit Armut, etwa durch niedrigschwelligen Zugang zu Beratungen in Familienzentren, den Aufbau von Präventionsketten, durch Öffnungszeiten von Betreuungseinrichtungen, Netzwerke und Gemeinwesenarbeit oder vergünstigte Tickets zur kulturellen und sozialen Teilhabe.

»Es ist schon beschämend, dass in einer so reichen Gesellschaft ein Armutsbericht erstellt werden muss. Eine Gesellschaft ist nur so gut, wie sie mit ihren Schwächsten umgeht«, betonte Manfred Hein (FW). »Wir wissen überhaupt nicht, wie viele wirklich antragsberechtigt sind, wenn sie es nicht beantragen und für sich beschlossen haben, dem Staat nicht auf der Tasche zu liegen. So lange diese Dunkelziffer existiert, ist es nur ein Ausschnitt«, so Empacher.

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