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Plus für grün,Minus für Schotter

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Photovoltaikanlagen auf dem Dach können zum klimafreundlichen Bauen beitragen. Symbolfoto: dpa © Red

Staufenberg (red/dge). Wird es in Staufenberg bald einen Leitfaden für klimafreundliches Bauen geben? Bürgermeister Peter Gefeller sieht dies zumindest als ein hilfreiches Instrument an. Er verweist auf den Leitfaden der südhessischen Gemeinde Fischbachtal. Mit deren Bürgermeister Philipp Thoma sei er gut befreundet, man tausche sich regelmäßig aus.

»Bei einem unserer Gespräche hat mich mein Freund auf den frisch verabschiedeten Bauleitfaden seiner Gemeinde neugierig gemacht.«

In Staufenberg und seinen Stadtteilen sei in den vergangenen Jahren viel gebaut worden. »Nicht jedes Haus wurde dabei aus meiner Sicht so klimafreundlich errichtet wie es hätte sein können. Damit sich dies zukünftig ändert, private und öffentliche Bauherren und -frauen aber zugleich auch wissen, welche Vorgaben zu beachten sind, könnte ein Leitfaden zum klimafreundlichen Bauen hilfreich sein«, so Gefeller.

Themenfelder

Der Leitfaden beschäftige sich mit Themenfeldern wie »Planungsvoraussetzungen und Planungsgegebenheiten«, »Bebauungspläne«, »gestalterische Maßnahmen nach der Landesbauordnung« und »vertragliche Regelungen«. Er basiere auf einer Checkliste, über die bei jedem einzelnen Themenfeld Plus- und Minuspunkte vergeben werden können. Wirke sich eine Maßnahme positiv auf das Klima aus, erhalte sie mehr Pluspunkte, umgekehrt - im Falle negativer Auswirkungen - mehr Minuspunkte.

Positiv bewertet würden beispielsweise das Gebot zur Regenwassernutzung, aber auch das Verbot der Nutzung fossiler Brennstoffe. Fassaden- und Dachbegrünung stünden ebenfalls hoch im Kurs und eine öffentlich zugängliche E-Ladesäule wirke sich auch positiv aufs Punktekonto aus. »Eine freie Gartengestaltung einschließlich der Möglichkeit der Schaffung eines Schottergartens wird dagegen negativ bewertet, das in einem Bebauungsplan verankerte Verbot einer solchen Steinwüste wird wieder positiv bewertet«, erläutert der Bürgermeister den Leitfaden. Am Ende werde zusammengerechnet. 140 Punkte seien das Maximum. Aber bereits ab 75 Punkten könne eine Bauleitplanung als »klimafreundlich« gelten. Ein Ergebnis könnte laut Gefeller sein, dass Bauvorhaben, die diesen Mindestwert nicht erreichen, zukünftig nicht mehr gebaut werden dürften.

Für die Staufenberger Kommunalpolitiker, die über Bebauungspläne und -vorhaben zu entscheiden haben, könnte seiner Ansicht nach ein solcher Leitfaden ein Instrument mit vielen Möglichkeiten hin zu mehr Klimafreundlichkeit sein.

Daher werde er den Bauleitfaden der Gemeinde Fischbachtal allen im Stadtparlament vertretenen Fraktionen vorlegen. »Vielleicht verabschieden wir im Anschluss auch ein solches Grundsatzpapier, um zukünftig mehr klimafreundliche Bauvorhaben in Staufenberg umzusetzen.«

Sicher werde man diesen Bauleitfaden nicht eins zu eins übernehmen, aber seine Grundsätze vielleicht doch. Wichtig sei ihm persönlich die Beantwortung der Frage, »wie wir zukünftig in Staufenberg wohnen wollen«.

Ein zentraler Punkt sei dabei die Wohnfläche. Nach dem Auszug der Kinder belegen gerade Senioren über viele Jahre ihres Lebensabends große Wohnflächen in Einfamilienhäusern. Flexible Wohnstrukturen könnten helfen, Wohnungen nach Bedarf zu teilen, zusammenzulegen oder umzunutzen und damit Ressourcen zu sparen und gleichzeitig Gemeinschaft zu schaffen, meint Gefellerr. Stichworte hierfür seien Mehrgenerationenwohnen, Bauherrengemeinschaften und sozial gemischte Quartiere.

Autark

Viele Städte und Gemeinden hätten erkannt, dass für den Klimaschutz, aber auch für eine zukünftige Autarkie, eine eigene und nachhaltige Energieversorgung unerlässlich sei. Der Solarpark Buchenberg oder der gerade in seiner Entstehung befindliche Windpark Lumdatal belegten dies eindrucksvoll.

Das erste Blockheizkraftwerk im Landkreis der Stadtwerke Gießen versorge von seinem Standort Stadthalle aus die komplette Vitale Mitte einschließlich Rathaus, neuer Grundschule und weite Teile des Baugebiets in Staufenberg Süd. Wenn es jetzt noch gelinge, dieses und zukünftig auch weitere lokale Energienetze durch Geothermie oder Hackschnitzel zu betreiben, komme man der Autarkie wieder ein Stück näher.

»Spätestens nach dem russischen Überfall auf die Ukraine dürfte den allermeisten von uns klar sein, dass wir uns von Öl und Gas verabschieden werden müssen«, stellte Peter Gefeller fest.

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