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Regen sorgt für Hochglanz

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Von: Erika Scherer

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In Mainzlar trafen sich Bürgermeister Peter Gefeller (3.v.r.), Pfarrer Traugott Stein (r.) und der Vorsitzende des Vereins Impuls, Peter Müller (4.v.l.), sowie einige Bürger, um die von Gunter Demnig verlegten Stolpersteine zu reinigen. Foto: Scherer © Scherer

In Mainzlar erinnern Stolpersteine an die einstigen jüdischen Mitbürger. Jetzt wurden sie gereinigt.

Staufenberg . Wie auch in anderen Kommunen des Landkreises sind in Staufenberg und seinen Stadtteilen »Stolpersteine« verlegt. Dies ist ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig das im Jahr 1996 begann. Er verlegt kleine Gedenktafeln in Bürgersteige, die an das Schicksal von jüdischen Bürgern erinnern sollen, die in der NS-Zeit vertrieben und ermordet wurden.

Seit 2011 findet man die Stolpersteine auch in Staufenberg. Jetzt war eine Reinigungsaktion dieser Steine in Mainzlar angesagt, zu der sich neben Bürgermeister Peter Gefeller und dem Vorsitzenden des Impuls-Vereins, Peter Müller, auch der evangelische Pfarrer Traugott Stein und einige Bürger eingefunden hatten. Der heftige Regenguss der niederging, nahm den Anwesenden sozusagen die Arbeit ab, denn als der Regen aufhörte glänzten die Steine, als wären sie gerade frisch verlegt worden. Tatsächlich war aber wetterbedingt zuvor schon der Bauhof aktiv gewesen.

Bürgermeister Gefeller erinnerte daran, dass vor genau 80 Jahren auch hier jüdische Mitbürger aller Altersstufen aus dem ganzen Kreisgebiet von einem »Rollkommando« des NS-Regimes abgeholt wurden. Es sei traurig, dass sich keiner von den Nachbarn schützend vor die zu Deportierenden gestellt habe. Sie wurden zuerst nach Gießen und Ende September dann mit dem Zug in die einzelnen Tötungslager, nach Theresienstadt, Auschwitz und Treblinka gebracht. Hier angekommen wurden den Frauen die Haare geschoren, alle mussten ihre letzten Wertsachen abgeben, ehe sie durch einen schmalen Gang zu den tödlichen Gaskammern getrieben wurden. Die Leichenkommandos, die ebenfalls aus Häftlingen bestanden, brachten die Leichen dann zu den Massengräbern. »Es waren unsere Nachbarn, die so unbeschreiblich grausam getötet wurden und niemand hat ihnen geholfen«, sagte Gefeller. Lediglich der Versuch der Gemeindehebamme Gertrud Michel, die den Abtransport des erst wenige Tage alten Jungen Berl Nathan zu verhindern suchte, sei überliefert. »Wir wollen heute an die 29 Menschen erinnern, die aus den Ortsteilen Staufenbergs kamen, und immer wieder auf das Verbrechen und das schmerzliche Versagen der damaligen Nachbarn hinweisen.« Gefeller erkärte, dass das Erinnerungsprojekt von Gunter Demnig die Möglichkeit biete, diese Menschen zumindest symbolisch wieder in unsere Mitte zurückzuholen. In der ehemaligen Bahnhofstraße 13 in Mainzlar liegen Stolpersteine, die an die Familie Rosenthal erinnern. Hier lebten einst Lina Rosenthal, deren Mann Isidor bereits verstorben war, Sohn Martin Rosenthal, Sohn Siegfried Rosenthal und seine Frau Thekla, geb. Metzger, Tochter Elsa Karbe, geb. Rosenthal, und ihr Mann Adolf Leopold Karbe mit den Kindern Renate Jenni, Reha und Zilla Karbe. Das kleine Haus, in dem die Familie mit den Kindern ehemals lebte, ist inzwischen abgerissen worden. »Ich begrüße es, wenn Staufenberger diese Erinnerungssteine reinigen«, sagte Gefeller.

Am 9. November wird im »Wohnzimmer« des Impuls-Vereins die Dokumentation »Juden in Staufenberg - Stolpersteine« von Stadtarchivarin Barbara Wagner vorgestellt.

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