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Richtfest ohne Fest

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Kein Bäumchen stand zum Richtfest auf dem Dach der neuen Grundschule, doch kann man auch innen (kleines Foto) schon recht gut erkennen, wo einmal das Einmaleins gepaukt werden wird. © Stadt Staufenberg

Der Rohbau der neuen Grundschule in Staufenberg ist fertiggestellt Der Landkreis investiert 15,5 Millionen Euro.

Staufenberg (dge). Wird ein Rohbau fertiggestellt, ist das ein wichtiger Schritt, der gebührend gefeiert wird. Es gibt ein geschmücktes Bäumchen auf dem Dach, der Dachdecker lässt eine Rede vom Stapel und alle freuen sich. Nicht aber in Corona-Zeiten.

»Fototermin statt Richtfest« stand letzte Woche im Terminkalender von Bürgermeister Peter Gefeller. Gemeint war ein Fototermin mit Landrätin Anita Schneider, Ersten Kreisbeigeordneten Christopher Lipp und weiteren Baubeteiligten zur Fertigstellung des Rohbaus der neuen Grundschule Staufenberg.

15,5 Millionen

Immerhin 15,5 Millionen investiert der Landkreis Gießen in diesen Neubau. »Da kann man als Standortbürgermeister nur seinen herzlichen Dank aussprechen. Diese Schule wird für Jahrzehnte den Schulstandort Staufenberg sichern«, freut sich der Bürgermeister. Christopher Lipp stellte in Aussicht, dass die neue Grundschule im Frühjahr 2023 fertiggestellt werden solle. Zu Beginn des Schuljahres 2023/2024 solle der Schulbetrieb losgehen.

Ein Blick zurück: Schon vor Jahren war eine gemeinsame Grundschule für die Stadttteile Staufenberg, Mainzlar und Daubringen im Gespräch gewesen, doch kam das Ganze nicht so recht voran, scheiterte auch am Widerstand mancher Eltern. Nun hat man am Standort des früheren Rewe-Markts einen Platz für die gemeinsame Schule gefunden. Die Kommunalpolitik ebnete den Weg, ein Tauschvertrag regelte, dass die alten Schulgebäude des Landkreises ins Eigentum der Stadt Staufenberg übergingen. Der Tauschvertrag besagt, dass die Stadt Staufenberg das Rewe-Grundstück gegen die drei Gebäude samt Grundstücken eintauscht. Somit wird der Landkreis Eigentümer des Rewe-Areals, die Stadt Staufenberg Eigentümerin der drei Schulgebäude. Hier soll nun in Teilen bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden.

Noch unter der alten Koalition aus SPD, Freien Wählern und Grünen sowie der Linken passierte nach einigem Hin und Her 2018 ein Kompromiss den Kreistag.

Kompromiss

Wie kam es zu diesem Kompromiss? Da der Verkehrswert des früheren Rewe-Marktes niedriger bewertet wurde als der der drei Schulgebäude, ergab sich eine Differenz von 40 000 Euro. Auf diesen Wertausgleich wollte der Landkreis zugunsten des gemeinsamen Ziels verzichten. Knackpunkt in der Sitzung des Kreistags am 7. Mai 2018 war die weitere Verwendung des Schulgebäudes in Daubringen gewesen. Mit der Absichtserklärung der Stadt Staufenberg wollte sich die FDP im Kreistag nicht zufriedengeben. Stattdessen soll die Stadt Staufenberg die Nutzung des Gebäudes für den sozialen Wohnungsbau unmittelbar im Anschluss an die Übereignung sicherstellen. Die FDP forderte eine Veränderung des Vertrages. Demnach sollte die Nutzung für sozialen Wohnungsbau dinglich gesichert werden. Komme die Stadt Staufenberg dieser Verpflichtung nicht nach, solle sie den Wertausgleich in Höhe von 40 000 Euro zahlen. Das hatte für mächtig Ärger in Staufenberg gesorgt. Schließlich wurde nachverhandelt. Dies mit folgendem Ergebnis: Die Nutzung für Zwecke des bezahlbaren Wohnraums soll nicht auf das Grundstück der Waldschule Daubringen beschränkt werden. Stattdessen wird der Stadt Staufenberg eingeräumt, ein gleichwertiges, geeignetes Grundstück zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums einzubringen. Es sind weiterhin nur 25 Prozent der künftigen Wohnfläche dem bezahlbaren Wohnraum gemäß den Förderrichtlinien des Landes Hessen zu realisieren. Beides wurde verpflichtend im Vertrag geregelt. Geregelt wurde auch, dass die Stadt Staufenberg 40 000 Euro an den Kreis zahlen muss, wenn sie dieser Vertragsvereinbarung binnen fünf Jahren nicht nachkommt. Doch zurück in die Gegenwart: Peter Gefeller weist darauf hin, dass mit der zentralen Grundschule »die drei bestehenden Grundschulen in Staufenberg, Daubringen und Mainzlar zusammengefasst werden. Die vierte Grundschule in Treis bleibt als wichtige Dorfinfrastruktur für alle Treiser Schülerinnen und Schüler bestehen.« In den anderen drei Stadtteilen sehe es anders aus. Die dortigen Alt-Schulstandorte könnten wegen der beengten Platzverhältnisse nicht erweitert werden. »Um aber auch in der Zukunft für unsere jungen Familien gut aufgestellt zu sein, braucht Staufenberg hier einen modernen Ort der Bildung«, so Gefeller.

Betreuungsangebot

Die zentrale Grundschule erweitere das Betreuungsangebot und werde 300 Plätze für unsere Kinder bieten, die von einem qualifizierten Team geleitet würden. Außerdem würden mit der neuen Schule nicht nur die »leidige Raumsituation verbessert, sondern es werden auch günstigere Voraussetzungen für den Unterricht geschaffen.« Selbstverständlich nehme auch ein noch so ansprechendes Schulgebäude niemandem die Arbeit schulischen Lehrens und Lernens ab. Doch die technische Ausstattung einer Schule entscheide in nicht unbeträchtlicher Weise über das Bildungsangebot. Computer und Internet seien heute ebenso unverzichtbar wie moderne Funktionsräume für die Naturwissenschaften. Räumlichkeiten für einen Chor oder eine Theatergruppe brächten daneben genauso Pluspunkte wie eine großzügige Sportstätte, die mit Stadthalle ebenfalls zur Verfügung gestellt werden könne. »Und vielleicht gelingt es uns ja mit Unterstützung des Landkreises auch eine den schulischen Bedürfnissen entsprechende Außensportanlage zu schaffen.« Gefeller hatte hier den wenige Meter entfernten Staufenberger Sportplatz im Blick. »Da ist auf jeden Fall schon einmal ein sehr guter Standort für diese Sportanlage vorhanden.« Die neue Grundschule sei eine Investition in die Zukunft der Stadt.

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gikrei_0302_dge_grundsch_4c_1 © Red

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