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»Schlechtes Signal mit großer Außenwirkung«

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Der künftige Bürgermeister der Gemeinde Ebsdorfergrund, Hanno Kern (unabhängig), reagiert auf Äußerungen, dass er Interkom III und IV generell nicht unterstützt und daher nicht umsetzen will .

Staufenberg (red). In der jüngsten Sitzung des Staufenberger Haupt- und Finanzausschusses (HFA) beriet das Gremium über eine Änderung des Gesellschaftervertrags zum interkommunalen Gewerbegebiet Interkom in Heskem, einem Ortsteil der Gemeinde Ebsdorfergrund.

Aktuell hat die Gemeinde Ebsdorfergrund 50 Prozent, nun wollen die beteiligten Städte Staufenberg und Marburg zum 1. Januar 2023 jeweils 2,5 Prozent der Gesellschaftsanteile der Interkom GmbH von der Gemeinde Ebsdorfergrund erwerben und dafür jeweils 90 000 Euro aufwenden (der Anzeiger berichtete).

Dazu hat sich jetzt Hanno Kern (unabhängig), der künftige Bürgermeister der Gemeinde Ebsdorfergrund, geäußert. In einem Brief an Staufenbergs Bürgermeister Gefeller (SPD) weist er darauf hin, dass man ihm, also Kern, unterstelle, »dass ich Interkom III und IV generell nicht unterstütze und daher nicht umsetzen will.«

Bereits im Oktober hatte Kern im Gespräch mit dem Anzeiger betont, dass er zunächst sehen wolle, wie sich die Abschnitte I und II entwickelten, dies bewerten und dann gemeinsam mit den Bürgern entscheiden, ob man auch die Abschnitte III und IV entwickle. Hierzu müssten die Fakten auf dem Tisch liegen, so Hanno Kern seinerzeit.

In seinem Schreiben an Gefeller spricht er nun auch die Änderung des Gesellschaftervertrags an, die auch in der Gemeindevertretung Ebsdorfergrund diskutiert wurde. »Zur Abstimmung stand, die eigene Mehrheit an der Interkom GmbH an die Stadt Staufenberg und die Stadt Marburg zu verkaufen und damit den Einfluss von mir als zukünftigem Bürgermeister der Gemeinde Ebsdorfergrund zu beschneiden.« Diesem Antrag sei zwischenzeitlich mehrheitlich zugestimmt worden.

Kern weiter: »Ich muss darüber informieren, dass keine dieser Personen beziehungsweise Personengruppen bisher mit mir in Kontakt getreten sind, keine Gespräche und auch kein Austausch über diese Themen stattgefunden haben. Somit kann meine aktuelle, persönliche politische Haltung zu der weiteren Entwicklung dieses Gewerbegebietes weder zum heutigen Zeitpunkt noch zum zukünftigen Zeitpunkt meiner Amtseinführung am 19. Dezember durch andere Personen beschrieben oder reflektiert werden, und daraus folgend kann sie auch nicht im Rahmen der bekannten Diskussion und Argumentation genutzt werden.«

Gute Nachbarschaft

Als demokratisch gewählter Bürgermeister halte er sich an die bestehenden Verträge und Vorschriften und stehe für eine verlässliche, transparente und offene Amtsführung mit besonderem Augenmerk auf eine gute Nachbarschaft.

Doch Fakt bleibt laut Kern, »dass das Gewerbe und im Besonderen das Baugewerbe auch und gerade unter den aktuellen Krisenzeiten leidet und durch höhere Zinsen, bestehende Lieferengpässe und auch aufgrund der Inflation Bauprojekte privater und gewerblicher Art schon jetzt zurückgestellt beziehungsweise gestrichen werden«.

Er stehe gerne persönlich für ein Treffen oder auch telefonisch Rede und Antwort. »Im Zuge unserer interkommunalen Zusammenarbeit, also dem Projekt Interkom I bis IV, welches überregional als Blaupause gilt und schon jetzt hohe Beachtung findet, wäre eine Übernahme von Anteilen und Mehrheiten durch die ›kleinen‹ Partner, die nur sehr indirekt von den Auswirkungen der Ansiedlung betroffen wären, ein schlechtes Signal mit großer Außenwirkung«, mahnt Kern an. Auch er habe kein Interesse, dass das besagte Gewerbegebiet scheitere, die bisherigen Investitionen sich nicht auszahlten und weniger Gewerbesteuereinnahmen zu verzeichnen seien. Genau deshalb sei er für ein behutsames Vorgehen in der Krise.

Er wolle auch mit Hinblick auf die kommenden Generationen einen fraktionsübergreifenden und interkommunalen Konsens und ein Miteinander für ein behutsames Wachstum und eine bedachte Flächenversiegelung erreichen.

»Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen in den kommenden Jahren für eine weiterhin erfolgreiche Zukunft zugunsten unserer gemeinsamen interkommunalen Projekte«, schloss Hanno Kern sein Schreiben an den Staufenberger Bürgermeister.

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