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Treiser Festival setzt Zeichen gegen Krieg

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Dirk Wallenfels (l.), sein Stellvertreter Frank Steidl (4.v.l.) und der Papalala-Vorstand überreichen im Beisein von Bürgermeister Peter Gefeller (2.v.r.) und Ortsvorsteher Andreas Becker (r.) die Spende an Pfarrer Andreas Lenz (2.v.l.). Foto: Wisker © Wisker

1500 Euro brachte das Papalala-Festival in Treis für die Ukrainehilfe ein. Der Betrag wurde nun an Pfarrer Andreas Lenz übergeben.

Staufenberg (dge). Papalala - der Name ist Programm. Seinen Namen hat das Benefiz-Mitmachfestival der damals noch kleinen Tochter von Initiator Dirk Wallenfels zu verdanken. Immer wenn er das Auto vollpackte, um als DJ unterwegs zu sein, hieß es »Papa macht Lala«.

Das ist nun schon eine Weile her, doch Papalala hat sich seit seiner Premiere 2012 als Festival längst etabliert. Die jüngste Auflage bezog ganz klar Stellung gegen den Krieg in der Ukraine und so kam der Erlös der Veranstaltung der Ukrainehilfe der Treiser Kirchengemeinde zugute.

Der Spendenbetrag des Festivals hätte sich auf exakt 1389,70 Euro belaufen. Keine runde Sache, befand der Vorstand des Vereins Kunst und Kultur (KuK) Papalala und stockte kurzerhand auf 1500 Euro auf. Der Betrag wurde nun an Pfarrer Andreas Lenz übergeben.

Dringend gebraucht

»Danke, dass ihr den Mut hattet, das Festival für diese gute Sache auf die Beine zu stellen«, dankte Lenz. Er wies darauf hin, dass das Geld dringend gebraucht werde. Es ermögliche den in Treiser Familien lebenden ukrainischen Flüchtlingen Teilhabe und Integration. »Die Leute, die die Flüchtlinge in ihre privaten Wohnungen aufgenommen haben, gehen mit zum Einkaufen, helfen in ganz vielen Dingen.« Oft aber reiche Hartz IV, also das, was die Flüchtlinge bekommen, nicht aus, um etwa einen Schulranzen zu kaufen. Das oder auch mal der eine oder andere Schwimmbadbesuch könne mit der Spende finanziert werden. Staufenbergs Bürgermeister Gefeller schloss sich dem an und verwies auf ein Telefonat, das er mit dem Bürgermeister von Tetijiw geführt habe. Tetijiiw ist die Heimat von Nataliia Saizew, ihr Ehemann Boris hat eine private Hilfsaktion gestartet und überführt nun schon den zweiten Krankenwagen dorthin (der Anzeiger berichtete). Wie Gefeller weiter ausführte, wolle man jetzt einen weiteren Hilfstransport auf den Weg schicken. »Es fehlt an allem.« Ortsvorsteher Andreas Becker fasst sich kurz, was die Papalala-Macher täten, sei, was gebraucht werde. Auch im Dorf.

Zwei Tage lang, am ersten Aprilwochenende, wurde in Treis wieder gerockt, was das Zeug hielt. Wallenfels, sein Stellvertreter Frank Steibl und der Vorstand blicken zurück: »Dem Krieg die Welt überlassen, das wollten die Macher vom Papalala-Benefiz-Festival in Treis nicht. Vielmehr hatten wir uns entschlossen, ein deutliches Zeichen gegen Russlands sinnlosen Angriffskrieg zu setzen. Und dies ist gelungen.«

Ein reife Leistung, bedenkt man, dass es sich hier nicht um einen professionellen Veranstalter handelt. Es sind durch die Reihe weg ehrenamtliche Helfer, die hier jedesmal mitanpacken. Ihr Motto: »Wir glauben fest daran, dass man hochwertige Rockmusik auch im ländlichen Raum etablieren kann.« Wacken habe schließlich auch ein paar Jahre gebraucht, witzeln die Papalalas. Dabei ist es laut Wallenfels nicht selbstverständlich, dass der umtriebige Treiser Verein noch existiert.

Am Scheideweg

Habe man 2016 üblen Schiffbruch im fünfstelligen Bereich erlitten, sich mühevoll durch kleinere und größere Veranstaltungen wieder Land in Sicht verschafft, so sei auch die Rechnung 2019 nicht aufgegangen. Wohlgemerkt: der Erlös der Veranstaltung kam stets der Jugendarbeit in den Vereinen der Stadt Staufenberg zugute. Der Verein habe am Scheideweg gestanden und ernsthaft in Erwägung gezogen, Insolvenz anzumelden, den Verein stillzulegen. Doch damit wollte sich keiner abfinden. »Und so steuerte jedes der elf Vorstandsmitglieder 500 Euro aus privater Kasse bei, um den Verein am Leben zu erhalten. Nicht als Darlehen, sondern als Zuwendung.« Beispiellos finden das die beiden Vorsitzenden Dirk Wallenfels und Frank Steidl und fügen hinzu, dass sie schon stolz sind, »an der Spitze dieses positiv-verrückten Haufens von Menschen zu stehen«.

Doch eines war klar: »Wenn wir überleben wollen, und zwar dauerhaft, dann müssen wir konzeptionell umdenken.« Aufgeben kam nicht in Frage. Vielmehr wurde die Covid-Zwangspause genutzt, um Ideen zu entwickeln und Veranstaltungen zu konzipieren, mit denen man faktisch kein Minus erwirtschaften kann. »Ein schwieriges Unterfangen. Und ohne tatkräftige Sponsorenunterstützung unmöglich.«

Dass es dennoch geht, habe das erste Festival, Treis Open Air, im Sommer 2021 auf dem Schulhof gezeigt. Die zahlreichen Gäste dankten es, die Anwohner tolerierten und unterstützten es. »Typisch Treis eben. Das geht definitiv nicht überall«, sind sich Steidl und Wallenfels einig. Diese Veranstaltung habe Mut gemacht, eifrig habe man am Festival 2022 gefeilt.

Dann kam der Krieg, die Macher von Papalala wollten ein Zeichen setzen und sie wollten helfen. So wurde eine Zusammenarbeit mit der Treiser Kirche initiiert, die bereits ein entsprechendes Spendenkonto eingerichtet hatte.

Unterstützung

Das Vorhaben erhielt reichlich Unterstützung, nicht zuletzt durch heimische Firmen, die entweder mit Geld- und Sachspenden zum Gelingen des Festivals beitrugen, auch die Stadt Staufenberg stellte sich unterstützend in den Dienst der guten Sache.

Die Papalalas sehen nun wieder Licht am Ende des Tunnels und planen mit viel Energie bereits das nächste Festival. »Wenn nichts dazwischenkommt, steigt im Spätsommer, genauer gesagt am 10. September, die zweite Auflage des Treis Open Air.«

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