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Verlockende Kurven oft gefährlich

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Von: Volker Heller

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Auf der engen Kreisstraße zwischen Staufenberg und Lollar kommt es oft zu waghalsigen Überholmanövern, die Fahrradfahrer gefährden. © Heller

Die Kreisstraße K 29 auf dem Abschnitt Staufenberg/Großgasse bis Lollar/Ostendstraße wird ab dem 14. Mai versuchsweise für ein halbes Jahr als Fahrradstraße umgewidmet

Staufenberg (voh/dge). Die Stadt Staufenberg nimmt dieses Jahr wieder am Stadtradeln teil. Drei Wochen lang, vom 14. Mai bis 3. Juni, werden möglichst viele umweltfreundliche Kilometer gesammelt. Für Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller ist das auch ein erfreulicher Anlass. Anlässlich der Umweltaktionstage am Jugendzentrum in der Vitalen Mitte teilte er mit, dass der Landkreis Gießen als zuständige Behörde die Kreisstraße K 29 auf dem Abschnitt Staufenberg/Großgasse bis Lollar/Ostendstraße ab dem 14. Mai versuchsweise für ein halbes Jahr als Fahrradstraße genehmigen wird.

Offene Türen

Die Idee dazu stamme von ihm, so Gefeller. Beim zuständigen Dezernenten des Landkreises Gießen, Christian Zuckermann, habe er offene Türen eingerannt. Lollars Bürgermeister Dr. Bernd Wieczorek habe ebenso zugestimmt. Nun fehlten noch die entsprechenden Hinweisschilder. Die seien aber schon bestellt. Das Schild ist quadratisch mit weißem Hintergrund. Auf dem mittigen kreisrunden Feld ist ein Fahrradsymbol abgebildet, darunter der Schriftzug Fahrradstraße. Autoverkehr werde weiterhin erlaubt, aber die Radfahrer dürften die gesamte Straßenbreite nutzen, hätten Vorfahrt. Es gilt Tempo 30. Gefeller: »Die Radfahrer haben es selber in der Hand, das anzunehmen.«

Schon seit Jahren habe es Beschwerden über gefährliche Überholmanöver und abgefahrene Autospiegel auf dieser sehr kurvigen und schmalen Straße gegeben. »Um diese Gefährdungen möglichst abzustellen, hatte ich die Idee, auf der K 29 eine Fahrradstraße einzurichten«, so Gefeller. Gemeinsam mit Wieczorek habe er deshalb bei dem Landkreis Gießen als zuständigem Straßenbaulastträger die Einrichtung einer sogenannten unechten Fahrradstraße im eingangs erwähnten Bereich beantragt. Dies solle zunächst für sechs Monate ausprobiert werden.

Gerade für Fahrradfahrer stelle die enge und kurvige K 29 für den Begegnungsverkehr einen erhöhten Gefahrenpunkt dar. »Die Fahrbahnbreite beträgt im gesamten Streckenverlauf weniger als 4,5 Meter. Der Sicherheitsabstand, den Kraftfahrzeuge beim Überholen von Radfahrenden einzuhalten haben, liegt außerorts bei zwei Metern. Damit ist das Überholen von Radfahrenden auf der ganzen K 29 bereits heute nicht zulässig«, erklärte der Bürgermeister die Lage. Dennoch hätten ihm viele Radfahrer von gefährlichen Überholmanövern auf dieser Straße berichtet. Auch er selbst habe dies dort schon beobachtet. Gerade zur Vermeidung dieser gefährlichen und zudem verbotenen Überholvorgänge mache es Sinn, die Strecke als Fahrradstraße einzustufen.

Gefeller erläuterte auch den Unterschied zwischen einer echten und einer unechten Fahrradstraße. »Eine Fahrradstraße erkennt man an einem Schild mit einem blauen Kreis, einem weißen Fahrrad und dem Schriftzug ›Fahrradstraße‹. Auf einer so gekennzeichneten Straße dürfen nur ›echte‹ Fahrräder und Elektrozweiräder, also elektrisch unterstützte Fahrräder, Pedelecs und E-Scooter, fahren. Im Gegensatz zu einem Radfahrstreifen oder einem Schutzstreifen steht dem Radverkehr auf einer Fahrradstraße die ganze Fahrbahnbreite zur Verfügung.« Eine unechte Fahrradstraße unterscheide sich von einer echten dadurch, dass ihre Benutzung auch für Pkw und Motorräder erlaubt ist. Diese dürfen jedoch nur maximal Tempo 30 fahren, »was im Übrigen für alle Verkehrsteilnehmer, also auch für die Radfahrenden, auf Fahrradstraßen die zulässige Höchstgeschwindigkeit ist. Pkw und Motorräder dürfen dort Radfahrende weder behindern noch gefährden. Sie dürfen also nicht drängeln, wenn Radler nebeneinander fahren - was auf Fahrradstraßen übrigens ausdrücklich erlaubt ist«. Neben Pkw und Motorrädern werde die K 29 auch weiter für den landwirtschaftlichen Verkehr frei sein.

»Nun muss sich im Rahmen des Verkehrsversuchs zeigen, ob die Radfahrenden ihre neue Freiheit annehmen«, so Gefeller.

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