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Wo einst die Milchlings residierten

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Von: Debra Wisker

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Die alte Burg und das Edelhaus bilden eine Einheit. Foto: Wisker © Wisker

Mit der Geschichte von Treis an der Lumda untrennbar verbunden ist die Familie von Schutzbar. Die einstigen Machthaber waren seit dem Jahre 1000 in Treis und Umgebung ansässig.

Staufenberg . Mitten im Staufenberger Stadtteil Treis, diesseits und jenseits der Lumda gelegen, finden sich die alten Gemäuer der Wasserburg. Mit der Geschichte von Treis an der Lumda untrennbar verbunden ist die Familie von Schutzbar, genannt Milchling. Die einstigen Machthaber waren seit dem Jahre 1000 in Treis und Umgebung ansässig.

Ungefähr bis 1550 bewohnten beide Linien dieser Familie noch die Burg jenseits der Lumda, der steinerne Stock war nur noch eine Ruine. Die ältere und auch reichere Linie verließ etwas später den alten Stammsitz und residierte nun auf der gegenüberliegenden Seite der Lumda in ihrem neuen Wohnsitz, zu dem 1679 das »Ellhaus« hinzukam.

Unmut der Bürger

Nun gab es zwei Milchling’sche Burgsitze. Sehr zum Unmut der Bürger, die durch den Bau der zweiten Burg weitere Lasten zu tragen hatten und Einspruch beim Hofgericht in Marburg einlegten. Das urteilte dann, dass es »den von Milchlingen nicht gebühre, den Gemeinden Treis und Sichertshausen mit mehreren als ein Burgsitz zu belegen«. Als die Treiser sich weigerten, Baudienste zu leisten, pfändete der Gerichtsherr von Schutzbar ihre Pferde, auch dagegen setzten sich die Dorfbewohner zur Wehr. Um das Jahr 1584 waren die Brüder Caspar und Hans von Schutzbar Besitzer der Burg. Caspar von Schutzbar trieb die Teilung des Burgsitzes voran, sein Bruder Hans widersetzte sich dem. Caspar starb 1588, ohne die Teilung durchgesetzt zu haben. Nach seinem Tod wohnten die Brüder Hans und Eberhard in der Burg. Auch sie hatten erhebliche Streitigkeiten mit ihren Untertanen, weigerten diese sich doch, die geforderten Fahrdienste ohne jegliche Bezahlung zu leisten. Die Streitigkeiten zwischen Dorfbewohnern und Adelsherren ziehen sich durch die Geschichte hindurch. Sie drehten sich zumeist um die geforderten Dienste und Abgaben, sicherte gerade der Zehnt den Burgherren doch erhebliche Einnahmen. So blieb es nicht aus, dass sich der eine oder andere Bürger im Gefängnisturm wiederfand. Anno 1658 widerfuhr dies einem Georg Müller. Er hatte eine Magd in der Burg besucht, um Unzucht zu treiben. Das brachte ihm einen Tag und eine Nacht in Arrest ein. Schon während des Dreißigjährigen Kriegs war der Burgsitz nicht verschont geblieben, die Gebäude verfielen und die Ländereien verödeten. Mit dem Übergang der Burg an den Landgrafen von Hessen-Kassel im Jahr 1656 wurden hier Verwaltung, eine Rentei und das Justizamt untergebracht. Die Milchlings, einst alleinige Gerichtsherren, waren jetzt nur noch Mitgerichtsherren.

Ihr Besitz verkleinerte sich im Lauf der Zeit immer mehr. Vor allem ihre Untertanen, die Treiser, kauften ihnen nach und nach Land ab. 1801 wurde das alte Burghaus abgerissen und auf dessen Grundmauern ein neuer Bau, das Försterhaus, errichtet. Zudem erhielt das Dorf ein Staatsforstamt, bis 1818 stellten die Milchlings einen eigenen Förster, danach übertrugen sie dem Staatsförster die Mitverwaltung ihres Waldes.

Der letzte Lehensträger war Emanuel von Schutzbar, 1848 wurden alle Lehensverträge mit Kurhessen aufgelöst. Die Familie erhielt die noch bestehenden Besitztümer als Freigut, »Allgod« genannt. Um das Jahr 1900 war die Familie Milchling schließlich in alle Winde verstreut. Das im Jahr 1679 erbaute Edelhaus sowie die Burgruine wurden 1947 an die Gemeinde Treis verkauft. Heute befinden sich beide in privater Hand.

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