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»Zeit der Freundschaftsspiele vorbei«

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Großes Aufgebot bei der Kontrollaktion an der Kreisstraße K 29 unweit der Lumdabrücke. Foto: Heller © Heller

Zum letzten mal beließ es die Polizei auf der ersten außerörtlichen Fahrradstraße Hessens zwischen Daubringen und Lollar bei Belehrungen für Autofahrer.

Staufenberg/Lollar (voh). »Die Zeit der Freundschaftsspiele ist vorbei«, sagt Christian Zuckermann, Verkehrsdezernent des Landkreises Gießen und Polizei-Pressesprecherin Sabine Richter fügt hinzu: »Jetzt haben wir genug aufgeklärt«. Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller zeigt Verständnis, dass Änderungen und Neuheiten gerade im Straßenverkehr meistens für Kritik sorgen. So sei das auch mit dem Pilotprojekt der ersten außerörtlichen Fahrradstraße Hessens, dem Abschnitt der Kreisstraße K 29 zwischen der Großgasse (Daubringen) und der Ostendstraße (Lollar). Gefeller: »Da müssen wir durch«.

Am 14. Mai wurde die Fahrradstraße eröffnet. Den besonderen Stellenwert unterstrich damals die Anwesenheit von Jens Deutschendorf, Staatssekretär aus dem Hessischen Verkehrsministerium. Nach über sechs Wochen Eingewöhnungsphase wurde bewusst der Freitagnachmittag als Hauptverkehrszeit ausgewählt um, bevor dann scharf geblitzt wird, zur Vorbeugung eine Kontrollaktion durchzuführen. Diese fand wie schon anlässlich der Eröffnung mit großem Aufgebot statt. Unweit der Lumdabrücke (Bundesstraße B3) war auf der östlichen Seite an einer Einbuchtung und von Hecken gut getarnt, die Kontrollstation aufgebaut.

Zwei Hilfsmittel standen zur Verfügung. Es gab den Lockvogel in Gestalt von Sandra Müller-Vogeley (Fachdienstleisterin Verkehr beim Landkreis). Sie befuhr die K 29 mit dem Rad. Auf der Fahrradstraße dürfen Autos (keine Lkw) und Motorräder fahren, Radler jedoch nicht überholen, da die Straßenbreite dafür zu gering ist. Wurde Müller-Vogeley überholt, setzte sie einen Funkspruch zur Kontrollstelle ab damit der Autofahrer angehalten und belehrt werden konnte. Das zweite Hilfsmittel stand auf einem Stativ am Kontrollpunkt, eine Messkamera. Wer zu schnell fuhr, durfte sich ebenfalls freundliche Belehrungsworte anhören. Bis zum Eintreffen des Reporters waren etwa 60 Auto- und Motorradfahrer wegen Verstöße angehalten worden.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Kontrollstelle hat die Verkehrspolizei eine Radarmessstelle aufgebaut, wie man sie etwa innerörtlich kennt. Die zeigt die gefahrene Geschwindigkeit an. Höchstens 30 Stundenkilometer darf man auf der Fahrradstraße schnell sein. Eine weitere Radarmessstelle gibt es westlich der Lumdabrücke auf Lollarer Gemarkung. Beide Messstellen wurden schon Wochen vor der Eröffnung aufgestellt und bleiben dauerhaft bis zum Ende des Versuchsballons, Mitte November.

Gefeller meint, die außerörtliche Fahrradstraße sei als kleiner Beitrag zur Verkehrswende doch bedeutungsvoll. »Wir sollten nicht nur darüber reden.«

Mit den für die Verkehrsteilnehmer harmlosen Radarmessstellen werde die Geschwindigkeit eines jeden hier vorbei kommenden Fahrzeugs erfasst, informierte Thomas Baumgart vom Regionalen Verkehrsdienst Gießen der Polizei Hessen. Außerdem würde der Fahrzeugtyp festgestellt: Rad, Auto oder Motorrad. Darüber hinaus die Fahrtrichtung des Verkehrsteilnehmers. Somit könne man am Ende des halbjährigen Versuchs eine Auswertung machen. Die höchste bisher gemessene Geschwindigkeit (nicht am Kontrolltag) habe mit 164 Stundenkilometern ein Motorradfahrer hingelegt. Auf der engen kurvenreichen Strecke eine Art Selbstmordversuch. Die Schonfrist ist vorbei. Wenn das Ordnungsamt von Lollar oder Staufenberg demnächst seine Kontrollen durchführt, ist die Zeit des »erhobenen Zeigefingers« vorbei, so Baumgart. »Es gibt nur noch gerichtsverwertbare Fotos.«

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