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Autoputzen für den guten Zweck

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»Der Wagen ist sauber!« zeigen Maila aus Krofdorf (r.) und Leonie aus Großen-Buseck an. Rund 15 Minuten dauert es in Wißmar, bis die Jugendlichen ein Auto von innen geputzt hatten. Foto: Barnikol-Lübeck © Barnikol-Lübeck

Junge Christen sponserten ihre Spanien-Freizeit mit einer ungewöhnlicher Aktion. Sie putzten Autos in Wettenberg.

Wettenberg (bkl). Um die Mittagszeit wird es etwas ruhiger. Doch ab 13 Uhr steht schon wieder eine Autoschlange vor der evangelischen Kirche in der Wißmarer Pfarrstraße.

Dort sind 23 Jugendliche, die meisten aus Wetzlar und Wettenberg, dabei, private Autos gegen Spende von innen zu reinigen. Jede Menge Cockpit-Spray in vier Duftnoten sowie Glasreiniger, Tücher, Pinsel, blaue Tüten und neun Staubsauger stehen zur Verfügung, um dem Dreck den Garaus zu machen.

56 Autos, darunter zwei »Oldtimer«, Baujahr 1964 und 1975, sind innerhalb von sechs Stunden am Samstag geputzt worden. Ein Rekordbetrag von rund 1350 Euro, darunter eine Einzelspende von 200 Euro, ist dabei für die nächste Jugendfreizeit zusammengekommen.

»Da mein Auto eine Reinigung ohnehin nötig hatte, habe ich es hierhergefahren. Ich freue mich, dass ich gleichzeitig noch etwas für den guten Zweck tun kann«, sagt Thomas Stroh, der aufgrund der Mitteilung im kommunalen Amtsblatt vor Ort ist.

Viele haben vom Autoputzen an der Kirche auch über Whats-App und Instagram erfahren, wo die Aktion gepostet wurde. Unterstützt wird mit dem Erlös die Sommerfreizeit im nächsten Jahr. »Für unsere geplante Spanien-Reise ist das eine tolle Fundraising-Idee«, findet Barbara Agricola, Jugendmitarbeiterin der evangelischen Kirchengemeinde Wetzlar, die mit den Verantwortlichen für die Jugendarbeit in Wettenberg kooperiert.

Die Jugendlichen seien sehr motiviert, berichtet Joscha Kuttler, der neue Jugendreferent aus Krofdorf-Gleiberg. Die Aktion werde gut angenommen. Manche Leute kämen auch einfach so vorbei, nur zum Spenden. Zehn Euro sollten mindestens gegeben werden, doch dieser Betrag werde immer übertroffen.

Einige Jugendliche, wie Maila aus Krofdorf, Lars aus Launsbach und Sofia aus Großen-Buseck waren mit bei der kirchlichen Kroatienfreizeit in diesem Jahr. Die hat ihnen so gut gefallen, dass sie im nächsten Jahr wieder mitfahren wollen. Klar, dass sie da mitanpacken, damit die angesichts der derzeitigen politischen Lage steigenden Kosten gestemmt werden können. »Ich finde die Aktion ganz großartig«, sagt Astrid Dietmann-Qurck. »Die Jugendlichen halten nicht nur die Hand auf, sondern tun etwas dafür. Außerdem ist die Aktion sehr gemeinschaftsfördernd.« Ursula Mayer ergänzt: »Ich finde diese Idee auch sehr gut. Ich darf nichts Schweres heben und könnte mein Auto gar nicht allein reinigen.«

Wer sein Auto putzen lässt, kann sich in der Zwischenzeit mit Kaffee und Kuchen im Gemeindehaus versorgen. Den Kuchen haben die Jugendlichen mitgebracht. Die Stücke werden ebenfalls gegen Spende abgegeben. Carolin Höß, seit vielen Jahren Mitarbeiterin in der Kirchengemeinde, betreut die Ausgabe der Leckereien. Sie war ebenfalls bei der Kroatienfreizeit in diesem Jahr dabei und dort in der Küche tätig. »Es war wunderbar und die Jugendlichen einfach phänomenal«, freut sich Diakon Ernest Aguirre aus Wißmar, der die Aktion federführend koordiniert hat. »Keiner hat sich gedrückt, denen hat es richtig Spaß gemacht.« Zudem habe es trotz gegenteiliger Vorhersagen nie richtig geregnet. Die Gebete hätten geholfen. Und die nächste Putzaktion ist schon für das Frühjahr geplant.

Kommunale Unterstützung gab es auch: Unterhalb der Kirche durften die Poller entfernt werden. So wurde aus der Pfarrstraße für die Zeit der Aktion eine Einbahnstraße, damit die Autos staufrei ein- und ausfahren konnten.

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