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Corona fördert Camping-Boom

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Kulisse mit Algen: So ein Bild aus dem Jahr 2020 soll es in diesem Sommer am See nicht mehr geben. Archivfoto: Meina © Red

A, Wißmarer See ist man für Saison gerüstet. Und das Algenproblem scheint gelöst.

Wettenberg . Die ersten Camper haben ihren Grill bereits angeheizt und es sich rund im dem Wißmarer See auf den Stellplätzen gemütlich gemacht. Fast täglich erhält Pächter Mike Will über das neu eingerichtete Online-Reservierungsportal bis zu drei Anfragen, was recht ordentlich für diese Jahreszeit ist. Da viele noch vor größeren Auslandsreisen aufgrund der Corona-Pandemie zurückschrecken, rechnet Will auch in diesem Jahr wieder mit vielen Campern. Da kommt es gerade zur rechten Zeit, dass die Stellplätze auf Bauabschnitt drei und vier fertiggestellt wurden. Bis zum offiziellen Saisonstart Anfang April wurden alle Arbeiten abgeschlossen, sodass Wohnwagen und Wohnmobile dort einen Platz einnehmen können.

Viel hat sich in den vergangenen sechs Jahren am Wißmarer See verändert. Seit Will das Areal 2015 für zehn Jahre gepachtet hat, sind mehrere Modernisierungen durchgeführt worden, die zu einer Attraktivitätssteigerung des Naherholungsgebiets in Wettenberg geführt haben.

Zur neuen Camping-Saison sind bereits viele Buchungen für den Platz eingegangen, sodass sich Will »nicht beschweren kann«. Das sagt er im Gespräch mit dem Anzeiger.

Damit er auch für die Zukunft besser planen kann, hat der Pächter der Kommune bereits vor einiger Zeit angeboten, das Freizeitareal künftig im Rahmen eines Erbbaupachtvertrags zu betreiben. Von den politischen Entscheidungsträgern hofft er nun, dass sie positive Signale für seinen Plan senden.

Coronabedingter »Camping-Boom«

Auch im vergangenen Jahr erlebte der Wißmarer See trotz oder auch gerade wegen der Corona-Pandemie einen »echten Camping-Boom«, unterstreicht Juniorchefin Elisa Will. »Da hatten wir ordentlich zu tun«, fügt Wills Tochter hinzu. Die 19-Jährige macht aktuell ihre Ausbildung zur Restaurantfachfrau auf der Burg Gleiberg bei Axel Horn und hilft nebenbei ihren Eltern, wo sie nur kann.

Sie ist zusammen mit ihrem Vater zertifizierte Campingplatzmanagerin und ist in alle Angelegenheiten, die den Campingplatz betreffen, eingebunden. So betreut sie beispielsweise die Saison-Camper, zeigt ihnen bei Führungen das Areal und führt Gespräche mit Interessenten. Ihre Berufsauswahl hat sie bewusst getroffen, um, wenn alles nach Plan läuft, im August nach Ende ihrer Ausbildung voll in den elterlichen Betrieb einzusteigen, um ihn perspektivisch irgendwann zu übernehmen. »Ich bin mit dem Campingplatz groß geworden. Die Gastronomie liegt mir dabei besonders am Herzen«, sagt die 19-Jährige. Sie wie auch ihre Eltern hoffen, dass ihr Engagement weitere Jahre abgesichert wird.

Unter den Kommunalpolitikern scheint man mit seiner Arbeit zufrieden zu sein. Ein Beschluss, dass der Gemeindevorstand die Verhandlungen mit Will aufnehmen soll, wurde bereits im Oktober des vergangenen Jahres gefasst. Der Übergang zwischen Ex-Bürgermeister Thomas Brunner und Marc Nees hat allerdings zu Verzögerungen geführt. Doch Nees ist bereits bei Familie Will vorstellig geworden und hat sich vor Ort ein Bild gemacht.

Zu den laufenden Verhandlungen sagt er, dass diese erst begonnen hätten. »Es gilt zunächst zu prüfen, welche Nachlässigkeiten es seitens der Gemeinde in den vergangenen Jahren gegeben hat und auch was eventuell von Herrn Will noch getan werde muss«, sagt Nees auf Nachfrage. Eine genaue Zeit, wann es zum Vertragsschluss kommt, kann der Bürgermeister daher aktuell nicht nennen. Bis Ende des Jahres sollte alles in trockenen Tüchern sein, denkt Nees.

Will will gerade vor dem Hintergrund, das der Nachwuchs mitmachen möchte, Planungssicherheit für die gesamte Familie. In den vergangenen sechs Jahren habe er etwa zwei Millionen Euro Eigenkapital in das Areal gesteckt und will am Ende nicht so dastehen wie Schillers Mohr: »Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen.«

Doch nicht nur er und seine Familie hängen in der Warteschleife, sondern auch seine rund 15 Angestellten würden gerne wissen, wie es weiter geht. »Wir hoffen, dass sich die Verhandlungen nicht zu sehr in die Länge ziehen, sodass uns am Ende Mitarbeiter aufgrund der unsicheren Zukunft verlassen. Denn bei uns ist jeder wichtig«, hebt Ehefrau Michaela hervor.

Sollte er das Areal auf längere Sicht bewirtschaften können, hat Will bereits konkrete Pläne im Kopf. An erster Stelle steht dabei die Gastronomie, denn das Lokal »Kormoran«, früher »Haus am See«, sei mittlerweile stark in die Jahre gekommen, was vor allem an der Bausubstanz deutlich zu erkennen sei. »Zudem bedarf es eines neuen Kiosks, eines Kinderspielplatzes und eines neuen Minigolfplatzes«, fügt der Pächter hinzu. Seiner Familie schwebt ein »Vier- oder gar Fünf-Sterne-Campingplatz« zukünftig vor. Will strotzt vor Ideen, will weiter vorankommen.

Blaualgenproblem scheint gelöst

Positive Nachrichten gibt es seitens der Verwaltung zum leidigen Problem mit den Blaualgen im Badesee.

»Die Wasserqualität im Badesee nimmt einen positiven Verlauf«, verkündete Bürgermeister Nees bei der Gemeindevertretersitzung im März. Nachdem 2019 und 2020 der See aufgrund zu hoher Werte bezüglich der problematischen Blaualgenart gesperrt werden musste, wurde er bereits im Februar 2020 mit Bentophos behandelt, um ihn in einen nährstoffärmeren Zustand zu bringen. Mit der modifizierten Tonerde werden in Gewässern überschüssige Phosphate gebunden.

Für die Bekämpfung der Algen investierte die Gemeinde eine fünfstellige Summe. So konnte im vergangenen Jahr zumindest auf eigene Gefahr gebadet werden. Die Behandlung des Sees wurde 2021 fortgeführt, sodass er die kritische Schwelle unterschritt und die Qualität des Seewassers weiter erhöht werden konnte. Die Blaualgen verschwanden, sodass laut Verwaltung einer Badesaison in diesem Som- mer nichts im Wege stehen sollte.

Auch Pächter Will attestiert der Gemeinde gute Arbeit. »Eine deutliche Steigerung der Qualität ist erkennbar. Untersuchungen finden regelmäßig statt. Völlig verschwunden sind die Algen allerdings nicht.« Das Hauptproblem für die immer wieder auftretende Plage im Wasser sieht er im recht flachen See.

Bei regelmäßig hohen Temperaturen heize sich der schnell auf, was die Produktion der Blaualge unterstütze.

Trotz der eigenen Unsicherheit freut sich Familie Will auf die kommende Sommerzeit. Und natürlich auf viele Gäste beim Sonnenbaden am See.

Kinder bis 14 Jahren sind frei. Jugendliche von 15 bis 17 Jahren zahlen drei Euro, ab 18 kostet die Tageskarte vier Euro. Schwerbehinderte (G) sind mit zwei Euro dabei. Die Saisonkarten kosten für Erwachsene 45 Euro, für Jugendliche (15 bis 17 Jahre) 35 Euro. Schwerbehinderte (G) zahlen 40 Euro und Familien 95 Euro. Senioren über 65 sind frei. Für Jugendliche gibt es zudem noch die Hessen-Sommerferienkarte zu 16 Euro. (lth)

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Ein solches Schild soll es in diesem Jahr nicht mehr geben. © Red

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