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»Denke, der Start ist mir gelungen«

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100 Tage Schonzeit spricht man einem neuen Bürgermeister gerne zu. Diese endet heute für den neuen Chef im Wettenberger Rathaus, Marc Nees. Foto: Theis © Theis

Wettenbergs Bürgermeister Marc Nees ist 100 Tage im Amt. Anzeiger Redakteur Leandro Theis unterhielt sich mit ihm.

Wettenberg . Es war ein Start mit kleinen Komplikationen. Denn seine eigentliche Amtseinführung musste Marc Nees Ende Januar aufgrund von Krankheit verschieben. So wurden die Geschicke der Gemeinde bis zum 11. Februar vom Ersten Beigeordneten Ralf Volgmann gelenkt. Doch mittlerweile hat sich der neue Rathauschef in der Gemeindeverwaltung gut eingelebt und zieht im Gespräch mit dem Anzeiger nach 100 Tagen im Amt ein erstes Resumee.

Bedingt durch die Corona-Pandemie verlief der Einstieg für Nees nach eigenem Em-pfinden etwas entspannter. »Dennoch hatten wir direkt Themen auf unserer Agenda, wie den Masterplan 2030 oder den Entwurf zum Regionalplan, der ja in allen Kommunen umfangreich diskutiert wurde«. Die Ausweisung von zwei Spielstraßen in Wißmar zählen zu den ersten Amtshandlungen des neuen Verwaltungschefs, der die ersten Wochen und Monate vor allem dazu nutzte, sich vorzustellen und bekannt zu machen. »Ich habe natürlich nicht alles umgekrempelt. Das war auch gar nicht vonnöten, ich habe lediglich an kleinen Stellschrauben gedreht und geschaut welche Funktionen, wo erledigt werden.« So wurde beispielsweise ein Führungskreis bestehend aus den Hauptamtsleitern gegründet, der einmal wöchentlich zusammen kommt, um Dinge möglicherweise zu hinterfragen, damit sie besser gemacht werden können. Von allen Mitarbeitern sei er freundlich und herzlich aufgenommen worden.

Vieles aktuell in der Pipeline

Aktuell stecke er in den Vorbereitungen zur Verkehrsschau, die bald ansteht. Diesbezüglich habe er die vergangenen Wochen viele Termine zum Thema ruhender Verkehr wahrgenommen. »Allgemein ist das Thema Verkehr in den kommenden Jahren von großer Bedeutung«, erklärt Nees. Der erste Spatenstich für die neue Kita Finkenweg steht kurz bevor, ebenso wie der Neubau der Halle für die Feuerwehr in Wißmar, die »Nau Schul« in Launsbach sowie der Wunsch der Verwaltungsmitarbeiter nach einer neuen Verwaltung befinden sich in der Pipeline.

Sein Wahlversprechen auf der Gemeinde einen Ansprechpartner für die Vereine zu schaffen, hat er bereits umgesetzt. Tamara Simon, die im Vorzimmer des Bürgermeisters sitzt, zeichnet dafür nun verantwortlich.

Sein Tagesablauf habe sich seit dem 11. Februar komplett verändert. An vier von fünf Werktagen komme er erst spät am Abend nach Hause. Die Familie habe dafür volles Verständnis, da dies bereits im Vorfeld allen bewusst gemacht wurde und er selbst war darauf vorbereitet. »Bereits lange bevor ich meine Kandidatur bekannt machte, hatte ich viele schlaflose Nächte, in denen ich vieles durchgegangen bin. Rückblickend kann ich sagen, dass mir das heute zugute kommt, denn bislang gab es noch kein Thema, auf das ich unvorbereitet war«, sagt Nees und klopft lächelnd dabei auf Holz. Dass der Job des Bürgermeisters keinen Feierabend kenne, finde er »absolut nicht lästig«, sondern er freue sich immer mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen.

Seinen Ausgleich vom Arbeitsalltag findet er bei seiner Familie und seinen Freunden. Die Stammtischabende mit Freunden, die einmal in der Woche stattfinden, versucht er, wann immer möglich, zu besuchen. »Ein paar Stunden mit Freunden zu verbringen, in denen auch mal andere Themen zur Sprache kommen, das genieße ich sehr«, so der Wißmarer.

»Diskussionen sind am Gemeinwohl orientiert«

Sitzungen der Gemeindevertretung oder anderen Gremien nehme er bislang sehr positiv wahr. Er befinde sich mit allen Fraktionen in einer offenen Diskussion. In seiner Unabhängigkeit als Bürgermeister ohne Mehrheit im Parlament sieht er weiterhin keinen Nachteil.

»Ich spüre, dass die Sachdiskussion ganz klar im Vordergrund steht und weniger parteipolitische Dinge. Die Diskussionen sind immer an der Sache und am Gemeinwohl orientiert.« Er sei zwar immer noch ein »Newcomer« in diesem Bereich, habe aber das Gefühl, dass seine Stimme Gewicht habe und auch gehört wird. »Diesen Respekt, der mir entgegengebracht wird, gebe ich auch genauso an die Entscheidungsträger zurück. Ich blicke deshalb freudig der Zukunft entgegen«. Herausforderungen für die kommenden Jahre sieht er vor allem beim Thema Kosten. »Bei Bauprojekten müssen wir mit Verzögerungen und Kostensteigerungen rechnen. Da dürfen wir nichts blauäugig angehen. Ausgaben müssen wir in den Griff bekommen. Dabei gilt es auch nachzuschauen, ob möglicherweise bereits getroffene Entscheidungen, noch so nötig sind oder ob es welche gibt, die eingespart werden können«, sagt der Bürgermeister.

Sowohl im ruhenden als auch im bewegten Verkehr sieht Nees für die nächsten Jahre viel Beschäftigung auf die Verwaltung zukommen. Auch das Thema Forstwirtschaft und Bejagung wird in Zukunft interessant werden. »Wir bekommen bald ein Waldgutachten, das soviel ich weiß, nicht gut ausfallen wird.« Außerdem wird die Entwicklung eine wichtige Rolle in den kommenden Jahren spielen. »Hier gilt es zu schauen, wo möglicher Wohnraum geschaffen werden kann und auch wo Gewerbeansiedlung möglich ist.«

Bei vielen seiner Amtskollegen ist Nees vorstellig geworden. Als erstes selbstverständlich bei denen, die in unmittelbarer Nähe zu Wettenberg sind. Auch von dieser Seite aus, habe ihm jeder Hilfe angeboten, falls nötig. Besonders freut er sich auf die gemeinsame Fahrt aller Bürgermeister und einer Bürgermeisterin aus dem Landkreis in diesem Jahr.

Er bezeichnet sich selbst noch als »Newcomer« und empfindet dies auch als keineswegs schlecht. Marc Nees hat sich ohne große Erfahrung in Sachen Verwaltung und ohne Parteizugehörigkeit gut in das Amt des Bürgermeisters eingearbeitet. Bei Sitzungen der Gemeindevertretung oder der verschiedenen Ausschüsse sitzt er keinesfalls scheu auf seinem Platz und hört den Diskussionen zu, sondern er bringt sich dort ein, wo er kann und ergreift gerne selbst das Wort. Man spürt, dass er nicht unvorbereitet und blauäugig das Amt des Rathauschefs angetreten hat. Bei Themen, die Nees noch ausloten muss, hält er sich bewusst zurück. Aber auch das wird sich mit der Zeit ändern. Ich teile deshalb die Selbsteinschätzung von Marc Nees und sage ebenfalls: Der Start ist gelungen. Leandro Theis

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