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Finanzmittel zur Klimaanpassung

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Von: Frank-Oliver Docter

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Im Beisein der neuen Klimaanpassungsmanagerin Dr. Elisabeth Schmitt (mit Zettel in der Hand) und der Ausschussmitglieder unterschreibt Bürgermeister Marc Nees für die Teilnahme an der EU-Mission »Anpassung an den Klimawandel«. Foto: Docter © Docter

Der Bauausschuss sprach sich einstimmig für den Beitritt Wettenbergs zu einem EU-Netzwerk aus. Derweil macht der Zustand des Freibads große Sorgen. Fortschritte gibt es beim neuen Rathaus.

Wettenberg . Ihren allerersten, von vielen schon mit Spannung erwarteten öffentlichen Auftritt hatte die neue Wettenberger Klimaanpassungsmanagerin Dr. Elisabeth Schmitt am Donnerstagabend im Bauausschuss. Ist es doch das erste Mal überhaupt, dass in der Gemeindeverwaltung ein solcher Posten eingerichtet wurde. Die erfahrene Landschaftsökologin führte sich bestens ein: Fertig zur Unterschrift mitgebracht hatte sie die Unterlagen zum Beitritt Wettenbergs zur EU-Mission »Anpassung an den Klimawandel«. Einem europaweiten Netzwerk, dem einmal mehrere Hundert Kommunen und Regionen angehören sollen, um sich über verschiedenste Klimaanpassungsmaßnahmen auszutauschen.

Bürger mitnehmen

Laut Schmitt sind hiermit mehrere Vorteile verbunden. Zum einen erhält man Zugriff auf allerlei wissenschaftliche Daten, Kenntnisse zum Risikomanagement und anderswo gemachte Erfahrungen beim Umgang mit den Auswirkungen des Klimawandels wie Starkregenereignissen, Überschwemmungen oder Dürre- und Waldschäden. Vor allem aber würde man mit der Mitgliedschaft »die Türen zu finanziellen Mitteln öffnen, die sonst nur ganz schwer zu bekommen sind«, betonte sie.

Andererseits könne Wettenberg aber auch Geld einsparen, da durch den »Erfahrungsaustausch« über Grenzen hinweg »nicht jede Gemeinde das Rad neu erfinden muss«. Bei alldem sei es aber »wichtig, die Bürger mit ins Boot zu holen« und bei der Entwicklung von Maßnahmen zum alltäglichen Leben mit den Klimawandel-Folgen zu beteiligen, verdeutlichte die 62-Jährige. Für ihr Engagement schon vor dem eigentlichen Dienstantritt - Schmitt hatte das EU-Programm selbst entdeckt - gab es lobende Worte, so auch von Bürgermeister Marc Nees (parteilos), der nach einstimmigem Votum seine Unterschrift auf das Dokument setzte. »Sie hat uns eine Welt eröffnet, in die wir so schnell nicht hineingekommen wären«, sagte er in Richtung von Elisabeth Schmitt.

Der nächste Tagesordnungspunkt war dann längst nicht mehr so erfreulich. Denn bei der Erörterung der Finanzmittel für Bau- und Sanierungsmaßnahmen, die im Haushaltsplan 2023 eingestellt sind, zeigte sich, dass auf das Gemeindesäckel ein weiteres teures Problem zukommt: Für den Erhalt des Freibads »Gleiberger Land« sei nämlich in den kommenden fünf bis sieben Jahren »ein mittlerer einstelliger Millionenbetrag« erforderlich, rechnete Nees vor. Schwimmbecken und Technik wie die zur Aufbereitung des Wassers genutzte Chlorgasanlage sind großteils noch auf dem Stand der 60er und 70er Jahre. Die durch das Alter entstandenen Probleme verlangten vielfach »eine grundhafte Erneuerung«, zeigte er sich realistisch. Und gestand, selbst »noch keine richtige Idee« zu haben, wie die Gemeinde damit umgehen soll. »Kleine Verbesserungen« jedenfalls würden das Gesamtproblem langfristig nicht lösen.

Eine Kostenberechnung vor drei Jahren hatte ergeben, dass allein der komplette Neubau eines der großen Becken schon rund fünf Millionen Euro kosten würde. Dagegen ist die nun geplante Erneuerung des ebenfalls schon arg in die Jahre gekommenen Kinderplanschbeckens fast schon günstig zu nennen. Hierfür sind 25 000 Euro vorgesehen. Zudem werden 65 000 Euro für die Weiterführung der Pflasterarbeiten investiert. Auf der Einnahmenseite durch Eintrittsgelder ist offenbar keine finanzielle Rettung zu erwarten, denn die Unterdeckung gegenüber den Betriebskosten lag im vergangenen Jahr bei etwa 200 000 Euro. Und das, obwohl die Einnahmen durch eine Gebührenerhöhung verdoppelt werden konnten. Allerdings sind Freibäder nun mal sehr wetterabhängig.

Abriss für Neubau

Auf einem deutlich besseren Weg befindet sich das neue Wettenberger Rathaus, genauer gesagt, der Anbau, der mit dem historischen Gebäude über einen Durchgang verbunden werden soll. Dafür muss jedoch erst einmal Platz geschaffen werden. Hierzu soll noch dieses Jahr das nicht mehr genutzte frühere Gebäude der Peronalverwaltung am Sorguesplatz abgerissen werden. Dafür sind im Haushalt 66 000 Euro eingestellt.

Der Bauantrag für den Nachfolgebau ist jetzt beim Landkreis eingereicht worden, vermeldete Kai Mandler, der bei der Gemeinde den Fachbereich Bauen & Planen leitet. Das neue Gebäude, in das laut Marc Nees »der Großteil der Verwaltung umziehen soll«, wird eine Gesamtnutzfläche von circa 1150 Quadratmetern haben und rund vier Millionen Euro kosten. Die Arbeiten hierfür beginnen jedoch erst im kommenden Jahr.

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So soll der Rathausneubau beziehungsweise -anbau aussehen. Grafik: Gemeinde Wettenberg © Red

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