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»Kein gelber Schuhkarton«

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Auf rund 1200 Quadratmetern bietet Inhaber Sven Koning in seinem neuen Edeka-Markt Lebensmittel und sonstige Produkte des täglichen Bedarfs an. © Projekte Laumann

Lange wurde um die Zukunft des Edeka-Marktes in Krofdorf-Gleiberg gerungen. Der Neubau sorgt nun für Begeisterung bei allen Beteiligten.

Wettenberg . »Gut Ding will Weile haben« heißt ein Sprichwort, das auch auf den Edeka-Markt in Krofdorf-Gleiberg zutrifft. Im Dezember 2020 war der Neubau an der Hauptstraße in der Gemeindevertretung beschlossen worden. Doch bereits 2013 hatten sich Bürger für den Erhalt des Marktes eingesetzt. Schnell wurde eine Initiative gegründet, die mit einer Unterschriften-Aktion dazu aufrief, dass der Edeka im Ortskern und eben nicht auf der »grünen Wiese« entstehen sollte. Nach zehn Monaten Bauzeit war es im Dezember soweit: Der neue Edeka, der auf rund 1200 Quadratmetern alles bietet, was man für das tägliche Leben braucht, wurde eingeweiht. Nach rund sieben Wochen Betrieb blicken Bürgermeister Thomas Brunner (SPD), Inhaber Sven Koning und Investor Kai Laumann im Gespräch mit dem Anzeiger zurück und ziehen eine erste Bilanz.

Für Brunner ist die Fertigstellung des Marktes noch vor Ende seiner Amtszeit in gewisser Weise ein besonders schönes Abschiedsgeschenk. »Dass ich bei der Einweihung noch dabei sein durfte, freut mich sehr, denn das Projekt war für mich eine Herzensangelegenheit mit dem ständigen Ziel vor Augen, unseren Markt zukunftsfähig zu machen«, erklärt der Bürgermeister, der Ende Januar aus dem Amt scheidet. Ohnehin war die Causa »Edeka-Markt in Krofdorf« ein Punkt, der ihn während seiner gesamten ersten und vor allem in der zweiten Amtszeit über »ständig umgetrieben« hatte und immer auf seiner Agenda stand.

Dass der alte Edeka-Markt mit seinem rund 50 Jahre alten Gebäude und einer 450 Quadratmeter großen Verkaufsfläche keine Zukunft hatte, stand für alle Beteiligten bereits früh fest. Die Frage, die sich in der gemeindlichen Politik jedoch immer wieder stellte, war die nach dem geeigneten Ort. So war unter anderem auch eine Verlagerung des Marktes an den Ortsrand im Gespräch. Vor allem die nur rund 50 Parkplätze, die bei der Neuentwicklung im Bestand möglich waren, dienten als Argument für die Verlagerung.

Brunner war stets ein Fürsprecher, den Markt in der Ortsmitte zu belassen. Er habe sich auch von Rückschlägen nicht beirren lassen. »Diese habe ich immer zum Anlass genommen, um ihnen mit neuem Schwung entgegen zu wirken.« Am Ende war es der Wettenberger Investor Kai Laumann, der die politischen Entscheidungsträger mit seinen Plänen überzeugte. Er bekam für das Projekt »Dorfmitte Krofdorf« und somit auch für den Bau des neuen Edeka-Marktes den Zuschlag.

Immer wieder neue Herausforderungen

Neben dem Markt soll bis Mitte April zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden. In der Hauptstraße 10 wird ein altes Gebäude saniert, das Platz für drei Wohneinheiten bietet. Als Hausnummer 14 entsteht ein Neubau mit drei Einheiten. Bereits vollendet ist das Ärztehaus (Hauptstraße ), welches als sogenanntes Holzhybridhaus gebaut wurde. Hier zieht eine Praxis für Allgemeinmedizin ins komplette Untergeschoss ein. Im Obergeschoss sind drei weitere Wohneinheiten entstanden.

»Ich bin mit dem Projekt voll ins Risiko gegangen und wurde nun dafür belohnt«, sagt Laumann rückblickend. Denn Herausforderungen gab es für den Investor bis zur Eröffnung immer wieder. Anfangs mussten Grundstücke zusammengekauft und die Bestandsgebäude abgerissen werden. Mit mehreren Eigentümern mussten nicht immer leichte Gespräche geführt werden, bis im Februar 2021 der symbolische erste Spatenstich vollzogen wurde. Im Juli wurde Richtfest gefeiert. Trotz Corona-Pandemie und daraus resultierender Lieferengpässe wurde das bereits im Februar gesteckte Ziel, den Markt Anfang Dezember zu eröffnen, erreicht. Besonders beeindruckend und reibungslos sei der Übergang des Marktbetriebes verlaufen. »Der alte Edeka hatte keinen einzigen Tag baubedingt geschlossen«, erläutert Laumann.

Darüber freut sich auch Inhaber Sven Koning. Dieser bezeichnete die ersten Wochen im neuen Markt als »ganz normalen Wahnsinn« und meint damit den großen Zuspruch, den er von der Kundschaft erfahren habe. »Er wird bislang richtig gut angenommen«, so Koning. Das einzige Problem seien die noch nicht fertiggestellten Parkplätzen, was auch eine erschwerte Anlieferung zur Folge hat. Bis März soll dies erledigt sein und die Kunden können die rund 50 Parkplätze nutzen, kündigt Laumann an.

»Wenn alles fertig ist, haben wir hier einen schönen Dorfmittelpunkt in Krofdorf«, freut sich Koning. Alleine optisch sei der neue Markt ein »Riesen Unterschied« im Vergleich zum alten, ergänzt Laumann. Ihm war es von Anfang an wichtig, dass der Markt bereits mit seinem äußeren Erscheinungsbild heraussticht und »kein gelber Schuhkarton« wird.

Besonders freut es den in Wettenberg heimischen Investor, dass der Platz in der neuen Dorfmitte der Gemeinde gehört. »Man hat von dort aus einen wunderbaren zentralen Blick auf die Burg Gleiberg. An Wochenenden können dort Flohmärkte stattfinden oder in der Vorweihnachtszeit ein Weihnachtsmarkt.« Für ihn war immer klar, dass das Areal ein Begegnungsplatz für alle Bürger werden soll. »Die Älteren sollen zusammenkommen, um ein Schwätzchen zu halten und genauso soll er für Jugendliche ein zentraler Ort sein, um sich zu treffen.«

Ein derart großer Einzelhandel inmitten eines dicht bebauten Ortskerns ist in Kommunen eine Seltenheit. Spätestens im April, wenn das gesamte Areal fertiggestellt wird, »schauen nach der Umsetzung des Projektes Viele nach Wettenberg«, ist sich der Bürgermeister abschließend sicher.

1954 eröffnet die Betreiberfamilie Kindler den Edeka-Markt an der Hauptstraße in Krofdorf. Sohn Josef Kindler, genannt »Peppi«, übernimmt später den Markt seiner Eltern und führt diesen bis Mitte der 90er Jahre.

Kindler übergibt den Staffelstab im Juni 1997 an Burkhard Huber, der bereits zuvor den Edeka-Markt in der Grünberger Straße geleitet hatte.

19 Jahre später gibt Huber im April 2016 den Markt in der Krofdorfer Dorfmitte an seinen ehemaligen Auszubildenden Sven Koning ab. Dieser führt seitdem die Tradition fort.

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Der alte Markt ist abgerissen worden. Dort sollen nun Parkplätze entstehen. Archivfoto: Jahn © Lukas Jahn

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