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Klimawandel macht Wald zu schaffen

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Von: Frank-Oliver Docter

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Die Gemarkung Wettenberg ist reich an Waldflächen, hier ein Blick ins Fohnbachtal. Foto: Gemeinde Wettenberg © Gemeinde Wettenberg

Beim »Waldforum Wettenberg« diskutierten Forstexperten und Vertreter von Gemeinden und Interessengruppen über die Zukunft der Wälder, die durch die Folgen der Klimaveränderungen bedroht sind.

Wettenberg . Der Wald in Deutschland hat die schlimme Zeit des sauren Regens einigermaßen überstanden. Doch inzwischen droht ihm eine neue Gefahr: Infolge des Klimawandels kommt es häufiger zu Trocken- und Dürreperioden. Es wird weniger Wasser im Boden gespeichert, auf das die Wurzeln inklusive Nährstoffen zugreifen können. Dies alles schwächt die Bäume und macht sie weniger widerstandsfähig gegen den zugenommenen Schädlingsbefall, vor allem durch Borkenkäfer, und Stürme. Am Ende können sie sogar absterben. Manche Baumart, die seit Jahrtausenden hierzulande die Wälder prägt, erscheint auf einmal ungeeignet, auch in Zukunft noch den Klimawandelfolgen standhalten zu können.

Diese Entwicklung und Unsicherheit treibt auch die Mitarbeiter des Forstamts Wettenberg um. Dort ist man für etwa 14 000 Hektar Waldflächen weit über die Gemeindegrenzen hinaus zuständig, die von neun Revierförstereien bewirtschaftet werden und zu denen unter anderem auch der Gießener Stadtwald gehört. Beim ersten »Waldforum Wettenberg« am Dienstagabend im dortigen Holz- und Technikmuseum tauschten sich Forstexperten mit Vertretern heimischer Kommunen und Naturschutzverbände aus.

Inventur läuft

Derzeit läuft im Forstamt Wettenberg für 5800 Hektar Staatswald - darüber hinaus kümmert man sich im Amt um 8100 Hektar Kommunalwald und Fauna-Flora-Habitat-Gebiete (FFH) - die sogenannte Forstbetriebsplanung, mit der die Weichen für die kommenden zehn Jahre Waldbewirtschaftung gestellt werden und die gesetzlich geregelt ist.

Hierzu werden Bäume gezählt, vermessen und ihr Zustand festgestellt. Zudem sind Naturschutzgruppen gebeten, mitzuhelfen und Informationen zum Beispiel zu von Tieren bewohnten Baumhöhlen weiterzugeben. Berücksichtigt für die Planung wird jedoch nicht nur die Holznutzung, sondern auch Aspekte zu Arten- und Biotopschutz, Bodenbeschaffenheit, Wasserrückhaltung, Waldpflege, Nachhaltigkeit sowie dem Wald als Erholungsort für den Menschen. Momentan sei man »mittendrin in dieser Inventur«, berichtete HessenForst-Regionalleiter Harald Dersch.

Auch die Populationen von Rot- und Damwild sollen für die Zukunftsplanung erfasst werden. Zumal die Tiere auf der Nahrungssuche für oftmals erhebliche bestandsgefährdende Verbiss- und Nageschäden an Bäumen sorgen. Hierzu hofft man auf Erkenntnisse durch die Überfliegungen der Waldgebiete voraussichtlich im kommenden Februar oder März, ließ Forstamtsleiter Ralf Jäkel wissen. Zum Einsatz kommen hierbei Ultraleichtflugzeuge mit Infrarotkameras, wodurch das Wild auch unter den Bäumen und im Unterholz lokalisiert werden kann. Gleichzeitig erhält man dadurch Kenntnisse über die Rückzugsorte der Tiere im Wald, die häufig noch unbekannt sind. Letzteres dürfte auch zum Thema werden, falls im Krofdorfer Forst in naher Zukunft einmal eines oder mehrere Windräder aufgestellt werden, wozu derzeit Überlegungen in der Wettenberger Politik laufen. Denn ihr Betrieb könnte die Lebensräume etwa von Vögeln und Fledermäusen beeinflussen.

Während im Forstamtsbereich zu 80 Prozent Laubhölzer dominieren, mit den führenden Baumarten Buche, Eiche und Edellaubholz, ist der Nadelholzanteil über die Jahre geschrumpft und liegt bei mittlerweile nur noch 20 Prozent. Vor allem der Fichtenbestand hat abgenommen, von elf auf nun fünf Prozent, berichtete David Biederbick von der Landesbetriebsleitung. Sorgen bereite aber auch die Buche, die »gelitten hat« und für die »viele Standorte perspektivisch nicht mehr geeignet sind«. Teilweise würde sie flächig absterben.

Wasserspeicher leer

Reine Buchenbewirtschaftung sei daher im Hinblick auf weitere Klimaveränderungen nicht zu empfehlen, stellte der HessenForst-Mitarbeiter klar. Gerade die vergangenen fünf Jahre hätten gezeigt, wie stark sich das Klima kurzfristig ändern könne. So seien aufgrund der zu geringen Niederschlagsmengen die Bodenwasserspeicher von Wäldern vielerorts sogar leer. Deshalb gelte es, künftig Mischwälder mit verschiedenen Baumarten zu forcieren, sagte der Forstexperte.

Gesucht sind Arten, denen die Auswirkungen des Klimawandels weniger ausmachen. Dies scheint zum Glück auf die auch in den Wäldern um Wettenberg weit verbreitete Eiche zuzutreffen. Die Auswahl anderer Baumsorten erfolge jedoch »nicht wahllos, sondern nach wissenschaftlichen Erkenntnissen«, verdeutlichte Biederbick. Das Forstamt würde hierzu »intensiv mit der Universität Gießen«, etwa mit der Bodenkunde, zusammenarbeiten, so Jäkel. Bei HessenForst möchte man offenbar auch in Zukunft auf Baumarten aus dem europäischen Raum setzen und nicht Sorten von anderen Kontinenten hier anpflanzen.

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