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»Kunstspinnerei« präsentiert Werke

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Wettenberg (hsch). Es ist wieder so weit, im Kunst- und Kulturkreis Wettenberg (KuKuK) ist eine neue Ausstellung zu sehen. Es sind wieder die Mitglieder der »Kunstspinnerei«, die jetzt »Verbindungen 2« zeigen. Die fünf »Spinner« können zum Glück ihre einfallsreichen und nicht selten hoch attraktiven Werke jetzt in Präsenz zeigen. Kürzlich fand die Vernissage in der Kunst- und Kulturhalle in der Goethestraße 4b statt.

Die Gruppe innerhalb des KuKuK besteht aus Klaus Engelbach, Mareike Engelbach (Gast), Harald Kessler-Rautenhaus, Heidi Rautenhaus und Günter Wirtz.

»Normalerweise finden die Ausstellungen der Kunstspinnerei als erste zu Beginn des Jahres statt«, erklärte Ines Scheurmann vom Vorstand in ihrer Begrüßung. »Da aber im vorigen Jahr coronabedingt auf die Präsentation in der Kunsthalle verzichtet werden musste, konnte die erste Ausstellung der Gruppe nur als Video im Netz gezeigt werden. Schon damals beschlossen die Akteure, einen zweiten Teil in diesem Jahr ganz normal als echte Ausstellung in der Halle für ein echtes Publikum zugänglich zu machen.« Auf diese Weise gelangen die Arbeiten nun an eine größere Öffentlichkeit.

»Gleiches oder Ähnliches kann sich zu einem Ganzen verbinden, genau wie Unterschiedliches oder Gegensätzliches. Dies kann in Harmonie enden - oder in einem großen Knall«, sagte Scheurmann.

»Auch in der Kunst gibt es natürlich Verbindungen: im Verhältnis von Schülern zu ihren Meistern, wie es seit dem Mittelalter üblich war, in Künstlergruppen, die sich seit dem 19. Jahrhundert zusammenfinden, in den künstlerischen Sicht- und Verfahrensweisen, die sich im Lauf der Zeit aus den jeweils früheren Kunststilen entwickelt haben.« Günter Wirtz las zur Vernissage einige eigene Gedichte.

Auffällig in der gelungenen Inszenierung der Schau sind die Holzskulpturen von Heidi Rautenhaus. Ihre zentral platzierte Arbeit fokussiert die Aufmerksamkeit des Besuchers zwar auf die Hauptwand, man kommt aber nicht einfach an ihr vorbei. Die aus großen, rindenfeien, gewachsenen Stämmen oder Ästen gefertigte Arbeit strahlt eine Lebendigkeit aus, die über die natürliche Belebtheit von Holz hinausgeht. Sie lässt in ihren weiteren Arbeiten die natürliche Form zurück und gestaltet das harte Material in rechteckigen Formen, die sie in farbigen Akzenten mit Schnüren pointiert.

Harald Kessler-Rautenhaus setzt einen attraktiven Verbindungspunkt in seinem Foto »Blauer Mann«, das einen blau gefärbten Darsteller zeigt, der neben einem Unbekannten sitzt, der zufällig ein blaues Hemd trägt. Traumhaft schön sieht Klaus Engelbachs »Friedhof auf Korfu« aus, den er in wärmstem Sonnenlicht sanft glühend fotografiert hat. Von geradezu dramatischer Intensität sind seine Giclée-Bilder, die anmuten wie Visualisierungen unbewusster Gefühlsregungen, und zum Teil sind sie das wohl auch. Rätselhaft bleibt, wohin die wunderschön verfärbte Eisentür in »Enigma« führt.

Eher sanfte Emotionen gehen von den Steinskulpturen von Heidi Rautenhaus auf den rechten Stelen aus. Mareike Engelbach wiederum findet in Wachs ihre Ausdrucksform und lässt in »Die Zwillinge« zwei von aus dem Wachs emporwachsenden Fäden umschlungene Figuren auf ihr Schicksal warten. Und das ist wieder noch lange nicht alles, man sollte für diese Schau nicht zu wenig Zeit mitbringen. Auch hier sind es neben den großen, »auffälligen« Arbeiten wieder die kleineren, gleichsam diskreteren Werke, deren Beachtung auf alle Fälle lohnenswert.

Noch bis zum 22. Mai an allen Wochenenden und Feiertagen von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Es gelten die jeweiligen Corona-Bestimmungen

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