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Mahner für den Frieden

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Nach der Gründung des Heimatvereins Zsàmbèk folgt wenige Wochen später die konstituierende Sitzung in der Gastwirtschaft Dix, mit dem neu gewählten 1. Vorsitzenden Matthias Tiefau † (5.v.l.) Archivfotos: Mattern © Volker Mattern

1988 wurde der Heimatverein Zsàmbèk gegründet. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich viel getan.

Wettenberg (mav). Im vergangenen Jahr jährte sich die Gründung des Heimatvereins Zsàmbèk, zum 35. Male. Auf der Jahreshauptversammlung war Gelegenheit, diesen Geburtstag zu würdigen. Kein anderer wäre prädestinierter gewesen, die Entwicklung des Vereins zu beleuchten, zu bewerten, sie einzuordnen und das vielfältige Engagement der zahlreich verantwortlich Handelnden angemessen zu würdigen: Ehrenbürgermeister Gerhard Schmidt tat dies im Kontext zu 75 Jahre Vertreibung, auf die ebenfalls im vergangenen Jahr zurückzublicken war und die als Folge des Zweiten Weltkrieges Millionen von Menschen ihre Heimat kostete. Der Heimatverein Zsàmbèk hatte hierzu 2021 ebenfalls zu einer Gedenkfeier eingeladen (wir berichteten ausführlich).

Nach Festigung der Beziehungen zwischen Einheimischen und Vertriebenen, als in den Jahren nach 1946 Normalität auch Dank der den Donauschwaben innewohnenden Tugenden wie Disziplin und Fleiß wieder Alltag werden konnte, ist die in der Bergstraße erbaute Gaststätte Dix zu erwähnen. Sie habe für den Zusammenhalt der Ungardeutschen eine wichtige Rolle gespielt, erinnert Gerhard Schmidt. Es war nur folgerichtig, dass dort auch der Heimatverein Zsàmbèk am 19. September 1986 aus der Taufe gehoben wurde. Matthias Tiefau wurde zum Vorsitzenden gewählt, Toni Pfendert als Stellvertreter. Eine Satzung definierte die Ziele und dabei stand zunächst die Bewahrung der Kultur der Deutschen (Donauschwaben) aus Ungarn, die Förderung der Heimatkunde und die Pflege der Zusammengehörigkeit mit den in der alten Heimat verbliebenen deutschen Mitbürgern im Mittelpunkt. Ein eigenes Museum in der ehemaligen Pfaffschule in Wißmar wurde eingerichtet und es galt, durch kulturelle Veranstaltungen und Heimattreffen den Satzungszielen gerecht zu werden.

»Binkelbälle«

Gerhard Schmidt nannte beispielhaft die bekannten »Binkelbälle« im Launsbacher Bürgerhaus, auch die traditionellen Weihnachtsfeiern mit dem beliebten Letschoessen und die »Knoblauchkirmes« auf der Röderheide, die Ungarn-Deutsche Tanzgruppe, und nicht zu vergessen, den auch bei den Einheimischen bekannten und beliebten »Schwabenball« in der Kongresshalle in Gießen. Zahlreiche andere gesellige und gesellschaftliche Ereignisse zählte der Chronist auf und dabei galt es auch den Krämermarkt zu nennen, an dem regelmäßig Delegationen aus Zsàmbèk und Tök, aber auch aus der französischen Partnerstadt Sorgues (neu hinzugekommen ist Grigny) teilnahmen. Stichwort hierbei: Die »Europaecke« mit kulinarischen Spezialitäten der Freunde aus Frankreich und Ungarn. Die Gäste aus Zsàmbèk und Tök investierten die guten Erlöse aus ihrem Stand beim Krämermarkt zu Unterstützung der Gemeinschaftsaufgaben und damit des »Deutschen Clubs« in Zsàmbèk, mit seinem langjährigen Vorsitzenden Janos Bechthold. Als stets verlässlicher Partner der Gemeinde Wettenberg war und ist der Heimatverein auch stets das Bindeglied zwischen den Partnern.

Schmidt nannte beispielhaft den ansehnlichen Geldbetrag für den Kindergarten in Zsàmbèk 1990, ein Jahr später die Unterstützung bei der Errichtung der Gedenkstätte für die gefallenen Soldaten, die Unterstützung bei der Instandsetzung der Orgel in Tök sowie die Unterstützung des Ordens von Schwester Agnes Juhasz, der sich um lernschwache und arme Kinder kümmert und eine Tagespflege und Lehrwerkstatt unterhält. Die Musikschule, die Kindertanzgruppe und die Trachtentanzgruppe wurden unterstützt und mit 3000 Euro Zuschuss der Wiederaufbau der Klosterschule nach dem Dachstuhlbrand mitfinanziert.

Zu den satzungsgemäßen Aufgaben gehört auch die Durchführung von besonderen Gedenkfeiern. Vorsitzende des Heimatvereins Zsàmbèk waren nach Matthias Tiefau eine kurze Zeit Anton Bader, dann eine lange segensreiche Arbeit durch den engagierten Vorsitzenden Johann Hain, nach dessen Tod übernahm für einige Jahre Ludwig Hankowetz das Zepter.

2014 folgte mit dem amtierenden und nun wiedergewählten Vorsitzenden Thilo Hain ein Generationswechsel. Er symbolisiert auch eine Neuausrichtung in der Vereinszielsetzung.

Ein wichtiges Standbein ist hier die Gesamtschule Gleiberger Land und die Schüleraustausche mit der Zichy-Miklos-Schule.

Auf Werte besinnen

Nicht zuletzt ist die Feuerwehr eine von Anfang an verlässliche Größe in der Partnerschaftspflege und organisierte Austausche mit dem Feuerwehrnachwuchs. Der Kunst- und Kulturkreis Wettenberg gibt ebenfalls belebende und bereichernde Impulse in der Partnerschaft.

Europa wankt in seiner Einigkeit und offensichtlich bedarf es leider Katastrophen wie dem Ukraine-Krieg, um sich wieder auf die Werte und Stärken zu besinnen, stellte Schmidt fest. Er appellierte an den neuen Vorstand, mit aller Kraft und allen Möglichkeiten den Heimatverein Zsàmbèk am Leben zu erhalten, nicht nur zur Erinnerung an die Geschichte, sondern auch als Mahner für den Frieden und dabei junge Menschen mit ins Boot zu nehmen.

Schmidt skizzierte die Anfänge der Partnerschaft 1985, als der damalige Bürgermeister Günter Feußner gemeinsam mit dem inzwischen verstorbenen Sorgueser Bürgermeister Fernand Marin, mit ihren Frauen auf Einladung des inzwischen ebenfalls verstorbenen Zsàmbèker Bürgermeisters Imre Zink nach Ungarn reisten. Dort entstand unter Mitwirkung eines kommunistischen Parteisekretärs ein Protokoll, welches Feußner bei der Amtsübergabe an seinen Nachfolger im Amt, Gerhard Schmidt, am 1. Februar 1986 überreichte. Es beinhaltet unter anderem den Wunsch eines baldmöglichst größeren Besuchs, zu dem am 25. Juli 1986 144 Teilnehmer aus Vertretern der Kommunalpolitik und acht Vereinen nach Zsàmbèk reisten. Der Beginn vieler langjähriger, persönlicher Freundschaften, die am 7. Oktober 1988 in der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden im Bürgerhaus Wißmar gipfelte. Daran hatte der zwei Jahre zuvor gegründete Heimatverein Zsàmbèk maßgeblichen Anteil.

Auch Thilo Hain erinnerte noch einmal an die Entwicklung und wichtige Stationen der Vereinsgeschichte. Am Himmelfahrtstag werden wieder Gäste aus den Partnerkommunen nach Wettenberg kommen. Der Krämermarkt fällt wegen Corona aus, aber die Begegnung soll in kleinerem Rahmen auf dem Gelände des Westerwaldvereins stattfinden. Vom 5. bis 14. August findet der internationale Jugendaustausch in Zsàmbèk und Tök statt, mit Unterstützung des Heimatvereins.

Bei den Vorstandswahlen wurde, neben dem Vorsitzenden Thilo Hain, auch der stellvertretende Vorsitzende Johann Gottfried Hecker wiedergewählt. Schriftführerin bleibt Barbara Yeo-Emde. Thomas Brunner schied als Kassierer aus und gehört nun dem Team der Beisitzer an. Kassiererin ist Neumitglied, Heike Proelß. Zu den Beisitzern gehören des weiteren Reinhard Bamberger, Dieterich Emde, Adelheid Hain, Ludwig Hankowetz, Roberto Röhrsheim und Volker Wehrum.

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1988: Der heutige Ehrenbürgermeister und damalige Bürgermeister von Wettenberg, Gerhard Schmidt (rechts), mit dem damaligen Bürgermeister von Zsàmbèk, Imre Zink † bei der Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages. © Volker Mattern

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