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Musikalisches Leben auf dem Akkordeon zusammengefasst

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Eine musikalische Zeitreise veranstaltete der 85-jährige Dieter Reinhardt im Wißmarer Bürgerhaus. Foto: Mattern © Mattern

Eine musikalische Zeitreise mit Akkordeon und Gesang unternahm Dieter Reinhardt, Gründer der Musikschule Wettenberg, im kleinen Rahmen im Wißmarer Bürgerhaus.

Wettenberg (mav). »War früher alles besser - gab es die gute alte Zeit wirklich?« Eine musikalische Zeitreise mit Akkordeon und Gesang von Dieter Reinhardt, Gründer der Musikschule Wettenberg, ging dieser Frage im kleinen Rahmen im Wißmarer Bürgerhaus auf den Grund.

In familiärer Atmosphäre

Der Musiklehrer und Erzieher hatte seine Schul- und Alterskameraden mit Familien und Freunden eingeladen. Die beiden nachmittäglichen Stunden erhoben nicht den Anspruch hochklassiger Interpretationen. Vielmehr waren sie kurzweilig unterhaltsam, die Atmosphäre war familiär und hatte etwas von Spinnstuben-Flair.

Ja, in der Tat: Das waren noch Zeiten, als unter einem Dach drei Generationen lebten, man nach getaner Arbeit vor dem Haus saß, jeder jeden kannte, Nachbarschaftshilfe das Mittel gegen Einsamkeit war, Kinder ihre Eltern achteten und jedes Individuum etwas zählte. Keine Familienfeier ohne Gesang und im Herbst eben die herbeigesehnten Spinnstuben.

Dass die Frauen schon damals »die Hosen anhatten« bewies das Lied »Die Fraa wollt off die Kirmes gieh«. »Gold und Silber hätt ich gern« und Tänze wie »Siehs’d net do kimmt’e« - Dieter Reinhardt war damit musikalisch in der Zeit des Ersten Weltkrieges angekommen. Wißmar mit seinen 1.675 Einwohner hatte 41 Tote zu beklagen. Die goldenen 20er, in denen durch Filme Tänze und Melodien aus aller Welt bekannt wurden. Der Wiener Walzer aus Österreich, der Passo Doble aus Spanien, Kalinka aus Russland, der Sirtaki aus Griechenland, der Tango aus Argentinien, der Holzschuhtanz aus Holland und aus Ungarn der Csárdás. Neue Musik und Schlager eroberten die Welt, alles Evergreens.

Während des Zweiten Weltkrieges war die Einwohnerzahl um 1000 gestiegen, die Zahl der Toten hatte sich mehr als vervierfacht. Salon- und Kaffeehausmusik kam auf: »Liebe ist ja nur ein Märchen«, oder »Die Beine von Dolores« und in den 50er bis 70er Jahren schlagerte es. »Aber dich gibt’s nur einmal für mich«, »Marmor, Stein und Eisen bricht«, »Ganz in Weiß«, oder »Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand«. Mit den 70ern verbindet man »Du kannst nicht immer 17 sein«.

Durch und durch der Musik verbunden

Der 85-jährige Dieter Reinhardt merkte an: »Wenn du dich zur Gegenwart äußern und in der Zukunft zurecht finden willst, musst du die Vergangenheit kennen.« Auch im hohen Alter ist der Musikpädagoge keiner, der der Moderne abgeschworen hat. Er ist immer noch durch und durch der Musik verbunden und weiß, dass sie prägend sein kann für ein Leben.

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