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Nach-, Neu- und Überdenken

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Einen unterhaltsamen Abend mit viel Inhalt und Anregungen zum Nachdenken bot Fredrik Vahle (r.) mit den Musikern Peter Herrmann und Klaus Becker sowie Sängerin Dietlind Grabe-Bolz (v.l.) in der Wißmarer Kunst- und Kulturhalle. © Waldschmidt

Fredrik Vahle bot im KuKuK eine gelungene »Komposition« aus Songs für »Erwachsene«, Biografie, Lesung, Gedichten und Stories mit inhaltlichem Tiefgang.

Wettenberg (whk). Da fühlte sich so manche Zuhörerin und mancher Zuhörer in seine eigene Sturm- und Drangzeit zurückversetzt als Fredrik Vahle seine persönlichen Erinnerungen und Erlebnisse als einer der »68er« las und die »revolutionär geprägten« Herzen der damaligen Zeit erreichte.

Vahle bot eine gelungene »Komposition« aus Songs für »Erwachsene«, Biografie, Lesung, Gedichten und Stories mit inhaltlichem Tiefgang. Das »besondere Konzert« regte zum Nach-, Neu- und Überdenken an. Der große Applaus am Ende des Kombinations-Konzertes war ein Zeichen für die ausgezeichnete Resonanz, die Fredrik Vahle zusammen mit den beiden Musikern Peter Herrmann (Gitarre) und Klaus Becker (Akkordeon) sowie der charmanten und bestgelaunten Oberbürgermeisterin a.D. Dietlind Grabe-Bolz im Ambiente der laufenden Kunstausstellung bot.

60 Zuhörer

Die Vorsitzende des Kunst- und Kulturkreises (KuKuK), Barbara Yeo-Emde, freute sich, dass gut 60 Zuhörer in das Domizil des KuKuK gekommen waren. »Fredrik Vahle präsentiert heute ein ›Erwachsenen-Programm‹. Am 5. Mai wird es mit ihm ein Kinderprogramm für alle Kinder aus den drei Wettenberger Ortsteilen in den katholischen Dreifaltigkeitskirche in Krofdorf geben«, so Barbara Yeo-Emde.

»Lesung und Musik« war dann auch ein Teilmotto des Abends. Vahle las aus seinem Buch »Schräge Lieder - schöne Töne«. Er spannte dabei einen »Lebens-Film-Bogen« vom mit »Erinnerungsskizzen« aus einer vielfältigen Biografie. Sie begann mit seiner Zeit in Stendal/Altmark (heute Sachsen-Anhalt) und seine gescheiteren »Auftritte« als Fünfjähriger.

Lieder habe er auf der Straße kennengelernt. So konnten die Zuhörer Vahles Vita hautnah erleben. Untermalt waren die einzelnen Passagen mit Instrumentalstücken des Musik-Duos Herrmann/Becker.

Die Klanggeräusche in der Kindheit verdichteten sich zu einer »Klangwolke«. Das »musikalische Russenerlebnis« mit heroischer Propaganda-Musik schilderte er. 1956 ging es dann von Stendal gen Westen nach Darmstadt. Beim Großvater nahm Vahle erste Klavierstunden, spielte später Balalaika und spanische Gitarre.

Nach dem Song »Der Friedensmaler«, gesungen von Dietlind Grabe Bolz präsentierte er das »Gedicht vom Ich«.

Der Künstler sparte nicht mit humorvollen und selbstkritischen Bemerkungen. Nach dem »Atem-Lied«, skizzierte er seine Zeit nach dem Abitur in Frankfurt als Student der Germanistik und Sprachwissenschaft in Gießen, gab ein Blick in seine Dissertation mit den Themen Sprache als kommunikativer Tanz sowie »Sprache und Bewegung. Später wohnte er in einer fünfköpfigen WG in Salzböden, die auch öfters »gestandene Sozialdemokraten« zur Diskussion zu Gast hatte.

Begeisterung beim Publikum riefen die Lieder »Gräfenhausen Grünkern Rap« und »Dem Karl sein Hund« hervor. Tiefgang hatte das Gedicht 2Wo kommen die Worte her«. »Was die Hand nicht begreifen kann, zeigt uns das Wort. Worte wollen zum anderen hinführen, Worte sind Brücken. Wenn man auf den Rhythmus der Worte hört, kann man auf den Herzrhythmus hören«, konstatierte Vahle.

Tiefgang

Thema waren auch seine Reisen nach Schweden und immer wieder nach Spanien. »Meine Spanienbegeisterung hat sich noch erweitert und auch in meinen Liedern niedergeschlagen.« Und immer wieder gingen seine Lieder »zu Herzen«. So »Gute Kunde«, »Lied für Orpheus« oder »Zukunft komm«. Herausragend dabei auch die Stimme und die Sangesfreude von Dietlind Grabe-Bolz, die den Abend auf besondere Weise bereicherten.

Im Schlusspart erklangen dann die Songs »Lebensreiselied« und das »Lied vom Gähnen«. Viel Beachtung fanden Vahles Ausführung zum Beten und das von ihm umgeschriebene »Vater unser«, auch Ausdruck seiner religiösen Orientierung. »Lausche dem Klang Deines Lebens« hieß es dann im »Abendlied durch verschiedene Sprachen, Zeiten und Länder«.

Ein vielschichtiger und unterhaltsamer Abend mit inhaltlichem Tiefgang, der nicht nur »Nachklingen« wird bei den Zuhörern. Vorsitzende Barbara Yeo-Emde dankte allen für diesen Abend in der erstmaligen Besetzung mit den Musikern.

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